Montag, Juli 29, 2019

Quo vadis DEUTSCHLAND?

Ich weiß…dies ist ein Pokerblog. Es soll sich um Geschichten rund um das Pokerspiel drehen hier. Das wird auch 100% so bleiben…versprochen!

Aber dennoch mache ich heute einen kurzen politischen Ausflug. Ganz einfach, weil es mich bedrückt. Und ich möchte vorweg sagen, dass ich wirklich alles andere als ausländerfeindlich eingestellt bin. Ich habe mehrere Jahre meines Lebens außerhalb Deutschlands verbracht und auch sehr viele Reisen unternommen. War in vielen Ländern auf dieser Erde. Und überall, wo ich war, bin ich sehr herzlich empfangen und behandelt worden.
Genauso habe ich immer versucht ausländischen Bürgern, die hier in Deutschland leben, mit dem gleichen Respekt und der gleichen Herzlichkeit entgegen zu kommen. Sie zu unterstützen, wenn ich konnte. Denn es ist nicht immer einfach in einem fremden Land Fuß zu fassen.
Ich würde auch schätzen, dass die Hälfte meines direkten Freundes- und Bekanntenkreises ausländische Wurzeln hat und ich behaupte: Ich komme mit allen recht gut klar. Aber ich muss auch sagen, dass sie alle Herzens gute Menschen sind und sich mit Anstand und Respekt an die Deutschen Gesetze halten. Ich würde mich für jeden einzelnen verbürgen!

Aber …

Das, was teilweise hierzulande aktuell abgeht, das ist einfach nicht in Ordnung. Meines Erachtens muss die Politik ganz dringend aktiv werden, wenn das derzeitige Chaos wirklich nicht total eskalieren soll.

Beispiel 1
In einem Düsseldorfer Freibad werden willkürlich Badegäste nicht nur beim Verbringen ihrer wohl verdienten Freizeit gestört. Die Badegäste werden auch noch schikaniert, beleidigt und bedroht. Völlig unschuldige Bürger, die aufgrund der Hitze lediglich ein wenig schwimmen möchten. Und nachdem Strafanzeigen gegen die Täter gestellt werden, passiert das gleiche Szenario einen oder mehrere Tage später erneut. Teilweise mit den gleichen Beschuldigten. So etwas darf nicht passieren. Es muss einfach härter durchgegriffen werden!

Beispiel 2
Dies weiß ich aus erster Quelle sowohl von Mitarbeitern mehrerer Supermärkte als auch direkt von Polizeibeamten. Es kommt sehr häufig zu Diebstählen in Supermärkten. Die Täter werden erwischt, es wird Strafanzeige gestellt und die Polizei muss diese Leute/Täter abends wieder nach Hause gehen lassen. Entweder, weil der Schaden nicht groß genug ist oder weil sie sich nicht ausweisen können (Anm.: Wenn es nach den Polizisten ginge, würde dies nicht so passieren! Aber die Polizei macht nun mal nicht die Gesetze). Teils sind die Täter einen Tag später wieder im gleichen Laden und werden wiederum beim Klauen erwischt. Das gleiche Szenario passiert. Ich möchte hier auf gar keinen Fall sagen, dass hier immer Ausländer am Werk sind. Aber ich empfinde, dass hier einfach weitaus härtere Strafen ausgesprochen werden müssen! Egal, ob Deutsche oder Ausländer. Wer sich wiederholt nicht an die Regeln & Gesetze unseres Staates hält, der muss hart bestraft werden. Mit Gefängnis oder - bei Ausländern – dann eben mit Ausweisung aus dem Land. Ich bin 1994 aus den USA verwiesen worden, nur weil ich da war! Ich habe mir rein gar nichts zu Schulden kommen lassen und habe sogar noch zur Steigerung des Bruttosozialproduktes beigetragen. Bin einfach verwiesen worden - und zwar auf Lebenszeit!

Der Vorfall, wo heute Vormittag eine Mutter mit ihrem 8-Jährigen Kind am Frankfurter Hauptbahnhof vor einen Intercity geschubst wurde, ist jetzt gerade erst ein paar Stunden alt. Es fehlen mir die Fakten um mich dazu konkret zu äußern (Stand 29.7. – 16.30 Uhr). Aber wenn es tatsächlich so war, wie aktuell der Medienstand ist, dann fehlen mir einfach nur die Worte. Es macht mich traurig, aber auch wütend.

Wo kommen wir hin? Die Gesetze müssen schärfer eingestellt und konsequent angewendet werden. Für alle. Ansonsten wird es hier früher oder später im Chaos enden und unser schönes Land wird seinen Reiz & Charme, für den viele Menschen in den letzten Jahrzehnten sehr hart gekämpft und gearbeitet haben, Stück für Stück verlieren.

Und es sollte hier im Lande wirklich keiner überrascht sein -weder Deutsche noch Ausländer- wenn eine Partei wie die AFD (nochmals: ich bin kein AFD-Wähler!) immer mehr Zulauf bekommt und Leute dort eine Alternative suchen. Aber einige Politiker scheinen sich immer noch ob des Zulaufs zu wundern und kriegen die aktuelle demographische Entwicklung mit samt ihrer entstehenden Problematiken irgendwie nicht so recht auf den Radar.

Quo vadis Deutschland?

Ps.: Ich möchte noch ergänzen, dass ich in den letzten Monaten wunderbare Menschen unter anderem aus Syrien oder Äthiopien kennengelernt habe. Als sie mir ihre Geschichte erzählt haben und unter welchen Umständen sie hier bei uns in Deutschland gelandet sind, da hat es mir das Herz zerrissen. Und ich möchte ich auch ganz klar stellen, dass ich zunächst einmal alle wirklich Willkommen heiße. Es geht mir ausschließlich um den Punkt, dass man sich an die Gesetze halten möge und bei "Nicht-Einhalten" drastisch & strikt eingegriffen werden muss. Egal was es kostet.

Mir ist bewusst, dass viele von euch anderer Meinung sind. Gerade bei politischen Äußerungen ist dies völlig natürlich und auch absolut normal. Aber dieser Post musste einfach raus!  

Sonntag, Juli 14, 2019

Hossein Ensan for Champion

Irgendwie kriege ich es immer noch nicht so richtig verarbeitet im Kopf. Mein Freund/sehr guter Bekannter Hossein Ensan sitzt heute Nacht am Final Table vom Main-Event der World Series of Poker. Und nicht nur das, er hält mit 177 Millionen Chips sogar eine einigermaßen komfortable Führung. Er geht als Favorit in das heutige Finale. Kann in die Geschichte eingehen. 

Ich kenne Hossein mittlerweile seit etlichen Jahren und damit ihr ein kleines Bild von diesem tollen Menschen bekommt, möchte ich hier ein paar kleine Geschichten erzählen.

Aschenbecher

Kings Casino Rozvadov. Anfang 2016. Hossein hatte ein paar Wochen zuvor gerade die EPT in Prag gewonnen.
Mein Freund und Kollege Knossi & ich hatten seinen Erfolg LIVE per Stream übertragen und beim Kommentieren natürlich auch voll mit ihm mitgefiebert, da wir ihn schon länger kannten. Nach einem langen Pokertag im Kings (wir in der Kommentatoren-Box und Hossein als Spieler im Turnier) verabredeten wir uns mit ihm an der Bar um nochmals auf seinen Erfolg in Prag anzustoßen. Wir hatten schon ein paar Bierchen intus und es war eine lustige Runde. Jens & ich zündeten uns eine Zigarette an und da in direkter Nähe kein Aschenbecher stand, “aschten“ wir die Glut halt auf den Boden des Casinos. Als Hossein dies sah, sagte bzw. ermahnte er uns: „Jens, Martin, das könnt ihr nicht machen!“ In diesem Moment formte er seine Hände zu einem Aschenbecher und bestand fortan darauf, dass wir die zum Teil noch heiße Glut in seine Hände träufelten! Ich werde es nie vergessen! Jemand, der ein paar Wochen zuvor gerade fast eine Million € bei einem Pokerturnier gewonnen hatte!

Champion EPT Prag 2015
CPT-LA

Seit einigen Jahren bin ich im Frühjahr jeden Jahres bei der CPT-LA zu Gast. Einem wunderbaren Charity-Poker Turnier im Sauerland, wo die erzielten Einnahmen guten Zwecken zugewendet werden. Vor dem Turnier 2018 fragten mich die Jungs aus dem Orga-Team, ob ich nicht mal Hossein anfragen könne, ob er nicht vielleicht ins Sauerland kommen mag. Gesagt, getan und Hossein sagte auch sofort zu.
Als wir im Sauerland waren – in der Halle waren sicherlich einige Hundert begeisterter & leidenschaftlicher Pokerspieler – kam Hossein nach ca. einer Stunde völlig aufgeregt auf mich zu und sagte: „Martin, die Leute kennen mich hier alle und möchten Fotos mit mir und Autogramme. Ich bin nervös!“ Und ich konnte ihm die Nervösität sogar richtig anmerken. Ein paar Tage später bedankte sich Hossein bei mir nochmals telefonisch, dass ich ihn zu dieser schönen Veranstaltung eingeladen hatte!

Las Vegas 2015

Main-Event – Tag 2c. Ich war am Abend zuvor (Ende Tag 2ab) aus dem Main gebusted und stand nun zufällig gerade am Tisch von Hossein an der Rail. Er hatte richtig viele Chips vor sich stehen. Umgerechnet mehr als 300 BBs. Für alle Nicht-Pokerspieler: Das ist ungefähr so, als wenn man mit 1.000€ in der Tasche zur Eisdiele fährt um sich 2 Kugeln Eis zu kaufen. Ihm direkt gegenüber saß Jens Lakemeier, ein anderer Deutscher Poker-Profi, der sogar noch mehr Chips vor sich stehen hatte. Beide also mit ungewöhnlich viel Munition für diese frühe Phase des Turniers. Alle anderen Spieler am Tisch saßen vergleichsweise auf regelrechten Baby-Stacks.

Ich kriege die folgende Hand jetzt leider nicht mehr ganz im Detail hin. Aber aus irgendeinem Grund entstand zwischen den beiden ein “Raising-War“. Keine wollte zurückstecken und auf einmal waren am Flop die kompletten Stacks von beiden Spielern in der Mitte! Total unnötig und mit allerhöchstem Risiko. Beide hatte nicht die NUTS am Flop und hatten völlig überpaced! Nun, Hossein’s Hand bekam keine Hilfe und Jens Lakemeier kassierte den Monster-Pot, war glaube ich zu dem Zeitpunkt mit mehr als 600 BBs sogar Chipleader beim Main-Event. Hossein dagegen war raus!
Ich ging anschließend mit einem total untröstlichen Hossein an die frische Luft. „Martin, sagte er mir, wie kann ich denn so dumm sein und die Hand so spielen? Was habe ich mir dabei gedacht? Was ist in mich gefahren?“ Er konnte es einfach nicht fassen, was gerade passiert war und hatte mit den Tränen zu kämpfen. Der Traum vom 10K Main-Event war durch eine einzige unüberlegte Aktion innerhalb von wenigen Sekunden geplatzt wie eine Seifenblase. Aber kämpferisch sagte er mir auch: „Martin, das wird mir nie wieder passieren!“

Tja, im Nachhinein betrachtet hatte diese Aktion gegen Jens von vor 4 Jahren vielleicht sogar etwas Gutes. Denn Hossein hat in den letzten 7 Tagen wirklich extrem gutes Poker gespielt. Er hat richtig gute & disziplinierte Laydowns gemacht & perfekte Entscheidungen getroffen. Und belohnt wird es in jedem Fall, denn eine Million Dollar Preisgeld hat der Münsteraner bereits sicher, wenn heute Nacht in Las Vegas der Final Table beginnt. Aber vielleicht wird es ja sogar noch wesentlich mehr. 10 Millionen Dollar gibt es für den Gewinner!


Final 9 Players
Und eines kann ich euch auf jeden Fall sagen: Wenn ich es jemanden von Herzen gönne, dann ist es Hossein Ensan. Er ist einer der tollsten & warmherzigsten Menschen, die ich je in meinem Leben kennengelernen durfte! 
Bracelet für den Weltmeister 2019

Freitag, Juni 21, 2019

3 Bad Beats

Wer viel Poker spielt, der wird auch viele Bad Beats erleiden (müssen). Ab und an auch mal einen austeilen. Wer unterm Strich erfolgreich ist bzw. sein will, der sollte langfristig in seiner Bilanz auf jeden Fall ein Vielfaches mehr an erlittenen Bad Beats gegenüber ausgeteilten ausweisen können. Ansonsten sehe ich mittel-/langfristig leider schwarz!

Natürlich werde auch ich immer wieder von Spielern angesprochen und muss mir die eine oder andere Story anhören. Meistens weiß ich schon nach den ersten 2 Sätzen, welches die Turn- und die Riverkarte ist und vermutlich könnte ich in 90% der Fälle die Story auch selbst zu Ende erzählen. Aber anstandshalber hört man sich die Geschichte(n) dann doch noch bis zum Schluss an und zeigt Verständnis. Geteiltes Leid ist nun mal halbes Leid. In all den Jahren, die ich nun bereits Poker spiele, habe ich unter Garantie eine höhere 3-stellige Zahl an 1- und 2-Outern gegen mich bekommen und habe auch mit Sicherheit ein paar Dutzend an 1-2-Outern ausgeteilt. Das gehört nun mal dazu!
Hier nochmals meine schönsten Geschichten. Zumindest bei den ersten beiden saß ich mit am Tisch und habe sie selbst gesehen. Die dritte Story habe ich von einem Kumpel.  


Asiate on Tilt
Diese Partie hat sich vor über 20 Jahren in Las Vegas im Casino Mirage abgespielt. Ich saß an einem 10/20$ Limit Holdem Tisch. Es war Wochenende, die Action war heiß und es wurde auf Teufel komm' raus gezockt.
Spieler A, ein Asiate, den ich vorher noch nie gesehen hatte, raiste seit einer halben Stunde jede...wirklich jede einzelne Hand. Er war offenkundig zum Gamblen gekommen. Wenn jemand vor ihm raiste, dann ging er nochmals drüber. Er war bereits ordentlich im Minus, hatte aber sichtlich Spaß dabei und hier und da hatte er auch bereits ein paar heftige Bad Beats am River ausgeteilt.
Jeder am Tisch hatte es auf ihn abgesehen und wollte ein Stück des finanziellen Kuchens. Er hatte jetzt noch etwas mehr als 200$ vor sich liegen. Spieler B war ein sehr solider Profi-Spieler aus Las Vegas, der täglich seine 6-8 Stunden im Mirage abriss und dort zu den ständigen Gewinnern gehörte. Er war an diesem Abend bereits einige Male Opfer des Asiaten. War somit bereits leicht auf Betriebstemperatur und wartete nur auf die Chance, es dem Asiaten "heimzuzahlen".
Nun reraiste er den Asiaten. Spieler B hatte extra nochmals nachgeladen und um die 1.000$ vor sich liegen. Der Asiate ging nochmals drüber und nachdem beide dann nochmals einige Male hin- und herraisten, called Spieler B dann letztlich. Vielleicht hat der Asiate ja dieses Mal doch AA zum Start ausgeteilt bekommen? Der Flop bringt K33 mit 2 Kreuzen. Im 10/20$ Spiel kann vor und am Flop nur 10$ gesetzt werden, aber im Live-Spiel ist es so, dass wenn nur noch 2 Spieler in den Pott verwickelt sind, die Anzahl der Raises nicht limitiert war und theoretisch so lange erhöht werden kann, bis einem der Spieler die Munition ausgeht. Da der Asiate mehr oder weniger sowieso auf Tilt war, geschieht genau dies und keiner der beiden hörte auf bis die ganzen 200$ von Spieler A drin sind. Im Pott also über 400$. Zu diesem Zeitpunkt bin ich als Zuschauer davon ausgegangen, dass ich beim Aufdecken gleich Full House Könige und einen Vierling 3er sehe und um so überraschter war ich, als der Asiate mit AQc lediglich einen Flushdraw zeigt. Spieler B deckt mit KK wie erwartet eine Bombe auf klatscht mit seinen Sitznachbarn zur Rechten und Linken bereits ab, feiert seinen Sieg. Aber ihr könnt euch denken, dass die Messe noch nicht gelesen war und die Geschichte stünde ansonsten ja auch nicht hier. In der Tat "findet" der Dealer sowohl am Turn als auch am River die noch im Deck befindlichen zwei 3er (!) und der Asiate gewinnt mit einem Vierling 3er (die 4 Dreien liegen ja nun auf dem Board) mit As Kicker! Ich habe den Gesichtsausdruck von Spieler B noch jetzt vor Augen - es war einfach zu köstlich. Während der Las Vegas-PRO sofort seine Klüngel packte und den Tisch verließ, hatte der Asiate Spaß bis zum Abwinken. 90 Minuten später waren seine Chips dann jedoch auch unter uns gut verteilt...haha. 
Die ultimative Bad Beat Story
1994 - wir befinden uns im Casino Binion's Horseshoe in Downtown Las Vegas und es wird 4-8$ Limit Omaha gespielt. Zu jener Zeit war das Horseshoe neben dem Mirage eigentlich das einzige Casino, wo regelmäßig gepokert wurde und die Limit Omaha Partien dort waren legendär und extrem beliebt. Es waren rund um die Uhr 365 Tage im Jahr minimum 2 Omaha-Tische am Laufen und wer mal richtig zocken wollte, der kam dorthin. Die Spiele waren immer sehr wild und die Durchschnittspötte lagen damals bei ungefähr 150$. Geschätzt jedenfalls. Die Runde am besagten Abend war ebenfalls sehr lebendig und es ging hoch her. 2 Spieler, die bereits reichlich im Minus standen, raisten fast jeden Pott vor dem Flop bis zum Anschlag (Cap = 4 Raises) und es waren nicht selten 7 ,8 oder ab und an auch alle Spieler mit von der Partie, die 20$ Preflop einsetzten um einen dieser Riesenpötte zu ergattern.
So waren auch im folgenden Spiel 8 Spieler involviert und vor dem Flop lagen bereits 160$ in der Mitte. Ich hatte JJxx und der Flop brachte J86 mit 2 Karos. Eine weitere Setzrunde begann und es kamen weitere 100$ in die Tischmitte. Turnkarte war jetzt ein weiteres Karo (3) und die Setzorgie fing von vorn an. Bet, Raise, Reraise ....usw. und 4 Spieler (inkl. mir) legten weitere 40$ pro Person in den Pott, in dem jetzt somit bereits knapp über 400 $ lagen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt Top-Set und musste darauf hoffen, dass sich das Board paired um eine Siegchance zu haben. Denn es war offensichtlich, dass jemand, vermutlich sogar mehrere Personen, den Flush bereits fertig hatte.
Mit im Pott war auch eine ältere Dame, die im Horseshoe Stammkundin war und dort nahezu täglich Omaha spielte. Und ich nehme es mal vor weg. Sie hielt AT76 mit 2 Karos (und dem Karo As!) auf der Hand und hatte zum jetzigen Zeitpunkt die absolut bestmögliche Hand. Sie brauchte bislang aber noch kein einziges Raise selbst zu setzen. Die Kamikazespieler übernahmen dies für sie. Der grüne Filz des Tisches war nach der Setzrunde am Turn bereits überhaupt nicht mehr zu sehen, da alles voll bedeckt war mit 1$ Chips.
Nun dreht der Croupier die Riverkarte um und es war ....die Pik 2. Eine absolute und nichts verändernde Blank und die Nuthand der älteren Dame hielt. Kamikazespieler 1 kommt allerdings mit einem weiteren Bet heraus und Kamikazespieler 2 direkt dahinter raised abermals. Die ältere Dame kann den Pott jetzt nur noch verlieren, wenn sie nicht mehr in der Lage ist, ihre Chips in die Mitte zu kriegen um zu callen/raisen.  Und genau das passiert! Just in dem Moment, als Kamikazespieler 2 den Raise announciert, sackt die Dame in sich zusammen und fällt samt Stuhl hinten rüber....Herzinfarkt! Die Sanitäter des Hauses sind innerhalb von wenigen Minuten vor Ort, reanimieren sie auch noch vor Ort. Sie wird abtransportiert ins Krankenhaus. Ihre Hand jedoch ist "dead" und kommt nicht mehr in die Wertung. Kamikazespieler 2 sackt den Monsterpott anschließend mit seinem Q high Flush ein ... was für ein Bad Beat!
Ich habe die Frau nie wieder im Horseshoe gesehen und kann auch nicht sagen, ob sie sich von dem Infarkt erholt hat oder ob sie jemals wieder Poker gespielt hat. Aber alle, die sich über einen verlorenen Pott aufgrund eines 2, 3 oder 5-outers aufregen, sollten in Zukunft vielleicht mal nachdenken, ob es nicht noch wesentlich schlimmere Sachen als die gerade erlittene Niederlage gibt!

Die letzte Bad-Beat-Story hat mir ein Kumpel erzählt, der bei nun folgenden Partie selbst mit am Tisch saß. Die Geschichte hat sich folgendermaßen zugetragen:
Schauplatz Las Vegas (wo sonst ;-) Gespielt wird 5/10 NL Holdem im Bellagio.

Pocket Zehner
Spieler (1) raised in vorderer Position auf 40 $. Er hat knapp 500 $ vor sich. Mein Kumpel sitzt direkt links daneben und passt seine Hand. Spieler (2) in mittlerer Position reraised nun auf 110 $. Er hat ca. 1.100 $ am Tisch. Danach sitzt ein Spieler (3), der nun nochmals drüber geht auf 250$...er hat knapp 600$ vor sich liegen. Der erste Open-Raiser überlegt kurz, legt dann aber Pocket-Zehner - die er meinem Kumpel zeigt - schweren Herzens ab. Spieler 2 überlegt kurz und geht anschließend "over the top" und setzt Spieler 3 All-In für seine 600$. Spieler 3 called innerhalb einer Millisekunde und deckt parallel mit dem Call ein Paar Asse auf und stößt ein lautes "YES" raus. Im Cashgame müssen nicht alle Personen, die All-in sind, ihre Karten zeigen und Spieler 2 hält seine Karten daher zunächst verdeckt an sich.
Der Flop wird aufgedeckt - 832 rainbow - und die Miene von Spieler 2 bleibt weiter pessimistisch. Turnkarte ist eine offsuit 4 und ebenfalls keine Regung bei Spieler 2. Als der Dealer die Riverkarte aufdeckt (einen Buben) und den Rest seines Decks zu den gemuckten Karten legt, fällt gleich mehreren am Tisch sitzenden Spielern auf, dass der Croupier vor der Riverkarte keine Karte "gebrannt" hatte. Also nimmt der Croupier die auf dem Tisch befindlichen Karten wieder auf, mischt sie nochmals durch, hebt ab und deckt eine neue Riverkarte auf. Und ....vielleicht könnt ihr es euch denken? Es ist eine Zehn und im gleichen Moment knallt Spieler 1 seine Pocket Zehner auf den Tisch und schreit: "Ship it - I never lose with pocket Tens"!
Wie in etwa würdet ihr die Chance einschätzen, dass er die Hand noch gewinnt? Einzige Option zum Sieg für ihn war, dass der Dealer ein Fehler begehen würde und die toten Karten der anderen Mitspieler wieder mit ins Deck kommen würden und dann müsste er auch noch einer der beiden Zehner "finden". Da er einer der besseren Croupiers war und dies ihm pro Jahr vielleicht nur 1 oder 2 mal passiert, würde ich die Chancen auf diesen Ausgang bei ca. 500.000:1 einschätzen...lol.

Donnerstag, Juni 20, 2019

Gestatten: Sherlock "Potti" Holmes ermittelt

Wenn es im Freundes-/Bekanntenkreis in der Vergangenheit rund um das Thema “Online-Sicherheit“ ging, dann war ICH meistens derjenige, der versucht hat ein wenig zu beschwichtigen und dass man doch eben nicht so skeptisch sein sollte. Vielleicht deswegen, weil ich prinzipiell an das Gute im Menschen glaube, vielleicht aber auch aus einem Gefühl der Sicherheit heraus, weil mir in all den Jahren nicht wirklich etwas passiert ist. Eventuell aber auch, weil ich manchmal ein bisschen zu naiv bin. 

Seit ein paar Tagen denke ich definitiv ein wenig anders. Als ich am Montag meine Kreditkartenabrechnung per Post erhielt und die einzelnen Posten durchging, traf mich der Schlag. Es waren etliche Beträge gelistet, die definitiv nicht von mir stammten. Und eines kann ich euch versichern: Wir sprechen hier nicht von einem kleinen Bagatellschaden, sondern die belastete Summe bewegt sich im satten 4-stelligen Bereich!

1. Schritt: Umgehender Anruf bei Mastercard & Sperre der Karte
Schnell und effektiv erledigt. Bei diesem Anruf bekam ich dann auch bereits allererste Informationen zu den einzelnen Posten. Es wurde schnell ersichtlich, dass man mit meinen Daten hoteltechnisch quer durch Europa unterwegs war und man es sich in teuren 5-Sterne-Häusern scheinbar 
richtig gut gehen ließ.





2. Schritt: Anruf beim Buchungsportal
Alle Posten wurden über das gleiche Buchungsportal getätigt. Mit diesem Portal nahm ich dann telefonischen Kontakt auf. Und ich erhielt weitere Informationen. Etliche Details. Anzahl der Zimmer, Anzahl der Personen, Dauer der Aufenthalte und weitere Informationen.

Profiler Potti
Ich entdeckte, dass auch leichte detektivische Ansätze in mir stecken. Vielleicht wäre aus mir sogar ein ganz passabler Kripo-Beamter geworden. Ich hatte mittlerweile jedenfalls einiges an Daten gesammelt und irgendwie spürte ich den leidenschaftlichen Ehrgeiz weiter zu ermitteln. Es fing an Spaß zu machen. In Gedanken begann ich sogar damit, mir ein Täterprofil zu entwerfen. Aber es war jetzt allerhöchste Zeit, die gesammelten Daten an die Polizei weiterzuleiten.

3. Schritt: Strafanzeige vs. unbekannt
Auch schnell erledigt. Der Fall inklusiv aller von mir gesammelten Daten wurde aufgenommen. Die Aussage des Kripo-Beamten: Die Chancen stehen nicht so schlecht, dass wir hier erfolgreich sind und den/die Täter fassen. Es war übrigens die erste Strafanzeige, die ich je in meinem Leben aufgegeben habe. Es gibt immer ein erstes Mal.

Der eine oder andere von euch wird jetzt vielleicht denken, wie man so blöd/naiv sein kann und es mehrere Wochen nicht bemerken kann, dass die Kreditkarte fett belastet wird. Ich muss allerdings sagen, dass der/die Täter auch hier recht clever vorgegangen sind. Ich habe nämlich schon auch den einen oder anderen Sicherheitsprozess bei Belastungen der Karte aktiviert. Hier hat die Gegenseite – die hatten übrigens ALLE DATEN von mir – recht smart agiert. Muss ich leider zugeben, ohne hier weitere Details zu den verwendeten Tricks schildern zu wollen. Man hatte mich durch bestimmte Prozesse regelrecht ins Dunkel geführt bzw. temporär "benebelt". 

Werden der/die Täter gefasst? 
4. und letzter Schritt: Zahlungsreklamation bei der Kreditkartenfirma
Auch dies ist mittlerweile erledigt. Ich bin gespannt, wie es jetzt weitergeht. Wann & wie schnell bekomme ich die Summe wieder gut geschrieben? Werden die Täter gefasst? Von anderen Personen, denen ähnliches passiert ist, habe ich auf jeden Fall gute Erfahrungen hinsichtlich der Schadensregulierung mitgeteilt bekommen. Von daher bin ich mal positiv gestimmt und überraschender Weise trotz der Schadenshöhe eigentlich recht entspannt. Noch.

Nach meinen Informationen holt sich die Kreditkartenfirma die Beträge in jedem Fall von den einzelnen Hotels zurück. Diese könnten dann im Zweifelsfall auf den entstandenen Kosten sitzen bleiben.

Wenn ihr also in Zukunft von Hotels, wo ihr übernachtet, nach euren Ausweisen gefragt werdet und/oder euch einige Sicherheitsmaßnahmen doch etwas übertrieben vorkommen, dann habt einfach Verständnis dafür. Letztlich kommt es uns allen zu Gute.

Und wenn im Freundeskreis mal wieder das Thema “Online-Sicherheit“ aufkommt, dann habe ich auf jeden Fall eine Story zu erzählen. Und ich werde zu 100% eine andere Meinung vertreten als noch vor 4 Wochen. Manchmal wird man (erst) aus Schaden klug!

Freitag, November 30, 2018

Potti in Vegas am & im Limit (Teil 4)


Der letzte Blogeintrag ist nun 9 Monate her. Ich könnte hier jetzt schreiben, dass ich eine schöpferische Pause brauchte oder dass ich arbeitstechnisch viel um die Ohren hatte. Stimmt vielleicht sogar ansatzweise, aber der Hauptgrund ist, dass ich einfach keine Lust hatte zu schreiben. Mehrfach zwischendurch hatte ich wieder angesetzt, aber es lief einfach nicht flüssig beim Schreiben. Das kann vermutlich sowieso nur derjenige nachvollziehen, der selbst einen Blog schreibt oder vielleicht sogar hauptberuflich mit dem Schreiben von Artikeln oder gar Büchern zu tun hat. Da gibt es einfach solche Phasen. Weiter erschwerend kam natürlich noch der überaus geile Sommer hinzu, wo ich meine Hauptarbeit auf den frühen Morgen oder den Abend verlegte um tagsüber im Freibad zu verweilen. Da blieb dann nicht die benötigte Zeit um ausgiebig und vor allen Dingen regelmäßig Blogeinträge zu verfassen. Nun aber – der Winter bietet da einfach mehr Freiraum - werde ich euch wieder Einträgen bombardieren. Zum einen werde ich die Serie “Pokerprofi am Limit“ mit einigen Episoden zu Ende bringen, zum anderen werde ich auch mein jetziges Leben schildern. Vielleicht gibt es sogar einige Kurzausflüge in ganz andere Themenbereiche.

Also…ich gelobe Besserung und bis April/Mai werdet ihr einiges zu lesen bekommen.

Um nochmals kurz wieder rein zu kommen, hier der Link zur letzten Ausgabe der Serie:

http://pottis-poker-blog.blogspot.com/2018/02/potti-in-vegas-am-im-limit-teil-3.html

Wir schreiben das Jahr 1993 und ich lebte nun bereits zwei Jahre in Vegas. In der Stadt, wohin viele fuhren einfach nur um Urlaub zu machen! Und dafür sehr viel Geld ausgaben. Eine traumhafte Zeit lag hinter mir...es war schöner als ich es mir zu Beginn des Trips in meinen kühnsten Träumen überhaupt vorgestellt hatte. Zwei Jahre lang hatte ich keinen einzigen Verlustmonat an den Pokertischen! Ich konnte meine Finanzreserven bis auf leichte Rückschläge quasi permanent ausbauen. Und nun, nach 4 überaus durchwachsenen Monaten am Stück, hatte ich nicht nur meinen ersten Verlustmonat zu verzeichnen und mein Mindset war gehörig ins Wanken geraten, sondern auch in meine Bankroll war eine gewaltige Schneise gefräst worden! Zudem, und das war wohl das allergrößte Problem, hatte ich mein Spiel nicht mehr zusammen. Das Unternehmen stand erstmals in Gefahr, in großer Gefahr!

Dann, im Sommer 1993, kam Gott sei Dank eine einzige Nacht in Binions Horseshoe, die alles, aber auch wirklich alles komplett verändern sollte…

Mir war klar, dass ich dringend etwas verändern musste, sehr dringend! Der erste Schritt war, dass ich meinen Spielrhythmus wechselte. Bis dahin war ich quasi ausschließlich in der “Spätschicht“ aktiv. Nach einigen Nachmittags-Stunden am Pool und einer frischen Dusche war ich bislang immer so zwischen 18 und 19 Uhr ins Casino gefahren, wo ich dann bis in die frühen Morgenstunden spielte. Mir war natürlich nicht entgangen, dass sich zwischen 2 und 4 Uhr morgens viele Angetrunkene an die Tische setzten sowie auch Roulette- und Black-Jack Dealer aus den verschiedensten Casinos, die nach Schichtende ihr schnelles Glück beim Poker suchten. Ihnen allen fehlte es reichlich an Geduld und sie waren fast durch die Bank leichte Beute….Fische, wie der Pokerprofi diese Sorte Spieler zu nennen pflegt! Je früher die Morgenstunden, desto attraktiver wurden die Tische, desto häufiger kamen die Fische in der Regel. Aber zu dem Zeitpunkt hatte ich ja selbst bereits 8-10 Stunden auf dem Buckel und war bei weitem nicht mehr so konzentriert wie zu Beginn einer jeden Session. Also sah ich es als notwendigen und konsequenten Schritt an in die Nachtschicht zu wechseln, in die sogenannte Friedhofsschicht oder “Graveyard“, wie sie vom Ami typischer Weise genannt wird.  

Wechsel auf Nachtschicht "GRAVEYARD" 

Von nun an ging es also nach dem Sonnenbad am Pool zunächst erst einmal ins Bett. Schlaf war angesagt. Ich stellte den Wecker auf 1.00 Uhr in der Nacht und machte mich dann frisch geduscht auf zur Arbeit. Rein spielerisch ging der Plan eigentlich auch auf. Allerdings gab es ein großes Problem! Häufig brachen die Tische ab, da der Nachschub an frischen Spielern in den frühen Morgenstunden fehlte. Und so stand ich regelmäßig nachts zwischen 5 und 7 Uhr da, war komplett ausgeschlafen, motiviert und spielbereit, hatte jedoch keine Kundschaft mehr und auch keine Ahnung, was ich am frühen Morgen überhaupt machen sollte.

Dann im Sommer 1993 oben angesprochene Nacht, die alles grundlegend verändern sollte. Ich war im Horseshoe und spielte 4/8$ Limit Holdem. Es war 4.30 Uhr morgens und ich saß am letzten laufenden 4/8 Tisch. Unsere Runde bestand noch aus 6 Spielern und es war kein einziger Fisch darunter. Das Shorthanded-Game mit 6 oder weniger Spielern war sowieso nicht wirklich meine Paradedisziplin. Aber wenn dann zusätzlich nicht einmal ein Schwachspieler am Tisch saß, dann war mir auch klar, dass die Rake (
à Kommission, die sich das Casino aus jedem Pott zieht) uns eh alle zerstören würde. Einer der Gegner war dann auch noch im Begriff seine Klamotten zu packen und der Tisch war kurz vor der Auflösung. In diesem Moment kam Shelly - die Floormanagerin - zu uns an den Table. Sie wollte natürlich nicht, dass wir das Casino verlassen, sondern wollte die freien Plätze an den anderen Tischen durch uns besetzen. „Hey guys, ich habe drei freie Plätze am Omaha-Tisch für euch“ und nicht einmal unsere Antwort abwartend, ob wir überhaupt spielen wollten, schmiss sie ein paar Platzkarten auf den grünen Filz. Ich zog die Nr. 2 und somit meine Berechtigung für einen der freien Plätze.

Ich nahm den Platz ein. Einerseits aus Langeweile, andererseits bin ich im Leben neuen Sachen gegenüber sowieso positiv aufgeschlossen. Man muss zumindest alles einmal ausprobiert haben um mitreden zu können. Wieso also nicht auch mal eine Partie Limit Omaha spielen? Wobei ich ehrlich gesagt nicht sonderlich viel über das Spiel wusste. Ich wusste, dass beim Omaha 4 anstatt 2 Karten ausgeteilt wurden und dass man auch zwangsweise 2 der eigenen 4 Karten zum Bilden einer Pokerhand benutzen musste. Auch wusste ich, dass die Setzstruktur identisch zum Texas Holdem war. 2$ und 4$ die Blinds, vor und nach dem Flop konnte jeweils 4$ gesetzt bzw. erhöht werden (maximal 4 Raises), nach dem Turn sowieso River jeweils 8$ zzgl. 4 möglicher Erhöhungen. Das Spielen einer Hand bis zum Maximalanschlag konnte also recht teuer werden. Und mir war bewusst, dass das Omaha-Spiel im Horseshoe quasi immer extrem wild war. Oft genug hatte ich am Nachbartisch mitbekommen, dass dort Monsterpötte in Serie ausgespielt wurden und der grüne Filz des Tisches regelmäßig komplett bedeckt war von den 1$ Binion-Chips. Dass die Dealer für das Zuschieben des Potts an den Gewinner teilweise 4-5 beidhändige Schübe benötigten!
Strategisch betrachtet hatte ich jedoch Null Plan! Weder wusste ich, welche Hände man in welchen Positionen vor dem Flop effektiv zu spielen hatte, noch war mir bekannt, wie man mit “gemachten Händen“ oder eben auch Draws nach dem Flop/River am geschicktesten vorzugehen hatte. Auch kannte ich die Gegner und deren Spielstärke nicht, da die Omaha-Community eine ganz eigene und seltsame Familie für sich war. Eine Familie, der ich recht bald zugehören sollte!

Ob ich bei meinem ersten Ausflug auf neuem Terrain einfach nur guten Beistand von den Pokergöttern hatte oder ob ich gleich zu Beginn instinktiv recht solide Entscheidungen getroffen habe, das kann ich im Nachhinein nicht mehr beurteilen. Aber es wurde eine sehr erfolgreiche Omaha-Entjungferung für mich. Als ich irgendwann morgens um 10.00 Uhr meine Klüngel zusammenpackte, hatte ich ein sattes Plus von knapp 600$ zu verzeichnen. Nicht nur, dass es meinem Geldbeutel sehr gut tat, auch für mein Ego war es überaus wertvoll. Aber zwei Sachen waren noch viel wichtiger:

1. Meine erste Omaha-Session hatte tierisch Bock gemacht! Während ich beim Texas Holdem pro Stunde immer nur so 3-5 Hände spielte und den Rest ablegen musste, so waren es jetzt um die 8-10 spielbare Hände pro Stunde…es war also mit Abstand kurzweiliger. Und natürlich auch wesentlich dramatischer. Die Pötte waren hier wesentlich größer und wurden fast ausnahmslos am River entschieden. Nichts für schwache Nerven und durchgängig Adrenalin pur!

2. Die Gegner machten einen extrem schwachen Eindruck! Ich hatte beim Texas Holdem in den zwei Jahren ja schon die kuriosesten Konstellationen gesehen. Aber jetzt beim Limit Omaha war es naturgemäßer noch viel krasser, da ja jeder Mitspieler 4 Karten in der Hand hielt. Und 4 Karten bedeuten 6 einzelne Holdem-Kombinationen pro Spieler. Zur Erklärung: Karte 1+2, 1+3; 1+4; 2+3; 2+4, 3+4
Bei 10 Spielern am Tisch bedeutete das, dass 60 verschiedene Holdem-Kombinationen unterwegs waren. Und insgesamt waren 45 der 52 Karten im Spiel! Ich brauchte kein Albert Einstein sein um zu verstehen, dass man hier wesentlich vorsichtiger agieren musste und quasi permanent die bestmögliche Hand halten musste um erfolgreich sein. Dies schienen die anderen aber nicht zu beherzigen. Sie gingen mit ihren Open-ended straight oder flush-draws mit, wenn das Board sich bereits gepaired hatte, überspielten ihre Baby Full-Houses usw. Sie setzten, wenn sie besser hätten checken sollen und checkten, wenn sie noch Value hätten rausholen sollen. Ich konnte kaum glauben, was ich dort sah.

Kurzum…es war unfassbar, wie schwach die Leute spielten. Von den vielleicht 100 regelmäßigen Omaha-Spielern, denen ich den nächsten Wochen und Monaten an den Tischen begegnen sollte – es war wirklich eine große Familie, wo sich nur sehr selten mal andere versuchten – waren vielleicht maximal 5 Gegner dabei, die aus meiner Sicht solide spielten und die ich ernst nahm. Ich hatte eine wahre Goldgrube aufgetan…ich war im wahrsten Sinne des Wortes im Paradies gelandet! Und je mehr ich spielte, desto besser wurde ich.
Mit der Zeit wusste ich nicht nur genau, welche Hand in welcher Position und Situation effektiv zu spielen bzw. zu passen war, sondern ich hatte auch alle Gegner mehr oder weniger bis ins kleinste Detail analysiert. Ich wusste, wie sie ihre Sets, aber auch ihre Draws spielten. Es war, als wenn sie alle mit offenen Karten agierten. Natürlich gab es hin und wieder Rückschläge, wenn eben gar nichts ging. Aber dies kam nicht so häufig vor. Ich machte mir in dieser Phase richtig die Taschen voll. Ohne mich selbst beweihräuchern zu wollen, so möchte ich definitiv die Aussage treffen, dass es von Sommer 1993 bis Sommer 1994 keinen Spieler Downtown Las Vegas gab, der a) mehr Limit-Omaha Hände spielte als ich und b) mehr Geld aus diesem Spiel herauszog. Ich saß im Schnitt 12-14 Stunden pro Tag an den Tischen, in der Regel verteilt auf zwei, manchmal auch drei Sessions und es lief abartig gut.

Meine Arbeitsstätte und auch mein Zuhause


Das war dann auch der Grund, wieso ich nochmals umzog. Ich hatte mittlerweile zwar ein Auto, aber diese Touren von meinem Apartment im Polo Club nach Downtown und zurück waren angesichts des krassen Verkehrs auf den überfüllten Straßen schon nervig und zeitaufwendig. Mit meinem WG-Partner Corky verstand ich mich zwar gut, aber dennoch war da ein Altersunterschied von knapp 40 Jahren. Zudem stand er morgens um 7.00 Uhr auf…da war ich manchmal noch gar nicht zu Hause. Unsere Tages-Rhythmen passten einfach nicht wirklich zusammen. Von daher fiel mir der Auszug nicht sonderlich schwer und ich entschied mich für einen Umzug nach Downtown. Da ich mittlerweile ausnahmslos im Horseshoe spielte und eben auch sehr viel – damit dem Casino natürlich auch ordentlich Rake einbrachte - konnte ich über den Pokerroom-Manager einen überaus fairen Monatspreis von 700$ für das Hotelzimmer im Horseshoe aushandeln.
Hört sich auf den Blick recht viel an, zumal es ja auch nur ein einfaches Zimmer war und ich dort bei weitem nicht den Luxus des Polo Clubs hatte. Aber wenn man bedenkt, dass der Übernachtungspreis an manchen Wochenenden, wenn die Stadt aufgrund eines Mega-Boxkampfes oder eines Konzerts wieder einmal aus allen Nähten platzte, allein 100$ und mehr pro Nacht betrug, dann waren die 700$ für den gesamten Monat schon OK und angemessen. Zumal ich es mir aufgrund der Einnahmen beim Omaha jetzt auch locker leisten konnte und ich obendrein Verzehr-Coupons bis zum Abwinken bekam.
Und einen Pool für die Nachmittage in der Sonne hatte ich dort auch. Er lag auf dem Dach des Hotels im 26. Stock! An diesem Pool lernte ich eines Tages dann auch Jessica kennen.
...to be continued

Dienstag, Februar 27, 2018

Sibirische Kälte

Angesichts der aktuell herrschenden Kälteperiode hierzulande mache ich heute nochmals einen ganz kurzen Ausflug ein paar Jahre zurück. Denn bei diesen Temperaturen fällt mir natürlich unweigerlich mein erster Trip nach Russland 🇷🇺 im Dezember 2009 ein. 

Zunächst muss ich ein wenig weiter ausholen. Während meines Ägypten-Urlaubs im Frühjahr 2008 hatte ich Olga kennen, später auch lieben gelernt. Nach zwei gemeinsamen Urlauben in der Türkei im Frühjahr sowie Herbst 2009 lud mich Olga dann in ihre Heimat ein. Sie wohnt allerdings nicht in Moskau oder St. Petersburg, sondern in Perm (Sibirien).
Perm? Vermutlich hat der eine oder andere von euch den Namen dieser Stadt noch nie gehört, korrekt? Perm gehört mit gut einer Million Einwohnern zu den größeren Städten Russlands und ist am Uralgebirge gelegen. Jenem Gebirge an der westlichen Grenze Sibiriens, dass Europa und Asien trennt. 4.000 Kilometer entfernt von Rheda-Wiedenbrück. Ein Trip mitten im Winter nach Sibirien? Hörte sich für mich genauso abenteuerlich wie sexy an! Natürlich nahm ich die Einladung an.

Reisepass? Check

Visum für Russland? Check

Klamotten für etwas kühlere Temperaturen? Check


Ein paar Tage vor meinem geplanten Hinflug dann jedoch ein Anruf von einer in großer Sorge geratenen Olga. „Martin, ich muss dir leider mitteilen, dass es hier momentan sehr, sehr kalt ist. Wir haben selbst für unsere Verhältnisse extreme Temperaturen und in den nächsten Tagen soll es gar noch kälter werden“.

Hallo...? Was dachte Olga? Dass wir in Deutschland ähnliche softe Winter wie in Ägypten oder in der Türkei haben? Ich bin doch kein Weichei! Handschuhe, Mütze und Schal waren im Koffer und sie solle sich mal bitte keine Sorgen um mich machen, teilte ich ihr mit.

Einen Direktflug nach Perm von Deutschland gibt es nicht. Es ging über Moskau. Und den ersten Begrüßungsschock bekam ich direkt nach der Landung auf dem Flughafen Domodedovo. Als ich das Flughafengebäude verließ um eine Zigarette zu rauchen, wurde ich dort bei satten -20 Grad empfangen. Das allein wäre nicht mal ganz so schlimm gewesen, wenn dazu nicht auch noch der stramme Ostwind gepfiffen hätte! Upps…zum ersten Male merkte ich, dass ich die Temperatur vielleicht doch ein ganz klein wenig unterschätzt hatte. Um es aber mal direkt vorweg zu nehmen…das war der erste Anfang und ein allererste Vorbote. Es sollte noch wesentlich heftiger werden!
Auf dem zweitgrößten Flughafen Moskaus hatte ich dann etwas mehr als 7 Stunden Aufenthalt bis zu meinem Weiterflug nach Perm. Diese 7 Stunden sollten, so würde ich im Nachhinein sagen, mit die aufregendsten Stunden in meinem ganzen Leben werden. Aber dazu dann vielleicht mal mehr in einem anderen Blogeintrag. In jedem Fall ging es abends um kurz nach 22 Uhr pünktlich weiter Richtung Sibirien, wo mich Olga kurz vor Mitternacht in Empfang nehmen würde.

Flughafen Moskau Domodedovo 

Kurz nach der Landung in Perm dann gleich die nächsten Überraschungen. Nie zuvor im Leben war ich auf einem kleineren Flughafen. Selbst der Baby-Bahnhof unserer Kleinstadt Rheda-Wiedenbrück war größer. Und der Raum, wo die Gepäckstücke einrollten, war kleiner als mein eigenes Wohnzimmer! Die Hauptsache war: Mein Koffer war da…im Gegensatz jedoch zu Olga. Dies war allerdings nicht wirklich eine Überraschung, denn mit Pünktlichkeit hatte sie es nicht so.
Das Gepäck-Zentrum am Airport in Perm -
definitiv kleiner als manch Wohnzimmer :) 
Nun stand ich mitten in der Nacht als einziger nicht abgeholter Passagier vor dem Terminal eines gottverlassenen sibirischen Flughafens. Und dies bei Außentemperaturen von -28 C, also nochmals einen gewaltigen Schub kühler als in Moskau! 

Ich musste aber nicht lange warten. 15 Minuten später war Olga mit dem angeheuerten Fahrer da um mich abzuholen. Nachdem ich meine Sachen in den Kofferraum packte und wir losfuhren, dauerte es nicht mal zwei Minuten, bis ein Polizeiwagen uns überholte und anhielt. KGB? Wir wurden in jedem Fall komplett gecheckt und der Fahrer musste eine Strafe bezahlen, weil er mit seinem Auto gar nicht in diesen (Flughafen-) Bezirk durfte, dafür eine spezielle Lizenz benötigt hätte. Es waren nur 10 Euro und ich übernahm die Kosten, nachdem uns der Chauffeur sicher zu unserem für knapp 2 Wochen im Zentrum Perms gelegenen Apartment gebracht hatte. Das Anmieten dieses Studio-Apartments machte in jedem Fall Sinn! Einerseits wohnte Olga recht weit außerhalb vom Stadtkern, andererseits mit ihrer 4-köpfigen Familie in einer schnuckeligen 50m² Wohnung. Da war mir das Risiko eines Lagerkollers dann doch zu hoch.
 Unser Studio war nicht nur ideal gelegen, sondern auch komplett möbliert und mit allem ausgestattet, was man sich wünschen konnte. Exklusive Küche, schnelles W-LAN und dazu noch ein mega geiler Blick über die Stadt, denn die Wohnung lag im 9. Stock eines Plattenbaus.


Perm-Zentrum. Unser Studio-Apartment lag im 9. Stock. 
Als wir am nächsten Morgen das Haus verließen, bekam ich den ersten Vollschock! Es war -30 C. Die Kälte zog wirklich durch alle Öffnungen und erreichte meinen kompletten Körper. Nach 2 Minuten war ich komplett unterkühlt. Ich merkte, dass ich kleidungstechnisch definitiv nicht passend gewappnet war und ganz dringend aufrüsten musste. Eine Thermo-Unterhose, dicke Wollsocken und eine zwar nicht so stylische, aber dafür wesentlich effektivere Kopfbedeckung standen ganz oben auf der Shoppingliste und waren auch schnell erworben. Meine Kleidung, wenn ich rausging, sah jetzt so aus ▶

Unterkörper
: Ein paar Kniestrümpfe, darüber ein paar dicke warme Wollstrümpfe, warm haltende Winterschuhe, Unterhose, eine lange Thermo-Unterhose, normale Hose
Oberkörper: Unterhemd, T-Shirt, darüber ein warm haltendes Thermo-Shirt, darüber einen Hoddie und darüber dann meine Winterjacke, Handschuhe
Kopf: Schal, russische Wintermütze + Gesichtsbedeckung (ganz wichtig!)


Seit der Reise definitiv Russland-Fan
Mit der passenden Kopf-Bekleidung geht alles...!

Über diese knallharten Minusgrade zu schreiben, ist gar nicht so einfach. Richtig nachvollziehen können es vermutlich nur diejenigen, die bereits selbst mal ähnlich krasse Temperaturen miterlebt haben. Es war einfach unfassbar kalt und trotz der guten Schutzkleidung erreichte die Kälte mühelos und blitzschnell alle Körperteile. Aber es war erst der Anfang. In den TV-Nachrichten der Region wurde bereits gewarnt, dass es in den nächsten Tagen nochmals richtig anziehen würde! Oh mein Gott. 

Und es wurde in der Tat noch frischer: -32 C, -35 C, -40 Grad. Man konnte es draußen jetzt wirklich nur noch maximal 5-10 Minuten aushalten. Länger war auch nicht wirklich empfohlen, wollte man dem Tod nicht direkt ins Auge blicken. Das Einatmen ging jetzt nur noch durch die Nase, da die Lunge beim Einatmen durch den Mund schmerzte. Dennoch, so würde ich heutzutage sagen, war es die mit Abstand geilste Luft, die ich jemals in meinem Leben eingeatmet habe…der Satz hört sich zwar irgendwie komisch an, aber anders kann ich es nicht beschreiben. Nie vergessen werde ich auch die Momente, wenn wir nach 10 Minuten draußen irgendwo einkehrten. Wenn sich die Hände und Füße, dann der gesamte Körper etwas aufwärmte und das Blut in den Adern und Venen wieder spürbar war. Ein zunächst schmerzliches, dann jedoch überaus angenehmes Gefühl stellte sich ein, löste gar Glückshormone in mir aus.

Aber es gab auch Probleme. Als erstes machte die Heizung in unserer Wohnung die Grätsche. Natürlich nicht nur bei uns, sondern in den anderen Wohnungen auch. Das Wasser war gefroren und lief nicht mehr durch die Leitungen. Gott sei Dank brachte der Vermieter unseres Studios sehr zeitnah zwei Power Elektro-Standheizungen (eine fürs Schlafzimmer und eine fürs Wohnzimmer). Puh...Schwein gehabt! Es gibt auch nette und tolle Vermieter!

Als nächstes gab die Hydraulik des Aufzugs in unserem Plattenbau der Kälte nach und somit den Geist auf. Treppen steigen war angesagt und ich verfluchte die schöne Aussicht im 9. Stock! Hätten wir uns doch für das Studio im zweiten Stock entschieden. Ich weiß gar nicht, ob ich heutzutage überhaupt noch in der Lage wäre, zwei schwere Einkaufstüten in den 9. Stock zu schleppen? Sehr wahrscheinlich nicht.

Man sah jetzt auch kaum noch Autos auf den Straßen. Sie sprangen einfach nicht mehr an. Minusrekord war dann -43 C! Selbst in Perm kommt so ein strenger Winter nur 2-3 Mal in 100 Jahren vor. Ich war dabei. Immer wieder kam mir der Gedanke hoch, wie Menschen, die noch 3.000 Km weiter östlich wohnen bei Temperaturen um die 50-60 Grad unter Null überhaupt (über-) leben können. Vermutlich, weil sie einfach eine andere Genstruktur haben.

Nun ja, es wurde dann Tag für Tag etwas ‘wärmer‘. Bei meinem Rückflug war es dann “nur“ noch -33 C. Ein wenig bange war mir schon. Der Abflug war bereits zweimal verschoben worden, weil die Tragflächen immer wieder aufs Neue enteist werden mussten. Die Verantwortlichen schauten auch nicht gerade optimistisch aus. Aber es lief alles glatt und gute zwei Stunden später landete ich wieder in Moskau. Die -5 C dort empfand ich dann fast wie das Betreten einer Sauna...kein Witz!


Rückflug aus Perm bei - 33 C 
Ein Jahr später unternahm ich dann direkt meinen zweiten Trip nach Perm. Es war bei weitem nicht mehr so kalt und die Maximum Minus-Temperatur betrug lediglich -28 C...irgendwie schade eigentlich!

Ps.: Die Sommer in Perm und Umgebung werden übrigens verdammt heiß! Wesentlich wärmer als bei uns. Wochenlange Temperaturen um die 35C/40C und ein azurblauer Himmel ist völlig normal. 

Samstag, Februar 10, 2018

Potti in Vegas am & im Limit (Teil 3)


http://pottis-poker-blog.blogspot.de/2018/01/potti-in-vegas-am-im-limit-teil-1.html  (Teil 1) 
http://pottis-poker-blog.blogspot.de/2018/01/potti-in-vegas-am-im-limit-teil-2.html  (Teil 2) 

Hört sich alles sehr gut und nach einem Traumleben an, nicht wahr? War es auch. Wenn, ja wenn nicht zwischendurch ein gewisser Mr. DOWNSWING vorbeikam und Hallo sagte… 

Dass immer wieder eine Verlustsession dabei sein würde, darüber war ich mir von Anfang an bewusst. Es musste so sein. Wenn nämlich die guten Spieler beim Poker permanent gewinnen und die Schwachen immer verlieren würden, dann wäre das Spiel nicht so populär und es würde vermutlich bald aussterben. Die ständigen Verlierer würden es recht schnell satt sein und aufgeben.
Aber Asse gewinnen beim Poker Gott sei Dank nun mal nicht zu 100% gegen die Könige, sondern statistisch betrachtet eben nur zu 80%, sprich 4 von 5 mal. Und ich lebte sehr gut davon, dass die Gegner bis zum River mitgingen um ihren Kicker oder ihren Bauchschuß zur Straße auf wundersame Weise zu treffen. Hier und da trafen sie dann auch. Aber dann gab es eben diese Tage, an denen einfach nichts zusammenlief und die passenden Riverkarten für die Gegner in Serie reinrauschten. 

Auch wenn solche Tage mit einem Verlust von 300$ mir verständlicherweise keine gute Laune bereiteten, so machte es mir mental keine Sorgen. Auch finanziell bemerkte ich diese Rückschritte nicht mehr so arg, da meine Bankroll mittlerweile angewachsen war.

Der zweite Verlusttag hintereinander war dann schon nicht mehr ganz so ohne. Immerhin waren dann schon 600$ weg und man ging zudem die zweite Nacht in Folge mit unruhigen Gedanken schlafen. Ich weiß nicht, wie es den anderen Profis erging, aber ich fing zumindest an zu grübeln.

Drei Verlusttage in Serie kamen Gott sei Dank nicht so häufig vor, aber es wäre gelogen, wenn ich nicht zugeben würde, dass es auch diese Sequenzen gab. Nicht nur, dass mittlerweile knapp 1.000$ im Budget fehlten, ich fing zudem an mir Sorgen zu machen und mir Fragen zu stellen! Hatten sich vielleicht einige kleine Schwächen in meinem Spiel eingestellt, die ich nicht bemerkte? Waren die Gegner stärker geworden und das Spiel nicht mehr so lukrativ wie zuvor? Oder war ich die vergangenen Monate über wirklich nur “lucky“ und hatte übermäßig gut getroffen? Oder war es schlicht weg nur eine temporäre Negativvarianz, welche man aussitzen mußte? 

Der perfekte Graph!
Zwischendurch aber immer mal leichte Rückschläge
Es war sicherlich eine Mischung aus allen Faktoren. In jedem Fall aber traf ich damals instinktiv eine Entscheidung, die mir im Nachhinein betrachtet wohl den Arsch rettete. Denn so viele sehr gute Pokerprofis hatte ich in Vegas kennengelernt, die mit der Zeit einfach ‘ihr Spiel verloren‘ und dann schnurstracks und meist ungebremst in den Abgrund stürzten. 

Ich traf die Entscheidung, nach drei Verlusttagen in Serie pauschal einen kompletten Tag Pause einzulegen. Anstatt mich nachmittags wie gewohnt 2-3 Stunden an den Pool zu liegen, verbrachte ich dann 6 Stunden dort. Ich schaute nochmals in meine Pokerbücher um das eine oder andere nachzulesen. Abends gönnte ich mir dann den Luxus eine schöne Show anzuschauen oder setzte mich stundenlang an einen Pai-Gow Tisch und genehmigte mir den einen oder anderen Rum & Coke. So hatte ich Zeit a) mich abzulenken und b) auch über mein Spiel reflektierend nachzudenken um alles wieder auf Null zu stellen. Am Folgetag ging es dann mental gestärkt und motiviert an die Arbeitsstätte zurück. In der Regel funktionierte dieses Vorgehen auch und ich landete direkt wieder in der Erfolgsspur.

2 x in insgesamt 3 Jahren funktionierte allerdings auch das nicht. Ich fuhr weitere Minussessions nach meinem Ruhetag ein. Und das war für mich das Alarmsignal, gleich mehrere Tage Pause zu machen. Ich war hier vom Erfolg abhängig und es gab keinen Plan B. Ich mußte wieder in die Spur kommen! Ich weiß nicht, ob es reiner Zufall war, aber der Weg, den ich dann ging, funktionierte. Ich packte meine Klüngel für ein paar Tage zusammen, fuhr nach San Diego und machte gleich 4-5 Tage komplette Poker-Auszeit.

Ich hatte San Diego mit Klaus und seinem Pokerbuddy Zorn bei einem gemeinsamen Trip durch Kalifornien kennengelernt und hatte mich in die City schockverliebt. Nie zuvor hatte ich eine schönere Stadt gesehen. Die Innenstadt mit seiner wunderschönen Architektur. Direkt nahe gelegenen der Balboa-Park und wiederum daran gelegen Sea-World mit seinen Attraktionen nebst dem schönsten Zoo der Welt. Was mich an San Diego jedoch am meisten faszinierte, war die Gegend und die Atmosphäre des Vororts La Jolla, etwas nördlich gelegen von der Stadtmitte. Das Strandleben dort und die ganze Stimmung waren für mich der ultimative Inbegriff für Freiheit und Unbekümmertheit. Ich konnte dort tagelang in einem Cafe an der Strandpromenade sitzen, die Action am Broadwalk sowie die gewaltigen Wellen des Pazifiks beobachten und das Meeresrauschen genießen. Ich nahm mir ein kleines Motelzimmer und ließ die Seele einfach baumeln. Kein Poker, keine Bad Beats, kein ständiges Daddeln der Automaten. Und vor allen Dingen war es auch mal schön der Wüstenhitze für ein paar Tage zu entfliehen. In San Diego herrscht nämlich das perfekte Klima. Das ganze Jahr über Temperaturen um die 25 C gepaart mit einem leichten Wind.
Mission Boulevard in La Jolla (San Diego) 
Den ersten Trip machte ich allein. Ich mietete mir ein Auto und fuhr los. Nach 5 Tagen Kurzurlaub kam ich ich mega frisch erholt und bis in die Haarspitzen motiviert wieder zurück zur Arbeit. Und von Beginn an lief es wieder wie am Schnürchen. Ich hatte einen ganz anderen und glasklaren Blick auf die Situationen am Tisch. Back on track!

Meine zweite ‘San Diego-Heilkur‘ etliche Monate später, als ich auch mal wieder massiv überspielt war und dringendst eine Auszeit brauchte, unternahm ich mit Yuna. Yuna kam aus Taiwan, lebte aber bereits seit geraumer Zeit in den USA. Sie war ein wenig jünger als ich und Black-Jack Dealerin in der Barbary Coast. Kennengelernt hatte ich die bildhübsche Asiatin natürlich auch beim Poker, ihrer großen Leidenschaft. Nach gemeinsamen Sessions gingen wir ab und an essen. Als sie davon hörte, dass ich ein paar Tage nach Kalifornien fahren würde, fragte sie mich, ob sie mich begleiten dürfe. Sie hätte derzeit Urlaub. Natürlich durfte sie mich begleiten
💕 Auch von diesem Kurzurlaub kam ich tiefenentspannt und hungrig nach Vegas zurück.

Einen dritten Trip nach San Diego unternahm ich im Frühjahr 1994 zusammen mit Jessica. Das war allerdings nicht, weil ich mich dringend mal wieder sammeln mußte und vom Pokern eine Auszeit benötigte, sondern es war ein reiner Luxusurlaub…mit Begleitung. Jessica hatte ich am Pool von Binions Horseshoe kennengelernt, wo sie sich während ihres Studiums als Life-Guard ein paar Dollar dazuverdiente. Über die Zeit mit ihr, über die Woche in San Diego und wie diese Liason ausging, darüber werde ich einen Extra-Blog anfertigen.

In jedem Fall kam ich nach allen drei Trips frei im Kopf wieder nach Las Vegas zurück. Und es machte sich jedes einzelne Mal auch direkt in den Ergebnissen an den Tischen bemerkbar. Mit der Zeit hatte ich meine Bankroll immer weiter aufgebaut. Es reichte zwischendurch sogar für zwei Trips zurück in die Heimat nach Deutschland, wo ich meine Familie & Freunde wiedersah und ein wenig angespartes Geld abladen konnte. Aber ganz lange konnte ich es dann im beschaulichen Ostwestfalen doch nicht mehr aushalten. Wenn man in einer Metropole wie Las Vegas lebte und sich dort zudem pudelwohl fühlte, dann fiel es schwer in einer westfälischen Kleinstadt wie Wiedenbrück klarzukommen. Es ging immer schnell wieder zurück in die Wüste!

Im Frühjahr 1993 war ich on Top of my game. In einer Phase hatte ich eine Serie von 29 gewonnenen Sessions in Folge. Ich strotzte zu jenen Zeiten vor Selbstbewußtsein und ging an die Tische in der Tat nicht mehr mit der Frage, ob ich gewinnen würde, sondern wieviel es sein würde. Ich fühlte mich unbesiegbar! Ich kann mich noch gut an einen Tag erinnern – ich hatte zu dem Zeitpunkt in oben angesprochener Serie knapp über 20 Sessions nacheinander gewonnen – als mal gar nichts lief. Ich war Sonntagsnachmittags ins Mirage Casino gekommen. Da am 6/12$ Tisch noch kein Platz frei war, begann ich im 3/6$ Limit um die Wartezeit zu überbrücken. Am besagten Tag lief zunächst nichts zusammen. Ich konnte auf wundersame Weise keinen einzelnen Pot gewinnen. Zwei Stunden vergingen und ich war bereits 100$ hinten. In so einer Phase, obwohl ich bereits längst ausgerufen wurde fürs  6/12$, wechselte ich dann nicht ins höhere Limit. Ich blieb am Tisch. 6 Stunden vergingen, mittlerweile war ich 200$ im Brand, und ich wartete immer noch auf meinen allerersten Pott. Aber was ich auch machte, es sollte am River immer die passende Karte für die Gegner kommen. 10 Stunden um und schon knapp über 300$ im Minus…es sollte einfach nicht sein. Normalerweise hörte ich dann ja auf. Aber da ich eben diese lange Serie von gewonnenen Sessions in Serie nicht abreißen lassen wollte, spielte ich ausnahmsweise weiter. Nach 11 Stunden (!), bei 25-30 gedealten Händen pro Stunde also nach ca. 300 Händen, gewann ich meinen ersten kleinen Babypott! Das Eis war endlich gebrochen.

Und auch, wenn es sehr schwer zu glauben ist…ich schwöre, dass es wahr ist! Ich spielte dann durch bis zum Dienstagabend, bis ich endlich ins Plus drehte. 48 Stunden, unterbrochen nur durch einige kurze Auszeiten am Buffet und einem guten Dutzend an Toilettengängen, saß ich auf dem gleichen Platz in der Hoffnung meine Serie von Gewinnsessions nicht abreißen zu lassen. Es gelang mir! Als ich genau einen Dollar (!) vorn war,  packte ich völlig übermüdet und groggy meine Klüngel zusammen, nahm mir ein Taxi und fuhr nach Hause. Jener darauffolgende Mittwoch im Frühjahr 1993 ist dann auch der einzige Tag in meinem ganzen Leben, der mir fehlt! Ich habe ihn einfach übersprungen, da ich komplett durchgeschlafen habe. Unterbrochen von 2-3 Pippipausen ging ich an einem Dienstagabend ins Bett und wachte am Donnerstag morgen nach knapp 30 Stunden auf. Es war überaus komisch für den Kopf…!

Ich spielte in dieser Top-Phase überwiegend 6/12$ im Mirage, machte nun aber regelmäßig Ausflüge ins 10/20$ Spiel. Zuweilen und wenn ich viele schwache Spieler im Limit darüber entdeckte oder wenn ich Tipps von Freunden bekam, dass sich an gewissen Tischen außerordentlich viele Flop-neugierige Touristen befanden, wagte ich an den Wochenenden gar Ausflüge ins 20/40$ Spiel. Ich wollte irgendwann in den hohen Limits mitmischen und dafür mußte ich mich so langsam annähern und Risiken eingehen.

In diesen höheren Limits stellte ich folgende Sachen fest:

1. Die guten Gegner, die es zwar auch in den unteren Limits gab, waren in den höheren Limits definitiv spielstärker. Sie spielten wesentlich aggressiver und variantenreicher.

2.
Es waren im Schnitt weniger schwache Gegner an den Tischen. Statt drei  oder vier Fischen pro Tisch gab es nun mehr höchstens noch einen oder 2 Spieler, weswegen es sich lohnte. Und selbst diese schwächeren Gegner waren zuweilen auch noch trickreich.

3.
Naturgemäß waren die Pötte jetzt wesentlich größer. Im 10/20$ Limit beliefen sich die Pötte im Schnitt auf ca. 150$, die Großen teilweise auf über 300$. Im 20/40$ entsprechend doppelt so hoch. Und bei ca. 25 gespielten Händen pro Stunde waren die Swings natürlich riesig. Selbstverständlich war es für den Geldbeutel nun sehr effizient eine erfolgreiche Session zu haben. Aber entsprechend schlugen Verlustsessions auch richtig heftig ins Kontor…und auch aufs Gemüt. Ich fühlte mich in den höheren Limits nicht sonderlich wohl und häufig unentspannt!

4.
Ich bemerkte zudem, dass ich mit meinem relativ tighten und soliden Spiel nicht so wie erwartet klar kam in den höheren Limits. In den kleineren Limits waren immer noch 2-3 Gegner am River dabei und ich bekam die Siegerhände entsprechend gut ausbezahlt. In den höheren Regionen jedoch war man am River meist nur noch Heads-Up…sofern es denn überhaupt bis zur Riverkarte ging! Ich mußte mein Spiel ein wenig umstellen, da die Blinds einfach zu häufig vorbeikamen. Und somit fing ich an, aus den hinteren Positionen die Spieler im Small und Big Blind auch mit nicht so stabilen Starthänden anzugreifen…und bluffte mehr zum Ausbalancieren meines Spiels.

Fakt war, dass ich nach 8–10 Wochen, in denen ich überwiegend in den höheren Limits aktiv war, unterm Strich zwar einen minimalen Gewinn aufwies. Wenn ich dieses Mini-Plus jedoch durch die investierten Stunden teilte, so war das Ergebnis eine absolute  Vollkatastrophe! Da wären alle Gewerkschaften, die hierzulande in Sachen Mindestlohn aktiv sind, auf die Barrikaden gegangen. Und meine Kosten waren ja gleich hoch geblieben. Mittlerweile eher sogar noch höher, da ich mir im Vergleich zur Anfangsphase in Vegas mittlerweile wesentlich mehr Freizeitaktivitäten gönnte wie Abende beim Basketball, regelmäßige Besuche von Boxveranstaltungen und Shows. Meine Bankroll war zwar noch nicht ernsthaft in Gefahr, aber ich wollte definitiv kein Risiko eingehen. Daher beschloß ich, in den Limits vorerst wieder runter zu gehen. Wieder in die Limits zurückzukehren, in denen ich mich zwei Jahre lang so pudelwohl fühlte und die ich mit verbundenen Augen schlug!

Dann geschah jedoch etwas, was vielleicht nur Pokerspieler nachvollziehen können, die ebenfalls mal Limitwechsel nach unten begangen haben. Ich kam mittlerweile auch in ‘meinem‘ Stammlimit nicht mehr klar! Ich hatte durch den monatelangen Ausflug in die höheren Regionen, in denen ich notgedrungen auch mein Spiel verändert und angepasst hatte, mein erfolgreiches und effizientes Spiel verloren! Ich spielte zu viele Hände, verteidigte meine Blinds zu häufig und vor allen Dingen bluffte ich viel zu viel. Anstatt einfach wieder zu meiner soliden und gewinnträchtigen Strategie zurückzukehren (leichter gesagt als getan!), versuchte ich meine Gegner in diesen Limits auszuspielen.

Ich hatte den Respekt vor den kleineren Einsätzen verloren. Und meine Gegner dann auch peu á peu vor mir! Waren meine Gegner 10 Wochen zuvor noch vor Ehrfurcht fast erstarrt, wenn ich mich an den Tisch setzte, so merkten sie nun, dass auch ich zu schlagen war. Ich bekam meine Steals nicht mehr durch, bekam zusehends Gegenwehr. Mein Image war zerstört. Und das machte sich dann leider auch sehr schnell & negativ in den Ergebnissen bemerkbar!


Ich lebte nun zwei Jahre in Vegas. In der Stadt, wohin viele fuhren einfach nur um Urlaub zu machen! Und dafür viel Geld ausgaben. Eine traumhafte Zeit lag hinter mir...es war schöner als ich es mir zu Beginn des Trips in meinen kühnsten Träumen überhaupt vorgestellt hatte. Zwei Jahre lang hatte ich keinen einzigen Verlustmonat an den Pokertischen! Ich konnte meine Finanzreserven bis auf leichte Rückschläge quasi permanent ausbauen. Und nun, nach 4 überaus durchwachsenen Monaten am Stück, hatte ich nicht nur meinen ersten Verlustmonat zu verzeichnen und mein Mindset war gehörig ins Wanken geraten, sondern auch in meine Bankroll war eine gewaltige Schneise gefräst worden! Zudem, und das war wohl das allergrößte Problem, hatte ich mein Spiel nicht mehr zusammen. Das Unternehmen stand erstmals in Gefahr, in großer Gefahr!
Dann, im Sommer 1993, kam Gott sei Dank eine Nacht in Binions Horseshoe, die alles, aber auch wirklich alles komplett verändern sollte…

To be continued…      

Mittwoch, Januar 31, 2018

Potti in Vegas am & im Limit (Teil 2)

Teil 1: siehe weiter unten

...am darauffolgenden Tag durfte ich Klaus zum allerersten Mal zu einer Highroller-Partie im Mirage Casino begleiten! Ich durfte hinter ihm sitzen und ihm die ganze Session über in die Karten schauen. Ich bemerkte schnell, dass das Pokerspiel, was ich bis zu diesem Zeitpunkt in den Micro-Limits im El Cortez, im Fremont Casino oder im Binions Downtown betrieb, nichts mit dem Spiel zu tun hatte, was ich in jener 75/150$ Limit-Holdem Partie zu sehen bekam…und ich lernte schnell…ein neuer Lebensabschnitt sollte beginnen!

Klaus erhöhte mit Karten, speziell in den hinteren Positionen nähe des Buttons, mit denen ich nicht ansatzweise daran gedacht hätte auch nur einen einzelnen Chip über die Linie zu setzen und wie ich es vor allen Dingen auch nicht in den Büchern gelesen und gelernt hatte. In den vorderen Positionen hingegen schmiß er Hände weg, mit denen ich bislang immer dabei war und mit denen ich zumindest sehen wollte, was der Flop bringt.
Der allergrößte Unterschied in diesem Highroller-Spiel jedoch war, dass die Chips einfach sehr tief und wahnsinnig schnell flogen. Es wurde geraised und gereraised, als gäbe es kein Morgen mehr. Spekulative Hände wie Flush- oder Straight Draws wurden am Flop so gespielt, als wenn der Flush bzw. die Straße bereits fertig war. Eine solche Aggression kannte ich bislang nicht und hatte ich auch nie für möglich gehalten.

Ich schaute bei diesen hohen Partien so oft und intensiv zu wie ich nur konnte und versuchte wirklich alles aufzusaugen. Jedes einzelne Detail. Ich studierte nicht nur das Spielverhalten von Klaus, sondern ich beobachtete auch die Moves seiner Gegner. Mit welchen Händen die Profis in welchen Positionen spielten und vor allen Dingen auch wie sie diese Hände spielten. Wie die Jungs es schafften, mit geschickten Check-Raises in Multi-Way Pots möglichst viele Chips in den Pot zu kriegen. Oder eben auch das nur das Minimum mir der zweitbesten Hand verloren. Selbst die Art und Weise sowie der Geschwindigkeit, mit denen sie Maschinengewehr-Like ihre Chips bei Raises in gleich hohen Stapeln in die Mitte bekamen, machte gewaltigen Eindruck auf mich und ich versuchte dies zu adaptieren.

Mit einer Sache, die ich dort bemerkte, kam ich jedoch gar nicht klar und wollte ich auch irgendwie nicht klarkommen. Die Spieler, nachdem sie gerade einen Pot mit 1.200$ oder noch mehr gewonnen hatten, gaben nicht einmal 1 einzelnen Dollar oder zumindest 50 Cent an den Dealer! Selbst in den kleinen Baby-Limits, in denen ich bis dato aktiv war, war das Trinkgeld höher als hier bei den Riesenpötten, wo es von grünen 25$ Chips nur so wimmelte.
Das sah ich nicht ein und blieb bei meiner Trinkgeldhöhe von mindestens 50 Cent bei gewonnenen Pötten bis 20$. Zwischen 20$ und 50$ gab ich 1$ Trinkgeld und wenn sie noch größer waren, dann schob ich auch mal 2$ rüber. Genau das sollte später nochmals zu heftigen Diskussionen und fast zu einem Streit im Klaus führen.  

Die Dealer machten einen ausgezeichneten Job und mussten sich von
etlichen Spielern auch eine Menge gefallen lassen
  

Es war, als wäre ich quasi über Nacht von einem mittelmäßigen Bezirksligaspieler zu einem soliden Regionalligaspieler gereift. Und um es vorweg zu nehmen…es sollte später noch 1-2 Ligen höher gehen! All das, was ich hier bei den Highrollern sah, integrierte ich in mein Spiel und es funktionierte bestens! Aufgrund der Aggressivität bei Draws, die eben häufig nicht ankommen, gewann ich nun Pötte am Turn oder River, die ich vorher niemals gewonnen hätte. Eben weil die Leute auch mal ihre Hand weglegten, wenn ich die geplatzten Draws durchfeuerte. Zudem sparte ich Geld in den Blinds und in den vorderen Positionen, weil ich mit bestimmten Problemhänden erst gar in Versuchung kam. Und ich war zudem auch in der Lage Hände zu passen, wenn es eben sehr offenkundig war, dass ich nur die zweitbeste Hand hielt. Früher musste ich mich mit dem Bezahlen am River zumindest immer noch davon vergewissern. All das machte sich sehr schnell auch im Geldbeutel bemerkbar und ich strich Gewinne in meinen Sessions ein, die so hoch waren wie nie zuvor. Ich spielte ein paar Monate fast ausschließlich im 3/6$ Limit im Mirage und gewann ca. 80-85% meiner Sessions. Über jede einzelne Session wurde Buch geführt (Dauer der Session & Nettogewinn) und nach 3 Monaten kam ich auf eine Gewinnerwartung von ca. 12$ pro Stunde. Das hieß…je mehr und länger ich spielte, desto höher wurde mein Gewinn. Und ich ballerte richtig Zeit rein! Jeden Tag im Schnitt so um die 8-10 Stunden.  

Klaus setzte sich hin und wieder noch hinter mich und kontrollierte mein Spiel. Er war mit dem, was er sah, überaus zufrieden und lobte mich...war glaube ich sogar stolz auf mich. Hier und da gab er mir noch weitere kleine Tipps. Aber speziell mit meiner Handauswahl vor dem Flop und der Art und Weise, wie ich die Hände spielte, war er zu 100% einverstanden. Meine Bankroll wuchs und wuchs. Nach bereits einigen Monaten hatte ich so viel Geld zusammen, dass ich selbst eine Pechsträhne bzw. etliche Verlustsitzungen in Serie locker hätte kompensieren können. Glücksgefühle stellten sich bei mir ein. Ich war dem Ziel, meinen Lebensunterhalt in Las Vegas mit dem Pokerspiel zu bestreiten, sehr viel näher gekommen. Vielleicht war ich sogar bereits angekommen. Es war nun so langsam an der Zeit das nächsthöhere Limit in Angriff zu nehmen.

Im Mirage wäre dies das 6/12$ gewesen. Eine Verdoppelung der Einsätze aber traute ich mir noch nicht zu, zumal die Gegner an diesen Tischen auch wesentlich stärker waren. Das 4/8$ Spiel Downtown in Binions Horseshoe schien mir passend, auch wenn ich mir bewusst war, dass dort wesentlich mehr lokale Spieler und somit auch mehr Profis an den Tischen zugegen waren. Die Touristen zockten nun mal hauptsächlich am Strip in den großen Casinos. Der Aufwand nach Downtown zu kommen, war ebenfalls ungleich höher, denn die Busfahrt dauerte ca. eine halbe Stunde. Aber dennoch schien mir dieser Weg der Richtige zu sein. So fuhr ich die kommenden Wochen die 6-7 KM täglich am frühen Abend mit dem Bus Richtung Downtown und nachts wieder zurück.

Oben links in der Ecke der Polo Club. Nach Downtown LV war es ein Stückchen

Von der ersten Session an merkte ich, dass ich mich im 4/8$ Limit wohl fühlte. Mit meiner Spielweise kam ich auch hier im Horseshoe, wo vor langer Zeit Las Vegas entstand und wo schon legendäre Pokerduelle ausgetragen wurden, gegen die Konkurrenz prima zurecht. Die Pötte wurden mit 40-50$ im Schnitt jetzt wesentlich fetter und die Swings somit ebenfalls größer. Gewinne von 200-300$ pro Session, aber eben auch Verluste in ähnlicher Höhe waren nun an der Tagesordnung. 

Wenn ich “zur Arbeit“ ging, nahm ich grundsätzlich immer nur 300$ mit. Wenn ich dieses Geld verloren hatte, so dachte ich mir, dann würde es meist auch sehr schwer sein eine Wende hinzukriegen. Denn die Gegner waren dann in diesem Moment durchschnittlich ja gut im Plus und spielten dann eher solide und geduldiger – einfach besser -  während ich mich dann auch manchmal dabei ertappte, dem Geld ein wenig hinterher zu laufen und auch mal schlechte Calls einzustreuen. Wenn also 300$ weg waren, dann schloß ich den Tag ab, strich den Verlust zähneknirschend ein und ging heim.

Hinsichtlich der potentiellen Tagesgewinne erstellte ich mir ebenfalls eine eigene Strategie, mit der ich ausgezeichnet fuhr. Grundsätzlich spielte ich erst einmal solange, wie ich mich a) gut und frisch fühlte sowie b) der Tisch mir zusagte, sprich nicht zu viele starke Spieler daran saßen. 1-2 Touristen bzw. schwächere Gegner sollten schon immer mindestens dabei sein.
Zudem setzte ich mir im Vorfeld jeder Session einen Zielgewinn. Dieser lag bei 30 Big Bets, was im 4/8$ Limit also 240$ Gewinn machte. Sobald ich dieses Ziel erreichte, ich aber noch nicht müde war und auch der Tisch noch gut war, spielte ich zwar weiter, aber ich setzte mir eine 30% Stop-Loss Regel. Bedeutet, dass ich aufhörte, wenn ich 30% meines Gewinns wieder zurückgab. Im obigen Beispiel hätte ich also aufgehört, wenn ich von den 240$ Gewinn 72$ zurückverloren hätte. Die Stop-Loss Regel zog ich nach oben hin natürlich immer an, so dass bei richtig gutem Lauf nach oben hin keine Grenzen gesetzt waren. Tagesgewinne von selbst 600/700$ kamen somit ebenfalls ab und an vor.

Bis heute kann ich die Denkweise der sogenannten “Hit & Run“ Spieler nicht nachvollziehen. Diese “Hit & Run“ Spieler, die es nicht nur damals in Las Vegas reichlich gab, sondern die ich auch heute beim Poker oder in den Casinos beim Roulette oder Black Jack regelmäßig sehe. Sie gewinnen 1-2 Pötte beim Poker und hören dann sofort auf. Es reicht ihnen. Oder die Leute spielen Roulette, treffen ihre Zahl und hören direkt auf! Woher um Himmels Willen wollen die Menschen denn wissen, ob es nicht “ihre Nacht“ werden würde und der Glücksgott nicht noch viel länger und intensiver auf ihrer Seite steht? Ich kann diese von mir angewendete Strategie daher wirklich jedem wärmstens empfehlen! Nicht nur am Pokertisch, sondern auch in anderen Lebenssituationen…z.B. beim Spekulieren mit Aktien. Ich war dann später sogar so verpeilt, dass ich diese 30% Stop-Loss Regel auch auf meine Beziehungen angewendet habe 😎 Das würde ich jedoch keinem anraten, denn 30% Rückschritt nach der ersten Verliebt-sein-Phase werden oftmals recht schnell erreicht und ein Leben als Single kann manchmal auch sehr trist sein!

Beim No-Limit Holdem, was heutzutage weitaus populärer ist, ist die Strategie natürlich nicht ganz so einfach anzuwenden, da man in einem einzelnen Pott theoretisch alles verlieren kann, was man in etlichen Stunden vorher mühsam gewonnen hat…sofern eben ein Gegner am Tisch sitzt, der noch mehr Chips hat als man selbst und man gegen ihn in einen Riesenpott verwickelt wird.

Auf jeden Fall lief es weiterhin sehr rund für mich. Die Quote meiner Gewinnsessions sank zwar ein wenig auf 75% und auch meine stündliche Erwartung sank auf 1,5 Big Bets pro Stunde (also immer noch 12$ wie im tieferen Limit). Aber ich schlug das nächsthöhere Limit und das war für mich persönlich wichtig. Weil es an den Wochenenden im Mirage nur so von ahnungslosen und finanzstarken Touristen wimmelte, spielte ich dann bald vom Freitag bis Sonntag 6/12$ im Mirage…und unterhalb der Woche weiter Downtown 4/8$.

Ich hatte mich mittlerweile zu einem fertigen und sehr gefährlichen Spieler entpuppt, der zumindest in den kleinen und mittleren Limits keinen Gegner und keinen Tisch in Las Vegas fürchten mußte. Auch mit ein wenig Stolz erzähle ich hier gern, dass es Phasen gab, wo im Binions manche einheimische Spieler direkt aufstanden, wenn ich mich neu an den Tisch gesellte! Und zwar nicht deshalb, weil ich gestunken habe oder unfreundlich war, sondern weil sie genau wußten, dass ab meinem Erscheinen am Tisch nicht mehr gut Kirschen essen war und das Spiel ungleich schwerer wurde. Downtown gaben sie mir dann irgendwann den Spitznamen “DesertFox“. In Erinnerung an eine nicht so glorreiche Zeit der Deutschen Geschichte, als sich ein gewisser Feldmarschall Rommel den Spitznamen “Wüstenfuchs“ für seine tragischen Erfolge in den Wüstenregionen Nordafrikas erwarb. Nun nannten sie mich so! Allerdings war es wirklich nie böse gemeint, sondern immer eher humorvoll und sicherlich immer auch mit ein wenig Neid und Furcht behaftet. Hoffe ich jedenfalls!

20 Jahre später alles etwas gelassener und mit Massagegirl.
Früher 10 Stunden hochkonzentriert und knallhart!
Gegenüber meinen Anfängen, als ich die Basis-Strategien für ein erfolgreiches Abschneiden von Klaus gelehrt bekam, hatte ich mein Spiel peu á peu noch um einige Nuancen verändert. Das Angreifen der Blinds mit Gurkenhänden wie A4o oder 75s vom High-Jack oder Cut-Off, ja selbst vom Button, strich ich von meiner Liste. Es wäre zwar in den jeweiligen Momenten vermutlich effektiv gewesen, aber ich wollte mein Image am Tisch einfach nicht zerstören und dachte langfristig. Ich wollte nicht, dass ich eine schwache Hand beim Showdown zeigen musste. Denn dadurch hielt ich das Bild, das die anderen von mir hatten, aufrecht und gewann sehr viele Pötte, die mir nicht zustanden. Die Leute dachten, das es der “DesertFox“ wirklich immer hat, wenn er in einen Pott involviert war und Interesse bekundete. Wie häufig hörte ich am anderen Endes des Tisches die Leute zu ihren Nachbarn ganz leise Sätze murmeln wie “This kid is so damn lucky“ oder “He always has it…he never bluffs“, nachdem ich wieder mal einen Pott mit kompletter Luft einstrich. Genauso musste es sein! Es gab mir die Chance wirklich sehr viele Pötte zu klauen… 2 von 5 waren einfach nur gut getimte und nicht enttarnte Bluffs.

Wurde ich ausnahmsweise mal erwischt, dann spielte ich es in den nächsten 2-3 Stunden wieder konservativer, bluffte weniger bzw. gar nicht um das solide Image wieder aufzubauen. Andersrum, wenn ich die Boards sehr gut traf und bemerkte, dass die Leute gar nicht mehr mitgingen und ich meine Value-Hände schlecht bis gar nicht ausgezahlt bekam, bluffte ich wieder etwas mehr und solange, bis ich zumindest einmal erwischt wurde. Das reichte dann für die nächsten 5-6 Stunden um die Action wieder anzuheizen und die Gegner im Unsicheren zu lassen. Ich saß in einem PS-starken Auto und wechselte die Gänge wie ich wollte...und es funktionierte!

Hört sich alles sehr gut und nach einem Traumleben an, nicht wahr? War es auch. Wenn, ja wenn nicht zwischendurch ein gewisser Mr. DOWNSWING vorbeikam und Hallo sagte…

To be coninued

Quo vadis DEUTSCHLAND?

Ich weiß…dies ist ein Pokerblog. Es soll sich um Geschichten rund um das Pokerspiel drehen hier. Das wird auch 100% so bleiben…versprochen! ...