Samstag, Februar 10, 2018

Potti in Vegas am & im Limit (Teil 3)


http://pottis-poker-blog.blogspot.de/2018/01/potti-in-vegas-am-im-limit-teil-1.html  (Teil 1) 
http://pottis-poker-blog.blogspot.de/2018/01/potti-in-vegas-am-im-limit-teil-2.html  (Teil 2) 

Hört sich alles sehr gut und nach einem Traumleben an, nicht wahr? War es auch. Wenn, ja wenn nicht zwischendurch ein gewisser Mr. DOWNSWING vorbeikam und Hallo sagte… 

Dass immer wieder eine Verlustsession dabei sein würde, darüber war ich mir von Anfang an bewusst. Es musste so sein. Wenn nämlich die guten Spieler beim Poker permanent gewinnen und die Schwachen immer verlieren würden, dann wäre das Spiel nicht so populär und es würde vermutlich bald aussterben. Die ständigen Verlierer würden es recht schnell satt sein und aufgeben.
Aber Asse gewinnen beim Poker Gott sei Dank nun mal nicht zu 100% gegen die Könige, sondern statistisch betrachtet eben nur zu 80%, sprich 4 von 5 mal. Und ich lebte sehr gut davon, dass die Gegner bis zum River mitgingen um ihren Kicker oder ihren Bauchschuß zur Straße auf wundersame Weise zu treffen. Hier und da trafen sie dann auch. Aber dann gab es eben diese Tage, an denen einfach nichts zusammenlief und die passenden Riverkarten für die Gegner in Serie reinrauschten. 

Auch wenn solche Tage mit einem Verlust von 300$ mir verständlicherweise keine gute Laune bereiteten, so machte es mir mental keine Sorgen. Auch finanziell bemerkte ich diese Rückschritte nicht mehr so arg, da meine Bankroll mittlerweile angewachsen war.

Der zweite Verlusttag hintereinander war dann schon nicht mehr ganz so ohne. Immerhin waren dann schon 600$ weg und man ging zudem die zweite Nacht in Folge mit unruhigen Gedanken schlafen. Ich weiß nicht, wie es den anderen Profis erging, aber ich fing zumindest an zu grübeln.

Drei Verlusttage in Serie kamen Gott sei Dank nicht so häufig vor, aber es wäre gelogen, wenn ich nicht zugeben würde, dass es auch diese Sequenzen gab. Nicht nur, dass mittlerweile knapp 1.000$ im Budget fehlten, ich fing zudem an mir Sorgen zu machen und mir Fragen zu stellen! Hatten sich vielleicht einige kleine Schwächen in meinem Spiel eingestellt, die ich nicht bemerkte? Waren die Gegner stärker geworden und das Spiel nicht mehr so lukrativ wie zuvor? Oder war ich die vergangenen Monate über wirklich nur “lucky“ und hatte übermäßig gut getroffen? Oder war es schlicht weg nur eine temporäre Negativvarianz, welche man aussitzen mußte? 

Der perfekte Graph!
Zwischendurch aber immer mal leichte Rückschläge
Es war sicherlich eine Mischung aus allen Faktoren. In jedem Fall aber traf ich damals instinktiv eine Entscheidung, die mir im Nachhinein betrachtet wohl den Arsch rettete. Denn so viele sehr gute Pokerprofis hatte ich in Vegas kennengelernt, die mit der Zeit einfach ‘ihr Spiel verloren‘ und dann schnurstracks und meist ungebremst in den Abgrund stürzten. 

Ich traf die Entscheidung, nach drei Verlusttagen in Serie pauschal einen kompletten Tag Pause einzulegen. Anstatt mich nachmittags wie gewohnt 2-3 Stunden an den Pool zu liegen, verbrachte ich dann 6 Stunden dort. Ich schaute nochmals in meine Pokerbücher um das eine oder andere nachzulesen. Abends gönnte ich mir dann den Luxus eine schöne Show anzuschauen oder setzte mich stundenlang an einen Pai-Gow Tisch und genehmigte mir den einen oder anderen Rum & Coke. So hatte ich Zeit a) mich abzulenken und b) auch über mein Spiel reflektierend nachzudenken um alles wieder auf Null zu stellen. Am Folgetag ging es dann mental gestärkt und motiviert an die Arbeitsstätte zurück. In der Regel funktionierte dieses Vorgehen auch und ich landete direkt wieder in der Erfolgsspur.

2 x in insgesamt 3 Jahren funktionierte allerdings auch das nicht. Ich fuhr weitere Minussessions nach meinem Ruhetag ein. Und das war für mich das Alarmsignal, gleich mehrere Tage Pause zu machen. Ich war hier vom Erfolg abhängig und es gab keinen Plan B. Ich mußte wieder in die Spur kommen! Ich weiß nicht, ob es reiner Zufall war, aber der Weg, den ich dann ging, funktionierte. Ich packte meine Klüngel für ein paar Tage zusammen, fuhr nach San Diego und machte gleich 4-5 Tage komplette Poker-Auszeit.

Ich hatte San Diego mit Klaus und seinem Pokerbuddy Zorn bei einem gemeinsamen Trip durch Kalifornien kennengelernt und hatte mich in die City schockverliebt. Nie zuvor hatte ich eine schönere Stadt gesehen. Die Innenstadt mit seiner wunderschönen Architektur. Direkt nahe gelegenen der Balboa-Park und wiederum daran gelegen Sea-World mit seinen Attraktionen nebst dem schönsten Zoo der Welt. Was mich an San Diego jedoch am meisten faszinierte, war die Gegend und die Atmosphäre des Vororts La Jolla, etwas nördlich gelegen von der Stadtmitte. Das Strandleben dort und die ganze Stimmung waren für mich der ultimative Inbegriff für Freiheit und Unbekümmertheit. Ich konnte dort tagelang in einem Cafe an der Strandpromenade sitzen, die Action am Broadwalk sowie die gewaltigen Wellen des Pazifiks beobachten und das Meeresrauschen genießen. Ich nahm mir ein kleines Motelzimmer und ließ die Seele einfach baumeln. Kein Poker, keine Bad Beats, kein ständiges Daddeln der Automaten. Und vor allen Dingen war es auch mal schön der Wüstenhitze für ein paar Tage zu entfliehen. In San Diego herrscht nämlich das perfekte Klima. Das ganze Jahr über Temperaturen um die 25 C gepaart mit einem leichten Wind.
Mission Boulevard in La Jolla (San Diego) 
Den ersten Trip machte ich allein. Ich mietete mir ein Auto und fuhr los. Nach 5 Tagen Kurzurlaub kam ich ich mega frisch erholt und bis in die Haarspitzen motiviert wieder zurück zur Arbeit. Und von Beginn an lief es wieder wie am Schnürchen. Ich hatte einen ganz anderen und glasklaren Blick auf die Situationen am Tisch. Back on track!

Meine zweite ‘San Diego-Heilkur‘ etliche Monate später, als ich auch mal wieder massiv überspielt war und dringendst eine Auszeit brauchte, unternahm ich mit Yuna. Yuna kam aus Taiwan, lebte aber bereits seit geraumer Zeit in den USA. Sie war ein wenig jünger als ich und Black-Jack Dealerin in der Barbary Coast. Kennengelernt hatte ich die bildhübsche Asiatin natürlich auch beim Poker, ihrer großen Leidenschaft. Nach gemeinsamen Sessions gingen wir ab und an essen. Als sie davon hörte, dass ich ein paar Tage nach Kalifornien fahren würde, fragte sie mich, ob sie mich begleiten dürfe. Sie hätte derzeit Urlaub. Natürlich durfte sie mich begleiten
💕 Auch von diesem Kurzurlaub kam ich tiefenentspannt und hungrig nach Vegas zurück.

Einen dritten Trip nach San Diego unternahm ich im Frühjahr 1994 zusammen mit Jessica. Das war allerdings nicht, weil ich mich dringend mal wieder sammeln mußte und vom Pokern eine Auszeit benötigte, sondern es war ein reiner Luxusurlaub…mit Begleitung. Jessica hatte ich am Pool von Binions Horseshoe kennengelernt, wo sie sich während ihres Studiums als Life-Guard ein paar Dollar dazuverdiente. Über die Zeit mit ihr, über die Woche in San Diego und wie diese Liason ausging, darüber werde ich einen Extra-Blog anfertigen.

In jedem Fall kam ich nach allen drei Trips frei im Kopf wieder nach Las Vegas zurück. Und es machte sich jedes einzelne Mal auch direkt in den Ergebnissen an den Tischen bemerkbar. Mit der Zeit hatte ich meine Bankroll immer weiter aufgebaut. Es reichte zwischendurch sogar für zwei Trips zurück in die Heimat nach Deutschland, wo ich meine Familie & Freunde wiedersah und ein wenig angespartes Geld abladen konnte. Aber ganz lange konnte ich es dann im beschaulichen Ostwestfalen doch nicht mehr aushalten. Wenn man in einer Metropole wie Las Vegas lebte und sich dort zudem pudelwohl fühlte, dann fiel es schwer in einer westfälischen Kleinstadt wie Wiedenbrück klarzukommen. Es ging immer schnell wieder zurück in die Wüste!

Im Frühjahr 1993 war ich on Top of my game. In einer Phase hatte ich eine Serie von 29 gewonnenen Sessions in Folge. Ich strotzte zu jenen Zeiten vor Selbstbewußtsein und ging an die Tische in der Tat nicht mehr mit der Frage, ob ich gewinnen würde, sondern wieviel es sein würde. Ich fühlte mich unbesiegbar! Ich kann mich noch gut an einen Tag erinnern – ich hatte zu dem Zeitpunkt in oben angesprochener Serie knapp über 20 Sessions nacheinander gewonnen – als mal gar nichts lief. Ich war Sonntagsnachmittags ins Mirage Casino gekommen. Da am 6/12$ Tisch noch kein Platz frei war, begann ich im 3/6$ Limit um die Wartezeit zu überbrücken. Am besagten Tag lief zunächst nichts zusammen. Ich konnte auf wundersame Weise keinen einzelnen Pot gewinnen. Zwei Stunden vergingen und ich war bereits 100$ hinten. In so einer Phase, obwohl ich bereits längst ausgerufen wurde fürs  6/12$, wechselte ich dann nicht ins höhere Limit. Ich blieb am Tisch. 6 Stunden vergingen, mittlerweile war ich 200$ im Brand, und ich wartete immer noch auf meinen allerersten Pott. Aber was ich auch machte, es sollte am River immer die passende Karte für die Gegner kommen. 10 Stunden um und schon knapp über 300$ im Minus…es sollte einfach nicht sein. Normalerweise hörte ich dann ja auf. Aber da ich eben diese lange Serie von gewonnenen Sessions in Serie nicht abreißen lassen wollte, spielte ich ausnahmsweise weiter. Nach 11 Stunden (!), bei 25-30 gedealten Händen pro Stunde also nach ca. 300 Händen, gewann ich meinen ersten kleinen Babypott! Das Eis war endlich gebrochen.

Und auch, wenn es sehr schwer zu glauben ist…ich schwöre, dass es wahr ist! Ich spielte dann durch bis zum Dienstagabend, bis ich endlich ins Plus drehte. 48 Stunden, unterbrochen nur durch einige kurze Auszeiten am Buffet und einem guten Dutzend an Toilettengängen, saß ich auf dem gleichen Platz in der Hoffnung meine Serie von Gewinnsessions nicht abreißen zu lassen. Es gelang mir! Als ich genau einen Dollar (!) vorn war,  packte ich völlig übermüdet und groggy meine Klüngel zusammen, nahm mir ein Taxi und fuhr nach Hause. Jener darauffolgende Mittwoch im Frühjahr 1993 ist dann auch der einzige Tag in meinem ganzen Leben, der mir fehlt! Ich habe ihn einfach übersprungen, da ich komplett durchgeschlafen habe. Unterbrochen von 2-3 Pippipausen ging ich an einem Dienstagabend ins Bett und wachte am Donnerstag morgen nach knapp 30 Stunden auf. Es war überaus komisch für den Kopf…!

Ich spielte in dieser Top-Phase überwiegend 6/12$ im Mirage, machte nun aber regelmäßig Ausflüge ins 10/20$ Spiel. Zuweilen und wenn ich viele schwache Spieler im Limit darüber entdeckte oder wenn ich Tipps von Freunden bekam, dass sich an gewissen Tischen außerordentlich viele Flop-neugierige Touristen befanden, wagte ich an den Wochenenden gar Ausflüge ins 20/40$ Spiel. Ich wollte irgendwann in den hohen Limits mitmischen und dafür mußte ich mich so langsam annähern und Risiken eingehen.

In diesen höheren Limits stellte ich folgende Sachen fest:

1. Die guten Gegner, die es zwar auch in den unteren Limits gab, waren in den höheren Limits definitiv spielstärker. Sie spielten wesentlich aggressiver und variantenreicher.

2.
Es waren im Schnitt weniger schwache Gegner an den Tischen. Statt drei  oder vier Fischen pro Tisch gab es nun mehr höchstens noch einen oder 2 Spieler, weswegen es sich lohnte. Und selbst diese schwächeren Gegner waren zuweilen auch noch trickreich.

3.
Naturgemäß waren die Pötte jetzt wesentlich größer. Im 10/20$ Limit beliefen sich die Pötte im Schnitt auf ca. 150$, die Großen teilweise auf über 300$. Im 20/40$ entsprechend doppelt so hoch. Und bei ca. 25 gespielten Händen pro Stunde waren die Swings natürlich riesig. Selbstverständlich war es für den Geldbeutel nun sehr effizient eine erfolgreiche Session zu haben. Aber entsprechend schlugen Verlustsessions auch richtig heftig ins Kontor…und auch aufs Gemüt. Ich fühlte mich in den höheren Limits nicht sonderlich wohl und häufig unentspannt!

4.
Ich bemerkte zudem, dass ich mit meinem relativ tighten und soliden Spiel nicht so wie erwartet klar kam in den höheren Limits. In den kleineren Limits waren immer noch 2-3 Gegner am River dabei und ich bekam die Siegerhände entsprechend gut ausbezahlt. In den höheren Regionen jedoch war man am River meist nur noch Heads-Up…sofern es denn überhaupt bis zur Riverkarte ging! Ich mußte mein Spiel ein wenig umstellen, da die Blinds einfach zu häufig vorbeikamen. Und somit fing ich an, aus den hinteren Positionen die Spieler im Small und Big Blind auch mit nicht so stabilen Starthänden anzugreifen…und bluffte mehr zum Ausbalancieren meines Spiels.

Fakt war, dass ich nach 8–10 Wochen, in denen ich überwiegend in den höheren Limits aktiv war, unterm Strich zwar einen minimalen Gewinn aufwies. Wenn ich dieses Mini-Plus jedoch durch die investierten Stunden teilte, so war das Ergebnis eine absolute  Vollkatastrophe! Da wären alle Gewerkschaften, die hierzulande in Sachen Mindestlohn aktiv sind, auf die Barrikaden gegangen. Und meine Kosten waren ja gleich hoch geblieben. Mittlerweile eher sogar noch höher, da ich mir im Vergleich zur Anfangsphase in Vegas mittlerweile wesentlich mehr Freizeitaktivitäten gönnte wie Abende beim Basketball, regelmäßige Besuche von Boxveranstaltungen und Shows. Meine Bankroll war zwar noch nicht ernsthaft in Gefahr, aber ich wollte definitiv kein Risiko eingehen. Daher beschloß ich, in den Limits vorerst wieder runter zu gehen. Wieder in die Limits zurückzukehren, in denen ich mich zwei Jahre lang so pudelwohl fühlte und die ich mit verbundenen Augen schlug!

Dann geschah jedoch etwas, was vielleicht nur Pokerspieler nachvollziehen können, die ebenfalls mal Limitwechsel nach unten begangen haben. Ich kam mittlerweile auch in ‘meinem‘ Stammlimit nicht mehr klar! Ich hatte durch den monatelangen Ausflug in die höheren Regionen, in denen ich notgedrungen auch mein Spiel verändert und angepasst hatte, mein erfolgreiches und effizientes Spiel verloren! Ich spielte zu viele Hände, verteidigte meine Blinds zu häufig und vor allen Dingen bluffte ich viel zu viel. Anstatt einfach wieder zu meiner soliden und gewinnträchtigen Strategie zurückzukehren (leichter gesagt als getan!), versuchte ich meine Gegner in diesen Limits auszuspielen.

Ich hatte den Respekt vor den kleineren Einsätzen verloren. Und meine Gegner dann auch peu á peu vor mir! Waren meine Gegner 10 Wochen zuvor noch vor Ehrfurcht fast erstarrt, wenn ich mich an den Tisch setzte, so merkten sie nun, dass auch ich zu schlagen war. Ich bekam meine Steals nicht mehr durch, bekam zusehends Gegenwehr. Mein Image war zerstört. Und das machte sich dann leider auch sehr schnell & negativ in den Ergebnissen bemerkbar!


Ich lebte nun zwei Jahre in Vegas. In der Stadt, wohin viele fuhren einfach nur um Urlaub zu machen! Und dafür viel Geld ausgaben. Eine traumhafte Zeit lag hinter mir...es war schöner als ich es mir zu Beginn des Trips in meinen kühnsten Träumen überhaupt vorgestellt hatte. Zwei Jahre lang hatte ich keinen einzigen Verlustmonat an den Pokertischen! Ich konnte meine Finanzreserven bis auf leichte Rückschläge quasi permanent ausbauen. Und nun, nach 4 miesen Monaten am Stück, hatte ich nicht nur meinen ersten Verlustmonat zu verzeichnen, sondern auch in meine Bankroll war eine gewaltige Schneise gefräst worden! Zudem, und das war wohl das allergrößte Problem, hatte ich mein Spiel nicht mehr zusammen. Das Unternehmen stand erstmals in Gefahr, in großer Gefahr!
Dann, im Sommer 1993, kam Gott sei Dank eine Nacht in Binions Horseshoe, die alles, aber auch wirklich alles komplett verändern sollte…

To be continued…      

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