Mittwoch, November 22, 2017

Dorian, der Pferdeflüsterer


Nach ein paar Monaten Schreibpause gibt es von un an wieder regelmäßige Einträge in meinem Blog. Ich setze in den kommenden Wochen zunächst nochmals mit 2-3 Geschichten aus den guten alten Las Vegas-Zeiten an, bevor es danach mit ein paar aktuellen Sachen weitergeht. 
Potti schreibt wieder 📖 


In der heutigen Story geht es um Dorian. In all den Jahren, in denen ich in Las Vegas gelebt habe, war Dorian – er dürfte so 2-3 Jahre älter gewesen sein als ich –  mit Sicherheit der allerschrägste Vogel, den ich je in der Wüstenstadt kennengelernt habe. Natürlich habe ich auch seine Bekanntschaft am Pokertisch gemacht. Um es gleich vorweg zu nehmen
à Dorian war mit der lausigste und schlechteste Pokerspieler, dem ich in den all den Jahren begegnet bin. Er hatte keine Chance zu gewinnen…beim besten Willen nicht! In den 100-200 Sessions, die ich garantiert zusammen mit ihm bzw. gegen ihn in Binion’s Horseshoe Downtown Las Vegas gespielt habe, hat er aus meiner Erinnerung heraus keine drei Sitzungen mit Gewinn abgeschlossen. Er hat in dieser Zeit wirklich eine Menge Kohle durchgebracht.
Mein zweites Zuhause!
Binion's Horseshoe Downtown Las Vegas

Aber es schien ihm nie wirklich etwas auszumachen. Er bekam dadurch keine schlechte Laune…ganz im Gegenteil. Dorian war immer gut drauf und versprühte diese gute Laune auch immerzu. Nicht nur bei den Mitspielern/Gegnern am Tisch, die ja von seinen mangelnden Spielkünsten profitierten, sondern vor allem auch beim Personal. Es gab keinen im Casino , der ihn nicht mochte und es gab wohl auch keinen anderen Spieler in Binion’s Horseshoe, der nach einem gewonnenen Pot so viel Trinkgeld gab wie Dorian. Hin und wieder gab es auch mal den halben Pot für den Croupier. Er war der geborene Comedian. Speziell nach Bad Beats am River und die gab es vor allem beim Limit Omaha reichlich, drehte er manchmal richtig mächtig auf. Ich kann ich es mir bis heute ehrlich gesagt nur schwer erklären, wieso er damals nicht von irgendeinem Show-Scout entdeckt worden ist, denn er hätte sicher auch auf den großen Bühnen der Stadt die Zuschauer kurzweilig unterhalten. Meinen Humor und auch den Humor sehr vieler anderer Mitspieler hat er jedenfalls voll getroffen. Und uns häufig so dermaßen zum Lachen gebracht, dass wir massive Bauchkrämpfe bekamen und wir uns anschließend Tränen aus den Augen wischen mussten!
Dorian war einfach nur genial
J 

Der eine oder andere von euch wird sich vielleicht fragen, wie denn jemand überhaupt in der Lage war täglich so viel Geld am Pokertisch zu verlieren und in Las Vegas dennoch überleben konnte...ohne zu arbeiten. Dafür gab es eine ganz einfache und logische Erklärung! Dorian war einer der besten und erfolgreichsten Pferdeexperten in der Stadt! Es gab kein einziges Rennpferd zwischen New York und Los Angeles, das er nicht kannte. Er wusste um alle Stärken und Schwächen der Zossen, er kannte ihre Ergebnisse in den absolvierten Rennen und vor allen Dingen auch, in welcher Form sie sich am Renntag befanden und auf welchem Geläuf sie ihre beste Performance ablieferten. Dieses Wissen gepaart mit seinem komplett angstfreien Setzverhalten machte ihn aus Sicht der Buchmacher eigentlich zu einem sehr gefährlichen Zocker. Er gehörte zu der Kategorie von Spielern, denen das Casino nach zu regelmäßigem Erfolg normaler Weise gern auch mal freundlich mitteilt, dass sie ihr Glück doch bitte in einem anderen Casino probieren möchten und nicht mehr gern gesehen sind. Nicht aber in Binion’s Horseshoe! Die Buchmacher und verantwortlichen Manager im Casino wussten, dass Dorian die gewonnenen Beträge sowieso wieder direkt im eigenen Laden lassen würde. Entweder an den Casinotischen, an der Bar (er trank auch mal gern einen oder zwei) oder eben im Pokerroom. Auch wenn bei Letzterem das Casino nicht direkt davon profitierte, so hielt er dennoch die Tische am laufen und alle fühlten sich pudelwohl. Der Kreislauf funktionierte. Daher ließ man ihn gewähren und ihn seine Pferdesport-Fachkenntnisse ausleben.

Es kam nicht selten vor, dass Dorian entweder mich oder andere Leute nachmittags um ein paar Dollar anpumpte. In Las Vegas wimmelt es im Übrigen von diesen sogenannten Hustlern, die einen mit den ausgefallensten Geschichten um ein wenig Geld anpumpen. Da ich gerade in meiner Anfangszeit wirklich fast jedem etwas gab, den ich grob kannte (manche Leute dann aber wochenlang nicht oder NIE mehr gesehen, geschweige das Geld zurückbekommen habe), hatte ich mir mit der Zeit angewöhnt generell kein Geld mehr zu verleihen. Meine manchmal naiv soziale Ader wurde mit der Zeit einfach zu kostspielig
😃 Bei Dorian machte ich jedoch eine Ausnahme und dafür gab es Gründe:

1. Wollte er meist nur 2 oder 5 Dollar.

2. Bekam ich das Geld meist ein paar Stunden später auf Heller und Pfennig zurück. Oftmals kam er mit leeren Taschen ins Casino und ein paar Stunden später hatte er mehrere Hundert, an großen Renntagen und bei richtig guten Lauf auch mal mehrere Tausend Dollar in der Tasche! Wenn er “in the zone“ war, dann war in der Lage bei gleich bei 7 oder 8 Rennen in Serie den richtigen Sieger vorhersagen. Da er dann seinen Gewinn meist “parlayte“, also stehen ließ, wurden aus 2 $ dann schnell auch mal 1.000 $. Irgendwann einmal machte er aus 5$ innerhalb von 4 Stunden 15.000$ ...um mich am nächsten Nachmittag jedoch wieder um 2$ anzupumpen
J

3. Es war natürlich auch nicht ganz uneigennützig. Mir war klar, dass er aus dem Race & Sports Book langfristig Kohle rausholte. Um es dann beim Pokern allerdings genau so schnell auch wieder unter die Leute zu bringen. Und davon profitierte ich nun mal. Nicht nur finanziell, sondern eben auch des Spaßfaktors wegen. Alle waren zufrieden…außer vermutlich das Race & Sports Book, dass in der internen Binion’s-Kostenstelle an Dorians starken Tagen häufig mit einem Minus oder sagen wir besser mit geringeren Gewinnen kalkulieren musste.

Eine zusammen mit Dorian erlebte Geschichte werde ich sicher nie im Leben vergessen.

Am besagten Sonntag spielte ich Poker im Mirage Casino. An den Wochenenden wimmelte es im Mirage immer von Poker-Touristen und es war für jeden ambitionierten (Semi-) Pokerprofi absolute Pflicht & Überlebens wichtig, ordentlich Stunden zu investieren. Zu "grinden", wie der Pokerfachmann zu sagen pflegt. Nun saß ich wieder an so einem Tisch. Um mich herum 8 ahnungslose Touristen, die gerade mal die Regeln kannten. Ein Traumszenario!

Auf einmal tippte mir jemand auf die Schulter. Es war Dorian und er schien verzweifelt. „Martin“, sagte er, „ich habe einen totsicheren Tipp für das nächste Rennen. Kannst du mir ganz schnell ein paar Dollar leihen“? Da ich zu diesem Zeitpunkt im Minus war, griff ich ausnahmsweise mal nicht in die Tasche und gab ihm ein wenig Taschengeld, sondern stand auf und ging mit. Ich wollte von seinen Tipps profitieren und witterte einen fetten Zahltag. Obwohl das Race&Sports direkt nebenan lag, mussten wir uns beeilen, da das von ihm ins Auge gefasste Rennen in weniger als 5 Minuten begann. Zudem gab es nur wenige Schalter und gerade in den letzten Minuten vor dem Rennen platzierten meist alle Experten ihre Wetten.

Im aus 10 Pferden bestehenden Teilnehmerfeld hatte Dorian zwei Rennpferde ausgemacht, die zu 100% die beiden ersten Plätze belegen würden. Als wir vorn am Counter standen, setzten wir alle Kombinationen durch. Pferd 1 vor 2, Pferd 2 vor 1, beide auf Platz (egal in welcher Reihenfolge) und zudem noch einige Dreier-Kombis mit exakt vorhergesagtem Zieleinlauf, wo unsere beiden Rassepferde natürlich ebenfalls immer mit inbegriffen  waren. Unsere beiden Zossen hatten sogar ordentliche Quoten. Ich meine es wären 6/1 bzw. 8/1 jeweils auf Sieg gewesen. Für Dorian investierte ich 21$ für 7 Tickets und für mich den gleichen Betrag mit den identischen Wettscheinen. Es sollte richtig rappeln im Karton, wenn Dorian Recht haben sollte und das Rennen so wie von ihm prognostiziert ausgehen würde. Nie wieder arbeiten!!! 

Moonlight & Black Beauty $$$$$$$

Das Rennen
Nun, ich kürze die Geschichte jetzt mal gehörig ab. Moonlight & Black Beauty (ich nenne die Pferde so, wobei ich zugebe, dass ich ihre wahren Namen vergessen habe) lagen in der ersten Kurve zumindest noch im Mittelfeld des Feldes mit kleiner Distanz zur Spitze. In der zweiten Kurve jedoch hatten sie bereits keine realistische Chance mehr das Rennen zu gewinnen. Als die ersten Rennpferde dann die Ziellinie durchquerten, hatten die offenkundig zu einem Kaffeeklatsch verabredeten Moonlight & Black Beauty geschätzt 15-20 Längen Rückstand und kamen als Letzter bzw. Vorletzter ins Ziel
J Es war im Übrigen das erste und einzige Mal, dass ich in Las Vegas auf ein Pferderennen gesetzt habe!

Was lernen wir daraus?

Wenn jemand einen 100%ig todsicherem Tipp für euch hat, dann prüft diesen Tipp dennoch nochmals ausgiebig und trefft eure Entscheidung basierend auf euren eigenen Kenntnissen und/oder Bauchgefühlen. Dies gilt nicht nur für Pferdewetten, sondern auch bei Sportwetten jeglicher Art, Aktienempfehlungen sowie vielen anderen Situationen im täglichen Leben! 100% sicher ist im Leben nämlich so gut wie gar nichts! 

Montag, Juli 24, 2017

Der schönste Mann in Vegas

In meiner Rubrik „Storys aus Las Vegas“ dreht es sich heute um Stefano aus Mailand. Ich weiß gar nicht mehr genau, wo und wann genau ich Stefano zum ersten Mal kennengelernt habe. Auf jeden Fall war er zu damaligen Vegas-Zeiten auch nahezu jeden Tag im Mirage Casino. Irgendwann sind wir uns über den Weg gelaufen, ins Gespräch gekommen und wir waren uns gegenseitig sympathisch – immerhin verband uns ja auch die Tatsache aus Europa zu kommen und fernab der Heimat zu verweilen. Mit der Zeit haben wir uns dann mehr und mehr angefreundet.  Die genauen Gründe, wieso der Italiener so wie ich in Las Vegas „gestrandet“ war, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht mehr so genau. Aber auf jeden Fall war Stefano massiv dem Black Jack Spiel verfallen. Es war eine regelrechte Sucht, gegen die er keine Chance hatte. Wenn er ein bisschen Geld in der Tasche hatte, dann ging es direkt an die Tische und er verzockte es. Meist auf dem schnellsten Wege, denn er spielte verdammt schlecht Black Jack. Stefano zog Karten, wenn er besser hätte stoppen sollen und stoppte, wenn er besser und nach mathematischen Gesichtspunkten noch eine Karte hätte ziehen müssen. Er splittete, wenn er nicht hätte splitten sollen usw. Kurzum…er kriegte es einfach nicht auf die Kette. Und so war es auch kein Wunder, dass Stefano eigentlich immer notorisch pleite war. 
Claus, mein damaliger WG-Partner und Pokermentor, und ich genossen es jedoch die Zeit mit Stefano zu verbringen, da er chronisch gut gelaunt  war und diese guten Schwingungen auch auf sein Umfeld übertrug. Es machte einfach Spaß mit ihm abzuhängen. Und Stefano hatte etwas, was ihn von vielen Männern ganz erheblich unterschied: Er sah umwerfend gut aus! Er war der mit Abstand schönste Mann, den ich in meinem Leben gesehen habe.  

Wenn wir mit Stefano durch die Casinos schlenderten, so konnten wir verspüren, wie sich wirklich jede (!) einzelne Frau nicht nur nach ihm umschaute, sondern ihn quasi auch schmachtend anstarrte. Er zog die Blicke einfach magisch auf sich.  Eine ähnliche Situation habe ich nur ein weiteres Mal in meinem Leben erfahren, als ich mit Boris Becker durch das Atlantis Resort auf den Bahamas spazierte. Auch hier zogen wir - um genau zu sein Boris - alle Blicke der Leute auf uns…eine wirklich seltsame und für mich davor und danach nie wieder erlebte Situation. 

Na ja, in jedem Fall war Stefano für Claus und für mich der ideale Partner zum Ausgehen. Wenn wir abends in irgendeinen Club oder in die Disco zogen, dann umringten uns ziemlich schnell viele hübsche Frauen. Es gibt im Übrigen sicherlich keinen zweiten Ort auf der Welt, wo es so viele hübsche Frauen gibt wie in Vegas!  Claus und ich sorgten dafür, dass der Getränkenachschub auf Hochtouren lief, damit die Laune bei den Beteiligten nicht nachließ. Und so endeten die Abende zumindest für Claus und mich eigentlich immer ab und an mit Frauen, die wir in unserem Leben und ohne den jungen Italiener gewiss niemals kennengelernt hätten. Weitere Details erspare ich mir an dieser Stelle…lol. 

Stefano’s Leben unterhalb der Woche hingegen sah ziemlich trostlos und völlig sinnbefreit aus. Er streunte mit leeren Taschen durch die Casinos und versuchte sich irgendwie über Wasser zu halten. Seine Zeit kam an den Wochenenden, wenn die Touristen, genauer gesagt Touristinnen in die Stadt strömten. Dann zog er sich pikfein an, stylte sich, schlenderte durch die Casinos und hielt Ausschau. Und zwar nicht Ausschau nach irgendwelchen jungen Models, die er im Übrigen auch alle hätte haben können, sondern seine Zielgruppe lag mehr im Bereich der 40- bis 50-Jährigen. Diese Damen mussten nur ein einziges Kriterium zwingend erfüllen: sie mussten Kohle haben. Und mit der Zeit hatte Stefano ein richtig geschultes Auge und ein gutes Gespür dafür entwickelt, wo und wann es sich lohnte ein paar Stunden zu investieren und wo nicht. Dann ließ er sich nicht nur seine Black Jack-Leidenschaft von ihnen sponsern, sondern bekam obendrein häufig noch reichlich Bargeld von ihnen zugesteckt, weil er ihnen irgendwelche Geschichten erzählte. Als Gegenleistung "prostituierte" er sich und suggerierte den Damen, die in der Regel im Alter seiner Mutter waren, wohl offenkundig recht glaubwürdig,  dass er nur sie lieben würde. So hatte Stefano sehr häufig an Sonntagabenden, wenn die Damen Las Vegas wieder verließen und zu ihren Ehemännern und Familien zurückkehrten, einige Tausend Dollar in der Tasche. Montags morgens jedoch war er jedoch immer wieder pleite. Wo er die Kohle ließ, brauche ich an dieser Stelle ja wohl nicht explizit erwähnen. 

Claus und ich versuchten wirklich alles um ihn vom Black Jack weg zu bekommen. Unter anderem haben wir versucht ihn für Poker zu begeistern. Immerhin hätte er in uns beiden zwei wirklich gute Lehrmeister gehabt und vermutlich hätten wir ihn trotz fehlenden Talents innerhalb von nur ein paar Tagen zu einem Winning Player, eventuell gar zu einer Waffe, in den kleinen Limits gemacht. Aber wir scheiterten bereits beim Erklären der Basics. Ich will Stefano nicht zu Nahe treten, aber Logik und tiefer gehendes Denken gehörte einfach nicht zu den Stärken des Schönlings. Zudem mangelte es ihm sowohl an Disziplin als auch an Geduld. Er konnte am Pokertisch einfach keine drei Hände in Serie passen …das war ihm zu langweilig. Nach einigen Tagen/Wochen des Coachings, die uns wirklich auch viel Nerven gekostet haben, gaben wir dann völlig verzweifelt auf. Wir merkten mit der Zeit auch, dass Stefano nicht mehr von uns programmiert und trainiert werden wollte. Und es ihn sehr anstrengte uns zuzuhören und die Sachen zu verinnerlichen.  Seine Launen wurde zusehends schlechter...die Stimmung angespannter. Irgendwann trennten sich also unsere Wege.

In den Wochen und Monaten darauf sah ich Stefano dann nur noch sporadisch. Meistens pumpte er mich um ein paar Dollar an, wenn wir uns begegneten, damit er sich etwas zu essen kaufen konnte. Ab und an lieh ich ihm ein paar Dollar mehr, obwohl ich genau wusste, dass er das Geld nicht für die Miete oder für andere nützliche Sachen (so wie er vorgab) verwendete, sondern umgehend am Black Jack Tisch verbrat. Als Pfand hierfür gab er mir Klamotten von sich. Nette T-Shirts und schöne teure Markenhemden, die er zuvor von seinen “Affairen“ geschenkt bekam. Ich stand damals noch gut im Saft und wir hatten die gleiche Größe…ich hatte somit zumindest einen materiellen Gegenwert für die Kleinkredite.  Auch seinen Reisepass hinterließ er bei mir, als er sich mal eine größere Summe auslieh. Er wollte mir das Geld ein paar Tage später zurückzahlen, da eine seiner betuchteren Verflossenen in die Stadt kam. Er hat die Klamotten allerdings nie bei mir ausgelöst. Eines seiner Shirts habe ich im Übrigen bis vor ein paar Jahren sogar noch regelmäßig getragen. Mittlerweile passt es mir leider nicht mehr. Sein mittlerweile abgelaufener italienischer Reisepass liegt noch heute in irgendeiner Kiste auf dem Dachboden meiner Eltern. 

Ich würde nur zu gern wissen, was Stefano heute macht. Vermutlich streunt er durch irgendwelche Mailänder Cafés und flirtet mit älteren Damen. Vielleicht ist er auch vernünftig geworden und hat Frau und Kinder….keine Ahnung. Ob er aber auch noch heute an einem Black Jack vorbeigehen kann, ohne dass es überall kribbelt, dass wage ich in jedem Fall stark zu bezweifeln! 

Mittwoch, Juli 19, 2017

Kein Turnier wie jedes andere...die WSOP in Las Vegas!

Zum 48. Mal läuft in Las Vegas derzeit die World Series of Poker, von den meisten der Einfachheit  halber nur kurz WSOP genannt. Eine Turnierserie mit insgesamt 74 einzelnen Events in den verschiedensten Poker-Varianten. Mehr als 120.000 Teilnahmen wurden in diesem Jahr registriert und dabei wurden insgesamt mehr als 230.000.000 Dollar - in Worten knapp eine Viertel-Milliarde! - umgesetzt! 
Höhepunkt und Abschluß dieser Serie ist wie in jedem Jahr das sogenannte Main-Event. Ein Turnier, bei dem jeder mitspielen darf, der bereit ist $10.000 auf den Tisch zu blättern. 7.221 Spieler haben in diesem Jahr an diesem Turnier teilgenommen und dabei einen Preispool von fast 68 Millionen Dollar generiert. Allein der Sieger erhält 8,15 Mio Dollar. , der Finaltisch beginnt heute Nacht um 3.00 Uhr nachts Deutscher Zeit.

Die Bandbreite der Teilnehmer ist unfassbar riesig. Hollywood-Schauspieler (Matt Damon, Ben Affleck, Jason Alexander, James Woods, u.v.m.) nehmen genauso teil wie Profisportler aus der NBA, NFL oder NHL. Auch bekannte Größen aus dem Boxsport, UFC, Fußball, Motorsport,  Handball, Skisport oder Schwimmsport sind jedes Jahr mit von der Partie. Daneben natürlich auch viele Profi- und Amateurpokerspieler, Ärzte, Anwälte, Piloten, Unternehmer, Angestellte, Arbeiter, Künstler, Lebenskünstler, Arbeitslose (OK…das Startgeld ist schon ein wenig hoch) und sonstige Celebrities. 
Auch Rekord-Olympiasieger Michael Phelps liebt Poker

Das Turnier geht über 10 lange Tage á jeweils 10 Stunden Nettospielzeit. Inkl. ein paar kleineren Pausen sowie einer 90-minütigen Dinnerbreak jeden Tag macht das schlappe 14 Stunden brutto. Es wird solange gespielt, bis von den 7.221 Teilnehmern ein Spieler alle Chips vor sich stehen hat! Da benötigt man nicht nur viel Glück, sondern auch reichlich Kondition.

Der jüngste Teilnehmer dieses Turniers war übrigens Alex Conklin, der exakt am Starttag 1b seinen 21. Geburtstag (Mindestalter) feierte. Alex wurde 524. für 19.500$. Ältester Teilnehmer war William Wachter, beide übrigens aus New York, mit stolzen 96 Jahren. William verpasste das Preisgeld leider knapp.
 
Alex Conklin (21) und William Wachter (96 Jahre)

Tja…und wenn an so vielen Tischen gespielt wird, dann bleibt es natürlich nicht aus, dass auch viele kuriose Hände und Situationen entstehen. In diesem Jahr war es jedoch aus meiner Sicht – immerhin verfolge ich dieses Event bereits seit etlichen Jahren und habe es 2015 sogar selbst zwei lange Tage mitgespielt – ganz besonders extrem. 
Anbei einige der spektakulärsten Hände der diesjährigen WSOP. Zumindest von denen, die es in die journalistische Berichterstattung geschafft haben. Vermutlich waren noch einige andere Oberknaller dabei.

Tag 1 – allererstes Level
Der Zufall will es und mit Vanessa Selbst (USA) sowie Gaelle Baumann (Frankreich) sitzen zwei der weltweit bekanntesten und besten Spielerinnen am gleichen Tisch und krachen aneinander. Was dann passiert, sehr ihr hier. Unbedingt Link in Youtube kopieren und ansehen. 


https://www.youtube.com/watch?v=Dd_VJ6l29-k   

Das bei einer solchen Menge an gespielten Händen häufiger Asse und Könige als Startblätter aufeinander prallen, ist sicherlich nichts Ungewöhnliches.  AA vs. KK vs. QQ in einer Hand ist sicherlich schon unwahrscheinlicher, aber immer noch irgendwie nichts komplett Sensationelles. Bei Event #63 hat es in diesem Jahr folgende Situation gegeben
à AA / AA / KK / QQ
Und dies ist noch nicht alles…auf dem Board erschien sogar noch eine Dame und zwei Könige! Ich weiß nicht, ob es diese Konstellation bereits jemals bei einem Pokerturnier gegeben hat. Zudem noch beim Main-Event der WSOP und für gleich drei Spieler war der Traum vom (großen) Cash innerhalb von Sekunden auf brutale Weise geplatzt! Und der Sieger dieser Hand (KK) war sogar noch ein sehr guter Bekannter von mir
J à Pokerjournalist Marc Convey #schmeckt #TripleKnockout
Was ein Board! 
Eine besondere Achterbahnfahrt der Gefühle machte auch Profispieler Scotty “Baby“ Nguyen an Tag vier. Das Preisgeld war bereits erreicht und Scotty war mittlerweile recht short an Chips. Er brachte diese jedoch mit Pocket 9er gut in die Mitte. Ein anderer Spieler hatte nur knapp etwas mehr an Chips (Pocket 4er), der dritte Teilnehmer im Bunde hielt Pocket 3er. Scotty-Baby dominierte seine beiden Kontrahenten. Nun, diese Konstellation ist erst einmal nichts ganz ungewöhnliches.  Mit dem Umdrehen des Flops gingen die Turbulenzen jedoch richtig los. Doorcard eine 3, dann eine 4 und die dritte Karte war eine 9! Set over Set over Set. Scotty weiterhin vorn. Dann jedoch die Schrecksekunde. Der Dealer dreht am Turn die letzte verbliebene 4 um...Autsch! Völlig enttäuscht packt Scotty bereits seine Klüngel zusammen, als der Dealer tatsächlich das Wundersame vollbringt und die letzte verbliebene 9 am River aufdeckt. Quads over Quads! Scotty Nguyen verblieb im Turnier und erreichte sogar noch Tag 5. Hier schied er dann jedoch auf Platz 549 für $ 22.449 aus. 

Dass man beim Pokern auch nie zu früh feiern sollte und die Messe häufig erst nach der Riverkarte gelesen ist, diese grauenvolle Erfahrung musste ein anderer Teilnehmer machen. Er war mit Pocket-Damen recht short All-In gegangen, ein anderer Spieler – ebenfalls short – hielt Könige und ein dritter Teilnehmer mit ein paar mehr Chips T9 suited. Der Flop kam QQJ und unser Protagonist ließ angesichts des gefloppten Vierlings einen im gesamten Spielsaal nicht zu überhörenden Jubelschrei raus. Triple-Up …YEEEESSSS, feierte er sich selbst, die Situation, den Dealer und das Board. Bis man ihn darauf aufmerksam machte, dass der Kollege mit T9s noch einen Straight-Flush-Draw habe! Ups…! Und diese Geschichte wäre hier auch nie erschienen, wenn der Dealer am River nicht die benötigte 8 umgedreht hätte. Bums…Aus…WSOP Main-Event Träume begraben. Damen sind manchmal sehr kostspielig!

Abschließen möchte ich den heutigen Post mit John Hesp. John kommt aus Bridlington (UK) und ist 64 Jahre alt. Normalerweise spielt er 1-2 Mal pro Monat bei einem 10 Pfund Rebuy-Turnier mit seinen Kumpels im 20 Km entfernten York. Turniere mit einem höheren Startgeld hat er nie zuvor in seinem Leben gespielt. John hatte sich vor etlichen Jahren mal eine Liste mit Aktionen erstellt, die er in seinem Leben unbedingt noch abhaken wollte. Seine persönliche Lebens-Todo-Liste. 

Bringt Spaß in die Runde: John Hesp (UK) 
Und ganz oben stand: Einmal im Leben beim Main-Event der WSOP in Las Vegas teilnehmen. Diesen Traum hat sich John Hesp in diesem Jahr erfüllt. Und es sollte noch viel dicker kommen. Aktuell sind noch 9 Spieler im Rennen und alle haben bereits eine Million Dollar sicher. Unser John Hesp aus Bridlington ist noch dabei und er geht morgen mit 85.700.000 sogar als Zweitbester in Chips ins Rennen.
John hat mich doch seine lockeres und entspanntes Auftreten absolut überzeugt und ist wohl nicht nur mein persönlicher Favorit. Auch spielerisch, aber definitiv, was den Spaßfaktor betrifft. Und eines kann ich, nachdem ich mir jetzt einige Nächte in Serie um die Ohren geschlagen und das Geschehen verfolgt habe, definitiv sagen. Unterschätzen sollte man ihn gewiss nicht. John hat ein paar richtig gute Moves drauf und hat zudem ein ausgezeichnetes Gespür für die jeweiligen Situationen. Wann wird es zu brenzlig? Wann sollte er also besser aussteigen, wann andererseits vielleicht auch mal einen Bluff komplett durchbraten? All das beherrscht der Hobbyspieler aus der Nähe von York. Ich werde John Hesp ganz dolle die Daumen drücken. Wenn einer wie er gar Weltmeister würde, wäre es nochmals ganz wichtig und förderlich für die Entwicklung unseres geliebten Spiels!  #GoJohnHesp

Donnerstag, November 03, 2016

Labyrinth, Sextanerblase und Oscar dela Hoya (Teil 2)


Teil 1:  http://pottis-poker-blog.blogspot.de/2016/10/labyrinth-sextanerblase-und-oscar-dela.html

…die 5 Minuten Wartezeit waren vorbei und Alexander war immer noch nicht zurück. Ich konnte hier jetzt nicht mehr ruhig sitzen bleiben. Ich musste mich auf die Suche begeben, denn irgendwas war definitiv passiert. Schweren Herzens natürlich, denn wann sitzt man schon mal direkt am Ring bei einem solch hochklassigen Boxkampf?! Genau in dem Moment jedoch, als ich aufstehen wollte, knallte jemand von hinten voll auf meinen Rücken! Das war Zanders Markenzeichen. Eben andere von hinten zu überraschen und dabei mit voller Wucht auf den Rücken zu ballern. Während ich diese Begrüßung sonst eigentlich hasste, war ich in diesem Moment sogar froh, diese Vollerschütterung des Körpers erleben zu dürfen. Und Zander zwar ziemlich euphorisch! „Komm‘ mit, Potti. Ich stelle dir Susan vor“. Ehe ich große Fragen stellen konnte, war ich bereits mit auf dem Weg nach oben. Gefühlte 500 Stufen. Susan war die Frau, die am Blockeingang für die Kartenkontrolle zuständig war. Als ich völlig erschöpft bei ihr ankam, empfing sie mich bereits mit warmen Worten. „Hey, you must be Martin!? Alexander told me everything about you guys“!

Hoffentlich doch wohl nicht wirklich alles, dachte ich mir. Dass wir keine Tickets hatten und uns hier in die Arena reingeschmuggelt hatten, hat er ihr doch wohl verschwiegen! Ja, natürlich hatte er ihr das nicht unter die Nase gerieben! Als Zander den Block verließ, hatte er trotz massiven Blasendrucks die zündende Idee, Susan in ein kurzes Gespräch zu verwickeln. Dass wir extra aus Deutschland für diesen Kampf angereist waren und Boxen über alles lieben. Und es einfach ein wundervoller Abend sei, erzählte er ihr…tja und wenn jemand so eine Geschichte erzählt, dann vergisst auch Susan das Gesicht der Person nicht! Zudem hatte Susan auch Deutsche Wurzeln in vierter Generation. Und nun kannte Susan Gott sei Dank auch mich und wir hatten für den weiteren Abend grünes Licht für Ein- und Ausgang zu unserem Block… ohne irgendwas vorzeigen zu müssen! Das war im Übrigen auch eine gute Nachricht für die junge Servicekraft, die in Block A, Reihe 4 für den Getränkenachschub verantwortlich war. Von nun an konnte sie sich auf noch schneller reinrauschendes Trinkgeld für das Servieren von Gerstensaft freuen!

Mit der Zeit füllte sich die Halle und als der letzte Fight vor dem eigentlich Hauptkampf in die letzte Runde ging, waren von den 20.000 Plätzen quasi alle belegt. Außer in unserem drei Reihen á jeweils 20 Plätzen umfassenden Miniblock. In der Reihe vor uns saßen zwei und in der Reihe hinter uns auch einige Personen. Unsere Reihe war außer uns und jeweils 6-7 leeren Pappbechern unter unseren Sitzen noch komplett leer. Seltsam…dachten wir. Aber dies sollte sich recht bald ändern. Als Ringsprecher Michael Buffer (“Lets get ready to rumble!“) die beiden Protagonisten Oscar de la Hoya und Hector Camacho in den Ring rief, da füllten sich auch unsere Reihen ziemlich schnell. Und wir bekamen ein letztes Mal ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Würden wir jetzt auffliegen? Jetzt würden gleich ziemlich sicher die Personen kommen, die exakt auf unsere beiden Plätze wollen! Was sollten wir sagen? Wo sollten wir dann hin?
Michael Buffer "Lets get ready to ruuuuuuuumble"
Wir merkten sehr schnell, dass es alle keine Amerikaner waren, die sich um uns gesellten. Alles Mittel- und Südamerikaner.Wir waren im sogenannten Familienblock gelandet. Dort, wohin die Freunde und Familienangehörige der beiden Kämpfer platziert wurden. In der Reihe vor uns sowie in unserer Reihe Nahestehende von de la Hoya, die Reihe hinter uns war komplett in Puerto Ricanischer Hand. Daher kam nämlich Hector “Macho“ Camacho, der von seinen bis dato 67 Kämpfen lediglich drei verloren hatte. Er musste gegen den gebürtigen Mexikaner, aber in den USA lebenden De la Hoya ran, der nicht nur für die USA 1992 die olympische Goldmedaille gewann, sondern alle seine 25 Profikämpfe bislang gewann. Er war der Liebling der Mexikaner sowie US-Amerikaner! Unter den Zuschauern in der Halle waren gefühlt übrigens Dreiviertel Mexikaner!

Irgendwie aber ging es aus uns unbekannten Gründen irgendwie auf mit den Plätzen! Die Reihen waren voll und es kam keiner mehr! YEEESSSS! Wir konnten aus 4 Meter Luftlinie miterleben, wie zuerst die Nationalhymnen gespielt wurden und Michael Buffer anschließend die beiden Kontrahenten und ihre bisherigen Kampfrekorde vorstellte. Es knisterte nicht nur in der Halle, sondern vor allem in unserem Block! Gleich in den ersten Runden, in denen es diverse offene Schlagaustäusche im Ring gab, merkten wir sehr schnell, dass es auch in unserem Miniblock alles andere als entspannt herging. Je nachdem, welcher Fighter gerade am Drücker war, wurde es in unserer Reihe bzw. in der Reihe darunter sehr laut und emotional. Oder eben in der Reihe über uns, wenn Camacho eine seiner Schlagserien abfeuerte. Die Leute um uns herum waren nicht hier um Spaß zu haben und einen netten Fight zu sehen…es war Krieg! Und wir mittendrin! Wir machten instinktiv das einzig Richtige und hielten uns trotz toller Aktionen beider Akteure diplomatisch zurück. Was uns aufgrund der Tatsache, dass wir mittlerweile gehörig “einen sitzen hatten“ gar nicht so leicht fiel!

Sehr kurios auch die Rundenpausen, in denen der Hallensprecher immer wieder Prominente vorstellte, die in der Halle waren. Während ich es von anderen Veranstaltungen so kannte, dass man dann irgendwo nach unten schauen musste, wo der jeweilige Promi gerade aufsteht und kurz winkt, so mussten wir uns jetzt umdrehen!! Ob es Mike Tyson war, George Foreman, der kanadische Comedian Jim Carrey oder Bruce Willis…sie alle hatten schlechtere Plätze wie wir und saßen in weit höheren Reihen!
Viele Promis....die weit hinter uns saßen :) 
Vielleicht auch nochmals kurz zum sportlichen Teil des Abends. Oscar de la Hoya war der dominierende und klar bessere Kämpfer an diesem Abend. Er gewann 9 von 12 Runden und auch am Urteil, dass Michael Buffer nach 12 intensiven Runden sprach, gab es nichts zu deuteln. Das musste selbst die in der Reihe hinter uns sitzenden Familienangehörige und Freunde von Hector Camacho einsehen. Und somit blieb es in unserem Block auch Gott sei Dank ruhig.
Oscar de la Hoya gewann 9 von 12 Runden 
Der Kampf war vorbei. Aber so wirklich Lust nach Hause zu gehen hatten Zander und ich jedoch noch nicht. Irgendwie wollten wir die Sache noch toppen! Und als der Hallensprecher die Info über den Lautsprecher herausgab, wo die Pressekonferenz in genau 15 Minuten beginnen sollte, da stand für uns fest, welches Projekt wir als nächstes in Angriff nehmen würden. Wenn schon, denn schon! Als wir uns jedoch dem Bereich näherten, wohin die mit den Akkreditierungen ausgestatteten Medienvertreter gingen, sahen wir schnell, dass dort kein Durchkommen war. Gleich drei Sicherheitsbeamte kontrollierten alles und jeden. No way…!

Vermutlich lag es am Alkoholpegel, dass wir dennoch irgendeinen Weg suchten hier durchzukommen. Wir schauten uns um und entdeckten, dass auf der Bestuhlung der ersten Reihe am Ring die Beschriftungen (Row 1 * Seat 1 usw.) nur mit einem dünnen Metallschild angeklebt waren. Wir entfernten diese und pappten uns die Schildchen auf unsere T-Shirts. Sah irgendwie wichtig, wenn auch total beknackt aus. Zander mit Row1 Seat1und ich mit Row1 Seat2 auf der Brust. Und dann ging es schnurstracks in Richtung Security-Schleuse. So, als wäre es das Normalste der Welt, dass wir Durchlass bekommen müssten und die Pressekonferenz nicht ohne uns beginnen würde. Einer der Jungs schaute kurz auf unsere Brust und wollte gerade etwas sagen und uns anhalten, aber ich kam ihm zuvor: „German TV…RTL“! Das hatte zwar bereits vorher nicht gewirkt, aber irgendwie hörte es sich wichtig an. Dieses Mal funktionierte es. Er ließ uns durchgehen und wir waren im Raum, wo ca. 100 Stühle aufgestellt waren und bereits zig Presseleute darauf warteten, dass de la Hoya und Camacho zu den absolvierten 12 Runden Stellung beziehen. Wir setzten uns ganz nach vorn. In die 2.Reihe und taten so, als wenn wir wichtig wären. Und dann lauschten wir 20 Minuten, was die in den Gesichtern stark gezeichneten Fighter zu sagen hatten. Während die Jungs vor, hinter und neben uns alles in Steno mitschrieben oder ihre Diktaphone auf Aufnahme gestellt hatten, tranken wir unser nächstes Bier! Wir wollten sogar noch die eine oder andere Fragen stellen, aber das haben wir uns aus Sicherheitsgründen dann doch verkniffen.

Nach der Pressekonferenz machten wir uns auf dem Heimweg. Als wir die Halle verließen, lief uns dann jedoch noch Big George Foreman quasi direkt in die Arme. „Hi, Big George“, haute ich es sofort raus, als ich ihn erblickte. „ I am a big fan from Germany!“, und dies war nicht mal erlogen. Ich war früher zusammen mit meinem Vater für Foreman’s Kämpfe gegen Muhammad Ali oder Joe Frazier extra mitten in der Nacht aufgestanden. „I looooove Germany“, kam es vom permanent gut gelaunten Big George zurück und er gab uns den Auftrag alle seine Fans in good old Germany herzlich zu grüßen. Das mache ich hiermit!

Dann ging es allerdings wirklich nach Hause bzw. zurück in unser Hotel. Natürlich klopften wir an Rolo’s Zimmertür, denn wir hatten selbstverständlich das Bedürfnis unsere Euphorie und all das Erlebte mit ihm zu teilen. Als Rolo die Tür aufmachte, begrüßte er uns mit den Worten: „Man…ihr habt ihr habt richtig was verpasst. Der Film auf HBO war richtig gut“. Was er allerdings alles versäumt hat, dass erzählten wir ihm dann in aller Ruhe bei ein paar Bacardi-Cola im benachbarten Glitter Gulch (die Männer unter den Las Vegas Besuchern wissen Bescheid!)...!

Hier ließen wir den Abend in entspannter Atmosphäre ausklingen!



Mittwoch, Oktober 19, 2016

Labyrinth, Sextanerblase und Oscar dela Hoya (Teil 1)

Nach langer Zeit gibt es heute mal wieder eine “Las Vegas-Story“. Und ich darf ergänzen, dass diese Story zu meinen absoluten Lieblingsgeschichten gehört. Ich werde diesen Tag  in meinem Leben definitiv nie vergessen! 

In all den Jahren des “Bloggens“ bin ich übrigens auch hin und wieder auch mal angesprochen worden, ob sich die beschriebenen Ereignisse denn auch wirklich alle so zugetragen haben. Oder ob ich beim Verfassen der Storys nicht doch mal ein wenig dazu gedichtet hätte oder ob ich die eine oder andere Geschichte vielleicht gar komplett frei erfunden hätte. Also, ich kann euch auf jeden Fall versichern, dass sich alles, was ich hier dokumentiere, zu 100% exakt so zugetragen hat. Wenn man längere Zeit in einer total verrückten Stadt wie in Las Vegas lebt und dazu selbst auch leicht einen an der Waffel hat, dann erlebt man nun mal so einiges...lol

Wobei ich ehrlich gestehen muss, dass die heutige Story wirklich ein wenig unglaubwürdig und fiktiv erscheint. Und vermutlich würde ich selbst auch zweifeln, wenn ich sie irgendwo anders lesen würde. Aber der Abend des 13. September 1997 hat sich in der Tat exakt so abgespielt wie im Nachfolgenden beschrieben. Und ich bin ehrlich gesagt heilfroh, dass ich diesen Abend nicht allein erlebt habe, sondern mit meinem langjährigen Freund “Zander“ sogar einen Zeugen habe. Alexander ist ein erfolgreicher Geschäftsmann aus meiner Heimatstadt Rheda-Wiedenbrück, gleichzeitig übrigens auch Vorstandsmitglied unseres heimatlichen Fußball-Regionalligisten SC Wiedenbrück 2000.

Aber ganz von vorn…Anfang September 1997 flog ich zusammen mit Alexander sowie meinem besten Kumpel Rolo nach Las Vegas. Es war der erste von etlichen gemeinsamen Trips in die USA mit den Jungs. Auch im September 2001 während der Terroranschläge auf NY waren wir übrigens gemeinsam drüben und welche aufregenden Tage wir zu jener Zeit erlebten, darüber werde ich vielleicht in einem separaten Blog berichten. Am Samstag, den 13. September, lagen wir nachmittags am Pool unseres Hotels Binion‘s Horseshoe in Downtown Las Vegas. Der Pool befindet sich übrigens auf dem Dach im 25. Stockwerk! Als ich beim Chillen auf der Sonnenliege die Wochenendausgabe des Review Journals durchblätterte, entdeckte ich auf der letzten Seite eine ganzseitige Annonce zu dem am Abend stattfindenden Box WM-Kampf zwischen Oscar de la Hoya und Hector “Macho“ Camacho. Der Kampf fand im Thomas & Mack Center in Las Vegas statt, einer Halle mit einem Fassungsvermögen von knapp 20.000 Zuschauern. Und unten in der Anzeige stand, dass noch Restkarten an der Abendkasse erhältlich seien! Ich fragte die Jungs, ob das vielleicht was für unsere Abendplanung sein könnte. Während aus der einen Ecke nur ein müdes „Nö, keinen Bock. Ich mache heute einen ruhigen Fernsehabend“ kam (die Meldung kam natürlich von Rolo), zeigte Zander hingegen Interesse. Er teilte mit, dass er noch nie bei einem großen Boxkampf gewesen sei. Wir beschlossen hinzufahren und uns den Kampf anzuschauen!
Oscar "The golden Boy" dela Hoya vs. Hector "Macho" Camacho
Nach dem Duschen machten wir uns ein wenig schick und fuhren relativ früh los. Vor der Halle war noch nicht wirklich viel los, aber das Kassenhäuschen für den Verkauf der Restkarten war bereits geöffnet. Dort allerdings die erste Enttäuschung. Es gab nur noch zwei Kategorien an Tickets. Entweder für 50$ in der obersten Reihe und quasi direkt unterm Hallendach oder alternativ für 800$ in der 12. Reihe und somit recht nah am Ring. Wir schauten uns an und wenn, dann kam sowieso nur das 50$-Ticket in Frage. Denn a) hatte wir keine 1.600$ mit und b) würde ich für den Besuch einer Sportveranstaltung - welcher Art auch immer - nie im Leben 800$ ausgeben.
Ich kannte die Halle von zig Spielen der UNLV Rebels und wusste, dass man vom Oberrang aus ohne Fernglas nicht mal ein Basketball-Spiel vernünftig verfolgen konnte. Das würd bei einem Boxkampf, und dazu noch von der allerobersten Reihe nun mal gar keinen Sinn machen. Von dort kann man mit Glück überhaupt gerade mal den Ring sehen. Wir schauten uns nochmals bedröppelt an und kamen zum gleichen Fazit. Es machte keinen Sinn ein Ticket zu kaufen! Wir beschlossen ein Taxi zu nehmen, zum Las Vegas Strip zu fahren und uns den Kampf in einem der großen Casinos im Sportsbereich auf der Leinwand anzuschauen.

Um zum Taxistand zu gelangen, mussten wir zunächst einmal um die große Halle rum. Auf halbem Wege sahen wir, dass vor einem geöffneten Hallentor ein größerer LKW stand, aus dem etliche Leute Getränkekisten holten und in die Halle schleppten. Zander und ich sahen uns an und zwei Verrückte hatten in diesem Moment den gleichen Gedanken! Wir näherten uns dem LKW, schnappten uns jeweils zwei Getränkekisten und trotteten den hart schleppenden Jungs hinterher. Schnurstracks in die Halle. Während die Karawane aber irgendwann links abbog Richtung Getränkelager, stellten wir unsere Kisten ab und gingen einfach geradeaus weiter.

Nun kamen wir direkt an der Großküche vorbei, in der die hektischen Vorbereitungen für die Veranstaltung bereits auf Hochtouren liefen. Niemand störte sich an uns. Rechts an der Wand hingen Dutzende von Kochschürzen und Kochmützen. Wir überlegten kurz, ob wir den weiteren Weg “als Köche“  beschreiten sollten. Es hätte im Nachhinein betrachtet vermutlich vieles leichter gemacht. Aber wir verzichteten darauf und gingen weiter…landeten nach kurzer Zeit in den verwinkelten Katakomben der Sportstätte. Die Gänge waren sehr eng, es roch stickig und wir hatten keine Ahnung, wohin wir überhaupt gehen mussten um in den Innenraum zu gelangen. Die Gefahr erwischt zu werden war uns bewusst, denn die Amerikaner verstehen bei so etwas keinen Spaß. Wenn man uns hier ohne Eintrittskarten aufgabeln würde, dann könnten wir ein kleines Problem bekommen und es könnte unter Umständen böse Konsequenzen für uns haben. Aber den Gedanken verdrängten wir. Wir wollten den Kampf sehen und mussten jetzt zusehen, dass wir irgendwie den Innenraum der Halle erreichten.

Aber jetzt galt es erst einmal einen Ausweg aus diesem Labyrinth an Gängen zu finden. Nach gut 10 Minuten wurde unsere Angst - hier überhaupt jemals wieder herauszufinden - fast größer als die Sorge ertappt zu werden. Irgendwann aber hörten wir Gott sei Dank Stimmen. Stimmen, denen wir freudig entgegengingen. Wir kamen an eine Tür, die wir öffneten. Und landeten mitten im Presseraum! Es herrschte Trubel & Chaos. Geschätzt 50 Personen saßen vor ihren Laptops und schrieben Kurzartikel zum bevorstehenden Großereignis für ihre jeweiligen Auftraggeber. Oder sprachen in ihre Diktaphone. Puh…hier waren wir erst einmal sicher. Keiner schien uns zu beachten. Dachten wir zumindest! Es dauerte aber keine 30 Sekunden, bis ein Security-Officer schnurstracks auf uns zukam. Nicht verwunderlich, denn Alexander und ich waren die einzigen beiden Personen im Raum, die keine Presseakkreditierung um den Hals baumeln hatten. „What are you guys doing here?“, kam es mit energischer Stimme. Oh Gott, jetzt musste irgendwas Sinnvolles her! „We come from German Television…RTL…to cover the fight”, brachte ich spontan hervor. “And where are you accredidations?”, kam die Gegenfrage. “We forgot them in the car. Our colleague is getting them”, so meine Lüge. “But you can’t be in here without accreditation!” und der Security-Officer machte uns klar, dass wir den Raum auf dem schnellsten und gleichen Wege wieder verlassen sollen, wie wir ihn auch betraten. Er schickte uns wieder zurück ins Labyrinth der unterirdischen Gänge!
Thomas & Mack Center in Las Vegas
Die gute Nachricht war, dass er es Gott sei Dank dabei beließ und uns nicht weiter “checkte“. Die schlechte Nachricht war, dass wir nun ein zweites Mal im Wirrwarr der schmalen Gänge gefangen waren. Jedes Spiegelkabinett auf einem Jahrmarkt ist ein Klacks gegen dieses Labyrinth an Gängen! Nachdem wir weitere 10 Minuten planlos kreuz und quer umherirrten, kam uns ein weiterer Security-Officer entgegen. „What are you guys doing here“, merkte auch er sehr schnell, das wir irgendwie nicht hierhin gehörten. „Wir haben uns verlaufen und suchen die Toiletten“, entgegnete ich nervös auf Englisch. „Man…da seid ihr völlig falsch hier! Biegt den dritten Gang links ab und danach nehmt ihr den zweiten Gang nach rechts. Dann durch die zweite Tür auf der linken Seite und die Treppe hoch. Dort findet ihr die Toiletten“, antwortete er energisch. 
YES! Zum einen ließ auch er es darauf beruhen und zum anderen zeigte er uns den Weg in die Freiheit. Wir folgten seinen Anweisungen und keine 5 Minuten später waren wir im Innenraum der Halle. Im Schlauch quasi. Dort, wo sich die ganzen Fressstände befanden. Wir hatten die ersten beiden Linien an Ticket-Kontrollen bereits überwunden.

Jetzt mussten wir nur noch durch die Blockkontrolle! Aber dies schien ein unüberwindbares Hindernis darzustellen. Denn an jedem Blockeingang standen gleich zwei Personen, die die Tickets kontrollierten! Wir gingen im Schlauch der Halle ein wenig rundum und irgendwann entdeckten wir, dass an einem Blockzugang nur eine einzelne Dame stand. Und diese aktuell sogar abgelenkt war, da sie mit mehreren Personen eine Unterhaltung führte. Wir handelten blitzschnell und huschten unbemerkt in ihrem Rücken ab in den Block! Wir waren drin!

In der Halle selbst war es noch total leer. Von den 20.000 Sitzplätzen waren vielleicht maximal 500 belegt, denn es war noch sehr früh. Der Hauptkampf würde frühestens in knapp 2 Stunden beginnen. Einer der Vorkämpfe jedoch lief bereits. Ich wusste vom Besuch anderer Boxveranstaltungen, dass die Plätze in den unteren bzw. vorderen Reihen meist erst 5 oder 10 Minuten vor dem eigentlichen Main-Event des Abends besetzt werden. Hier schien es uns angesichts der Tatsache, dass wir nicht einmal ein gültiges Ticket vorweisen konnten, für die nächsten 90 Minuten am sichersten! Also machten wir uns auf den Weg nach ganz unten und setzten uns in die vierte Reihe. Ca. 3-4 Meter Luftlinie vom Boxring entfernt. Quasi auf die besten Plätze im ganzen Haus. In diesem drei Reihen umfassenden Block saß zu diesem Zeitpunkt noch keine einzige Person.
Wir setzten uns in Block A! Und zwar ganz nach vorn in Block A!
Wir saßen aber nicht einmal eine Minute, als eine Dame zielstrebig auf uns zukam. Die nächste unangenehme Situation drohte. Abhängig von ihrer Frage hatten wir uns schon diverse Ausreden parat gelegt. Als sie uns erreichte, begrüßte sie uns jedoch nicht nur mit einem Lächeln, sondern fragte uns ganz lieb, was wir denn gern trinken würden!? Nach den aufregenden 30 Minuten zuvor bestellten wir zum Runterkommen erst einmal jeder ein Bier. Keine drei Minuten später brachte die Dame unsere Bestellung. Als ich sie fragte, was sie von uns bekäme, sagte das Mädel: „Gar nichts, die Getränke sind kostenlos in diesem Block“. Wir gaben ihr 5 Dollar Trinkgeld und bedankten uns herzlich. 

Ob es am üppigen Trinkgeld lag oder an unserer Attraktivität, darüber kann ich im Nachhinein nur spekulieren. In jedem Fall aber dauerte es keine 10 Minuten und die junge Dame fragte abermals, ob wir noch etwas trinken wollten! Da das Budweiser bei uns gut runterlief, bestellten wir zwei weitere Bier. Und weitere 15 Minuten darauf das dritte Bier! Was wir dabei aber komplett außer Acht ließen, war die Tatsache, dass das, was man oben hineinschüttet, früher oder später unten auch wieder hinaus muss! Und dieser Zeitpunkt war bei Alexander - eh mit einer Sextanerblase ausgestattet -  exakt nach dem dritten Bier erreicht. Jetzt standen wir also vor dem nächsten Problem. Wir hatten kein Ticket in der Tasche. Raus aus dem Block würde er schon kommen…aber wie wieder rein? In jedem Fall aber hielt es Zander nicht mehr aus und er musste los. Für irgendwelche Absprachen, falls es schief gehen und er nicht mehr zurückkommen sollte, blieb keine Zeit mehr.

Als Alexander nach 15 Minuten immer noch nicht zurück war, fing ich an mir Sorgen zu machen! War er erwischt worden? Hat er evtl. nur unsere Plätze nicht mehr gefunden? Handys gab es damals noch nicht und ich konnte ihn nicht erreichen. Ich entschied mich dafür, weitere 5 Minuten zu warten und mich dann auf den Weg zu machen ihn zu suchen…

Wie der Abend weiter verlief und was George Foreman für ein super sympathischer Typ ist….das erfahrt ihr dann in Teil II dieses Posts!

Freitag, Oktober 14, 2016

Hauchdünn am WM-Titel vorbei! Backgammon bei den Reichen und Schönen in Monte Carlo

Irgendwann Mitte April flatterte eine Mail in mein Postfach mit einer Einladung zu der Ende Juli in Monte Carlo stattfindenden Backgammon-Weltmeisterschaft. Irgendwie schien meine E-Mail Adresse noch im Verteiler zu sein, da ich dort vor 10 Jahren bereits überaus erfolglos  zwei Jahre in Serie teilgenommen habe. Da eine Reise zu den Poker-Weltmeisterschaften nach Las Vegas für mich in diesem Jahr zu 100% nicht zur Debatte stand, war dies doch vielleicht eine nette Alternative!? Ich fing an mich dafür interessieren und einen Versuch ins Auge zu fassen!
Übernachtungen im Fairmont-Hotel, dort wo das Turnier jedes Jahr ausgetragen wird, kamen für mich aufgrund des Bauchschmerzen erzeugenden Preises von 330,- € pro Nacht (ohne Frühstück!) definitiv nicht in Frage. Und somit machte ich mich bei AIRBNB, wo man Unterkünfte von bzw. bei Privatleuten buchen kann, auf die Suche nach einem geeigneten Apartment. Und ich wurde auch recht schnell fündig. Klein, aber fein und nach Aussage des Studio-Besitzers lediglich 10 Gehminuten vom Fairmont-Hotel entfernt. Mit einem Preis von knapp über 80 € pro Nacht nach Monaco-Standard sogar sehr preisgünstig. Wieso die Übernachtungen dort so günstig waren, das sollte ich spätestens nach der ersten Nacht wissen…aber dazu später mehr.
Statt im feudalen Fairmont-Hotel wählte ich ein Sauna-Studio!
Ende Juli ging es dann mit dem Flieger nach Nizza und von dort aus mit dem Bus weiter ins Fürstentum. Der französische Busfahrer muss früher Formel-1 Fahrer gewesen sein und fuhr die recht engen Bergstraßen – nach rechts ging es teilweise mehr als 100 Meter den Abhang herunter – in einem Tempo, dass mir teilweise sehr mulmig wurde. Aber er brachte uns sicher zum Zielort und er war dann sogar so nett, mich direkt zu meinem angemieteten Apartment zu fahren. Wow…der netteste Franzose, der mit im Laufe meines Lebens begegnet ist! Mein kleines neues Zuhause für die die nächsten 9 Tage lag im 5. Stock eines sehr alten Gebäudes, war ungefähr 9 m² groß mit einem kleinen Extraraum für Toilette und Dusche.

Im Laufe der Turnierwoche fanden mehrere verschiedene Events statt und neben dem WM-Turnier stand auch die Monte Carlo Open auf meiner ToDo-Liste. Ideal als Warm-Up geeignet. Es ging auch recht gut los, denn gleich im ersten Match schlug ich einen italienischen Spitzenspieler mit 7:2. Es ging also exakt so weiter wie ich in meinen Trainingsmatches im heimischen Ostwestfalen aufgehört hatte. Ich hatte alles weggeputzt, strotzte vor Selbstbewusstsein und derjenige, der mich am Backgammon-Board schlagen sollte, musste erstmal kommen!

Auch mein zweites Match dauerte nicht sehr lang. Hier musste ein Schwede dran glauben. Im dritten Duell traf ich dann auf den ebenfalls noch ungeschlagenen US-Amerikaner Martin De Bruin. Martin ist 86 Jahre alt und hat in seinem Leben vermutlich mehr Backgammon-Matches gespielt als ich Pokerhände, ein sehr erfahrener Spieler. Gleich nach den ersten gespielten Zügen merkte ich jedoch, dass er der bis zu diesem Zeitpunkt schwächste Gegner war. Er übersah einfach etliche gute Züge. Ein weiterer Sieg war im Kopf also bereits auf der Habenseite gebucht und ich ertappte mich hin und wieder dabei, wie ich am Nachbartisch bereits das Match der beiden potentiellen Gegner für die nächste Runde beobachtete.

Beim Backgammon jedoch ist es ähnlich wie beim Pokern! Jeder kann jeden schlagen und selbst Fedor Holz kann gegen jeden x-beliebigen Pokerspieler 3 Matches nacheinander verlieren. Der Glücksfaktor wird nie unter 20-30% gehen. Beim Backgammon ist es wirklich absolut identisch. Wenn du ab und an und vor allen Dingen zum richtigen Zeitpunkt einen Jokerwurf raushaust, dann schlägt dich kein Mensch auf diesem Globus! Tja…und ihr ahnt, was mir in diesem Match passiert ist. Ich bekam gegen den 86-Jährigen Grand Senior des Backgammons kein Bein an die Erde und Martin fegte mich mit 7:0 von der Platte! Hauptrunde ade, ich landete in der Trostrunde. Hier gewann ich dann zwar nochmals zwei Matches, musste aber eine Runde vor Erreichen des Preisgeldes die Segel streichen. Alles in allem jedoch ein solider Start in die Woche mit 4 Siegen aus 6 Partien!

Einen Tag später dann der Start der Weltmeisterschaft. In Runde 1 wurde mir ein Armenier zugelost. Obwohl...eigentlich waren es drei Armenier! Denn mein Gegner brachte gleich zwei Bodyguards mit an den Backgammon-Tisch! Selbst der Kleinere der beiden "Boardsteher" überragte mich noch um anderthalb Köpfe (beide übrigens breit wie Kleiderschränke). Die beiden wichen zu keiner Zeit von unserem Board ab. Irgendwie schien mein Gegner also eine Menge Kohle zu haben oder vor irgendwas Angst zu haben. Aber weder die Bodyguards wie auch erst Recht mein Gegner konnte mich beeindrucken oder verunsichern. Ich kannte keine Gnade mit dem Millionär und fegte ihn 11:6 vom Board. In Runde 2 saß mir dann ein in Frankreich lebender Deutscher gegenüber. Er schien in jedem Fall spielstärker zu sein als der Armenier aus Runde 1. So musste ich über die volle Distanz gehen um letztendlich per DMP (Doppelmatchpoint) und knapp mit 11:9 in die dritte Runde einzuziehen.

Der erste Tag war somit absolut nach Plan gelaufen und am Abend ging es zurück in mein schnuckeliges Apartment. Schnuckelig warm war es zumindest angesichts der nicht vorhanden Klimaanlage. Ziemlich fahrlässig in Südfrankreich! Wenn es tagsüber wochenlang konstant 35 Grad und mehr ist und das Fenster zudem auch noch zur Sonnenseite ausgerichtet ist, dann kann man sich vielleicht ansatzweise vorstellen, wie pervers die Luft in der Bude war. Ein Problem kam on Top noch hinzu. Ich konnte das Fenster auch nachts/morgens nicht öffnen, da mehrmals am Tag Zig Hundert Schwalben in dem Luftkorridor vor dem Gebäude ihre Kreise zogen und manche halt nicht rechtzeitig die Kurve bekamen. Direkt am ersten Tag hatte ich bei geöffnetem Fenster gleich mehrere Schwalben in meinem Zimmer. Selbst, als ich das Fenster nachts nur einen ganz kleinen Hauch geöffnet ließ (normaler Weise nicht mal für einen Kolibri breit genug!), wurde ich am nächsten Morgen durch das Gezwitscher einer Schwalbe geweckt, die den Weg durch den Minispalt fand und in meinem Zimmer an einem Vorhang hing . Sie hatte vor Angst bereits fast alles “zugeschissen“, bevor ich wach wurde! Oh man…wie sollte ich es nur weitere 8 lange Nächte in dieser Mischung aus Sauna und Zoo aushalten ohne komplett durchzudrehen? Na ja, wie ihr seht habe ich es zumindest überlebt. Aber es war schon heftig und der recht günstige Studio-Preis mehr als gerechtfertigt. Für das nächste Jahr habe ich allerdings von einigen anderen Teilnehmern recht gute Tipps bekommen, wo man in Monte Carlo wesentlich besser und noch preisgünstiger wohnen kann! Wer von den Pokerspielern, die diesen Blog lesen, im kommenden Jahr planen sollte nach Monte Carlo zu reisen, kann sich gern mit mir in Verbindung setzen. Und wer in Monaco mal günstig Urlaub machen möchte, ist natürlich ebenfalls herzlich eingeladen, mich zu kontaktieren! Es gibt unweit des Monte Carlo Bay Resorts erstklassige und überaus preiswerte Unterkünfte!

An Tag zwei stand zunächst mein Drittrundenduell gegen die Russin Juliya Gromenkova auf dem Programm. Ich hatte mich im Vorfeld per Internet ein wenig schlau gemacht und wusste, dass Juliya bereits etliche Lady-Events bei diversen größeren Turnierserien gewonnen hatte. Ich durfte sie also auf keinen Fall unterschätzen! Das Match lief alles andere als gut für mich an und die attraktive Russin zeigte mir meine Grenzen auf. Schnell lag ich 7:4 (alle Matches auf 11 Punkte) im Rückstand und es roch sehr stark nach meiner ersten Niederlage. Mit etwas Glück jedoch fand ich nicht nur ins Match zurück, sondern konnte es ausgleichen und letztendlich mit 11:8 die Oberhand behalten! 

Es liegt was in der Luft! Meine Achtelfinalpaarung gegen die Russin Juliya Gromenkova

Ich stand im Viertelfinale und zum ersten Mal kam mir der leise Gedanke, dass ich mittlerweile ja gar nicht mehr so weit von der Erfüllung (m) eines großen Traumes – irgendwann einmal in irgendwas Weltmeister zu sein – entfernt war! Das, was ich von den im Event verbliebenen Teilnehmern sah, flößte mir ebenfalls nicht wirklich Angst ein und alles, was ich nun lediglich benötigen würde, war ein wenig Unterstützung von ganz oben …vom Würfelgott! 

Mein nächster Gegner jedoch war ein harter Brocken – die Nr. 1 der italienischen Rangliste. Einer der Turnierdirektoren, der mich kurioserweise vom Poker kannte, sagte mir, dass der Italiener der absolute TOP-Favorit unter den verbliebenen Teilnehmern sei und ich somit leider das schwerste Los im Viertelfinale gezogen hatte! Ich möchte es jetzt mal genauso unspektakulär beschreiben, wie die Partie sich auch wirklich zugetragen hat. Der Tifosi hatte nicht den Hauch einer Chance gegen mich! Er bekam keinen Fuß an die Erde und ehe das Match angefangen hatte, so war es auch fast schon wieder vorbei! Mit 11:2 hatte ich gewonnen und ihn regelrecht überrannt. Mit diesem Erfolg stand ich nun ungeschlagen im Halbfinale des Hauptfeldes...lediglich 3 Siege vom Weltmeistertitel entfernt! Mit mir ein Däne, ein weiterer Deutscher sowie der Brite Stephen Chidwick, den sicher die meisten der Pokerenthusiasten unter den Lesern dieses Blogs auch von vielen Poker-Livestreams kennen. Ihn hatte ich zuvor sicherlich bereits 20 Mal kommentiert. Nun könnte es unter Umständen zu einem WM-Finale zwischen ihm und mir kommen…!?

Tag 3 – das Halbfinale

Der Däne Lasse Danielsson sollte mein Gegner im Halbfinale sein. In Dänemark ist Backgammon extrem populär. Es gibt fast genauso viele Ligen beim Backgammon wie bei uns im Fußball. Und wer aus Dänemark zur Weltmeisterschaft reist, der würde definitiv auch schwer zu schlagen sein. Und dies sollte ich auch zu spüren bekommen!
Überaus kurios übrigen die Tatsache, dass mein Halbfinale zur exakt gleichen Zeit terminiert war wie die praktische Führerscheinprüfung meiner Tochter! Würden wir beide simultan unsere Prüfungen bestehen? Ihre Gegner waren der Straßenverkehr sowie ein Fahrprüfer, meiner ein unbequemes Nordlicht! Während bei meiner Tochter alles recht glatt lief und sie nach nicht einmal 30 Minuten Fahrtzeit „ihr Match“ gewann, so lief es bei mir alles andere als wunschgemäß an. Danielsson schien ein besseres Bündnis mit dem Würfelgott abgeschlossen zu haben und warf in den ersten Partien wirklich einen Jokerwurf nach dem anderen ab! 0:1, 0:2, 0:3 …ich sah kein Land! 0:4, 0:5, 0:6…irgendwas musste ganz dringend passieren! Ich nahm mein Time-Out und ging erst einmal an die frische Luft. Ich musste den Lauf meines Gegners unbedingt unterbrechen. In der Pause bekam ich dann nicht nur moralische Unterstützung von einigen Deutschen, sondern Götz Hildsberg gab mir zudem noch einige wichtige strategische Tipps mit auf den Weg. Vor allen Dingen aber teilte er mir mit, dass ich bei diesem Spielstand von nun an sehr aggressiv doppeln solle und nach einem TAKE des Gegners eben auch risikoreicher versuchen solle auf Gammon (doppelte Punktzahl) zu gambeln. Ich musste das RISIKO erhöhen! 

Gesagt getan! Gleich im ersten Match nach der Pause bot sich die Chance auf ein aggressives Doppel, nachdem der Däne zwei Fahrkarten in Serie schmiss. Ich zeigte ihm die 2, er nahm an und ich gewann die Partie GAMMON! Nur noch 4:6. Ich war wieder am Leben! Gleich in der Partie darauf eine fast ähnliche Situation. Auch hier nahm Lasse mein Doppel an. Und ich schlug ihn gleich nochmals GAMMON…Yes! Innerhalb von nicht einmal 10 Minuten drehte ich einen 0:6 Rückstand in eine 8:6 Führung. TIME-Out des Dänen!

Mein Halbfinale gegen den Dänen Lasse Danielsson (links neben
mir der Pokerprofi Stephen Chidwick) 
Anschließend lehnte ich zwei seiner Doppler ab und das Spiel stand unentschieden 8:8. Dann einen Punkt ich, einen Punkt er. Die Spannung konnte kaum größer sein, denn es stand 9:9. Das nächste Spiel würde entscheiden, denn bereits vor seinem zweiten Zug zeigte Danielsson mir sehr früh die Zwei. Ich nahm natürlich an. Wer würde der Gegner von Stephen Chidwick im Finale werden? Der Brite hatte seine Partie am Nachbarboard nämlich bereits gewonnen.

Der Däne zeigte nun Zauber-Backgammon. Jeder Wurf passte. Ich stand hoffnungslos vor dem Abgrund. Ich hatte aber zumindest noch einen Anker auf seinem 1er-Punkt und auch mein Timing war einigermaßen in Ordnung. Würde er noch einen Fehlwurf beim Rauswürfeln haben und mir eine Chance geben? Ich diesen dann auch treffen?
JA…er hatte noch Fehlwürfe. Zwei sogar. Zweimal in Serie hatte ich die Chance mit einer 2 einen gegnerischen Stein zu treffen und das Match noch zu meinen Gunsten zu drehen. Aber es sollte nicht sein. Ich traf nicht und der Däne zog ins WM-Finale ein. 

Ich hatte zwar noch eine Chance über die Trostrunde, aber hier lief dann alles gegen mich und von hier an (Konsolation sowie auch last Chance) verlor ich alle meine Paarungen. Ich wurde offiziell zwar WM-Sechster, aber ich kam nicht einmal ins Preisgeld. Zwar hatte ich mit einigen meiner Gegner noch private Deals zur finanziellen Absicherung abgeschlossen, so dass ich mein Startgeld wieder im Sack hatte, aber dennoch war es nicht das, was ich wollte!

Im nächsten Jahr wird es auf jeden Fall einen weiteren Angriff geben, denn die 9 Tage bei den Reichen und Schönen im fürstlichen Monte Carlo haben sehr viel Spaß gemacht. Und Nervenkitzel hatte ich auch reichlich.
Und irgendwann wird es auch mal was mit dem WM-Titel! Diesen gewann Stephen Chidwick dann sehr überzeugend. Er verlor in der Woche nicht ein einziges Match! Und dies, obwohl er vorher niemals LIVE an einem Backgammon-Board saß. Er hatte vorher nur Online gespielt und sich hier auch seine Skills angeeignet. Glückwunsch an den sympathischen Briten, mit dem ich zusammen dann auch noch seinen Sieg gefeiert habe! Übrigens sein erster Major-Titel, denn beim Pokern blieb ihm dieser trotz mehr als 6 Millionen Dollar an Turnierpreisgeldern bislang verwehrt! 
Verdienter Weltmeister: Stephen Chidwick (UK) 




Dienstag, Juli 05, 2016

Wissenswertes rund um das Thema Sportwetten

Nachdem ich im letzten Blog ja schon angedeutet habe, dass ich meinen geschriebenen Artikel aus dem Magazin "Sportwetten für Einsteiger" hier posten werde, anbei nun der komplette - vom Verlag auch zur Veröffentlichung freigegebene - Artikel. Wem es zu lang ist oder wer es uninteressant findet, der braucht ja nicht lesen. Aber der eine oder andere nützliche Tipp sollte vermutlich für jeden dabei sein.

Für meinen Geheimtipp zur EM dürft ihr mich ruhig in die Pfanne hauen! Ich fand die Quote einfach zu verführerisch und musste drauf setzen! 
J
Viel Spaß beim Lesen
Potti

Sportwetten - das müssen Sie wissen! 

Das Geschäft boomt! Wohl in keiner anderen Branche hat es im letzten Jahrzehnt so stetige und überaus rasante Umsatzsteigerungen gegeben wie in der Sportwettenbranche. Speziell zur und dann vor allen Dingen auch nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien sind die Umsätze bei den vielen verschiedenen Anbietern regelrecht explodiert.

Aber was steckt überhaupt dahinter? Was macht Sportwetten so reizvoll? Was ist ein Buchmacher? Was ist und wie entsteht eine Wettquote? Auf was sollte man alles achten und ist das Ganze wirklich seriös und vertrauenswürdig? Wie und wo kann man ein Wettkonto eröffnen? Auf was kann man alles wetten? Und kann man mit Sportwetten wirklich dauerhaft sogar Geld verdienen? Viele Fragen, auf die wir im folgenden Bericht Antworten liefern und Ihnen einen Einblick in den großen, dynamischen, aber irgendwie auch überaus faszinierenden Markt der Sportwetten geben möchten.

Was macht den Reiz aus, auf den Ausgang von Sportereignissen Geld zu setzen? Wieso wetten mittlerweile Woche für Woche so viele Deutsche? Um dieses intensive Gefühl und den entstehenden Nervenkitzel zu verspüren, muss man es vermutlich wirklich vielleicht einmal selbst ausprobiert haben. Es ist in der Theorie schwer zu beschreiben. Einfach mal beim Buchmacher der persönlichen Wahl eine kleinen Betrag einzahlen und eine Wette auf das eigene/favorisierte Team abschließen. Wenn die Wette dann auch noch erfolgreich ist und man nicht nur den Sieg seines Teams feiert, sondern parallel dabei auch noch Geld verdient, dann wird das Verfolgen eines Fußballspiels, eines Tennismatches oder irgendeines anderen Events zu einem wahrlich einzigartigen und emotionalen Erlebnis! Manchmal vielleicht nichts für schwächliche Nerven, speziell wenn man das Event zur Steigerung der Emotionen auch noch LIVE verfolgt, aber in jedem Fall eine tolle Erfahrung. Während in Asien oder auch bei unseren südeuropäischen Nachbarn das Wetten auf Sportereignisse schon seit ewigen Zeiten extrem beliebt ist und hoch im Kurs steht, so ist diese Leidenschaft gerade erst in den letzten Jahren auch bei uns Deutschen regelrecht aus einem Dornröschenschlaf erwacht. Und es wird auch noch weiter wachsen in den nächsten Jahren. Die Angebote werden zunehmend größer und attraktiver und viele, die bislang vielleicht noch skeptisch sind, werden es in naher Zukunft gewiss auch mal ausprobieren und dann schnell merken, wie viel Spaß es macht.


Was ist ein Buchmacher?

Ein Buchmacher, im englischen auch “Bookie“ genannt, bietet Wetten für den Ausgang von Sportveranstaltungen oder anderen Events an. Basis hierfür ist die Wahrscheinlichkeit für das Eintreffen eines bestimmten Ereignisses, also Sieg von Team oder Spieler XYZ. Je wahrscheinlicher der Ausgang eines Ergebnisses ist, desto geringer ist natürlich auch die Wettquote. Während der Buchmacher für alle anstehende Ereignisse eine Quote anbietet, so befindet sich der Kunde, also wir, in der sehr angenehmen Lage, sich optional auszusuchen, ob er eine Quote fair oder attraktiv findet und es zu einem Abschluss kommt. Spricht uns keines der Angebote des Buchmachers an, so müssen wir nicht wetten. Dies ist schon einmal ein sehr großer Vorteil des Kunden gegenüber dem Buchmacher.
Die Hauptaufgabe des Buchmachers besteht darin, die Quoten so festzusetzen, dass sie für die Kunden einerseits attraktiv erscheinen, auf der anderen Seite aber optimaler Weise eine sogenannte Gewinnmarge entsteht. Wie die Quoten exakt berechnet und erstellt werden, darauf gehen wir an anderer Stelle in diesem Bericht intensiv ein.
Wer jetzt der Meinung ist, dass ein Buchmacher bei jedem einzelnen angebotenen Event sowieso und immer als Gewinner hervorgeht, der irrt sich gewaltig. Hierzu vielleicht ein kleines Beispiel:
Gehen wir von einem Fußballspiel aus. Bayern München spielt zu Hause gegen Borussia Mönchengladbach. Der Buchmacher setzt die Wettquote für einen Heimsieg der Bayern auf 1,35. Dies bedeutet, dass man für einen Einsatz von 10 €uro 13,50 Euro ausbezahlt bekommt, also 3,50 Euro Gewinn erzielt. Die Quote für ein Unentschieden liegt bei 5,4 und für einen Auswärtssieg der Gladbacher gibt es 8,10 Euro für einen Euro Einsatz. Bei diesen Quoten hätte der Buchmacher rein hypothetisch eine Marge von 4,71%. Nämlich genau dann, wenn die Wetteinsätze der Kunden zu gleichen Teilen verteilt auf die drei verschiedenen Spielausgänge gesetzt würden.
Wenn es jetzt aber so kommt, dass nahezu alle Kundeneinsätze auf einen Heimsieg der Bayern einfließen, dann könnte es für den Fall, dass es tatsächlich einen Heimsieg gibt, recht teuer für den Bookie werden. Der Buchmacher kann den eventuell anfallenden Schaden noch insofern korrigieren, indem er vor dem Spiel die Quote für einen Sieg der Bayern noch weiter reduziert und/oder parallel die Quoten für ein Unentschieden oder gar einen Auswärtssieg von Mönchengladbach heraufsetzt und somit attraktiver macht um Wetten auf einen Auswärtssieg zu animieren. Somit werden die Einsätze der Kunden aus Sicht des Buchmachers besser verteilt und das Risiko wird minimiert.

Was ist eine Wettquote und wie wird sie berechnet?

Die Wettquote drückt die Wahrscheinlichkeit für den Ausgang eines Spiels/Events aus. Je höher die Quote, desto unwahrscheinlicher erscheint der Ausgang. Im Umkehrschluss bedeutet eine niedrigere Quote natürlich, dass der Buchmacher das Eintreffen dieses Ergebnisses als hoch und wahrscheinlicher einschätzt. Der Kunde kann dies aber sehr wohl auch anders bewerten und in solchen Fällen kommt es zu einem Abschluss und Tippabgabe.

Es gibt fixe und variable Wettquoten. Ein Beispiel für variable Quoten sind Livewetten. Eine variable Quote wird quasi permanent und sehr häufig gar im Sekundenrhythmus an den Verlauf eines Spiels angepasst. Eine Freistoß direkt am 16er, gar ein gepfiffener Elfmeter, eine gelbe oder gar eine rote Karte, ein Break beim Tennis  und die angebotene Quote steigt bzw. fällt direkt. Eine fixe Wettquote verändert sich dagegen nicht bzw. nur selten. Der mögliche Gewinn ergibt sich aus der Multiplikation der abgeschlossenen Wettquote mit dem getätigten Einsatz.

Wie genau wird die Wettquote denn berechnet und vom Buchmacher erstellt?
Jetzt wird es zugegebenermaßen ein ganz klein wenig kompliziert und leider auch mathematisch. Aber ich gebe mir Mühe, dies einigermaßen transparent und einfach zu erklären.

Gehen wir einfach wieder von unserem Bundesligaspiel Bayern München vs. Borussia Mönchengladbach aus. Zunächst macht sich der Buchmacher bzw. der/die Berater im Umfeld des Bookies Gedanken darüber, wie der Ausgang des Spiels einzuschätzen ist. In diese Berechnung laufen eine Vielzahl von verschiedenen Faktoren ein. Die Formkurven der beiden Teams, die aktuelle Verletztenliste, sind Spieler gesperrt für das Match? Wie ist die Historie dieser beiden Teams bei direkten Duellen in den vergangenen Jahren? Liegt das eine Team dem anderen? Werden Spieler eventuell geschont, weil ein paar Tage später ein wichtiges Europapokalspiel ansteht? Nehmen wir mal an, dass man zu 70% davon ausgeht, dass die Bayern dieses Spiel gewinnen. Ein Unentschieden hält man für 18% wahrscheinlich und an einen Auswärtssieg von Borussia Mönchengladbach glaubt der Buchmacher lediglich in 12 von 100 Fällen (12%).

Dividiert man nun 100 durch die jeweils zu erwartende Wahrscheinlichkeit, so erhält man eine Wettquote. Für einen Heimsieg wären es in unserem Beispiel 1,43 (100 dividiert durch 70), für ein Unentschieden kämen wir auf 5,56 (100/18) und die Quote für einen Auswärtssieg läge bei 8,33 (100/12). Dies wären die sogenannten fairen Quoten, die ein Buchmacher ausgeben würde, wenn wir von einer Auszahlungsquote von 100% ausgingen Wenn die Einsätze bei diesen ausgegebenen Quoten dann in der Tat auch gleichmäßig verteilt gesetzt würden, dann wäre es für den Buchmacher ein reines Nullsummenspiel. Der Bookie jedoch möchte natürlich auch eine Kleinigkeit verdienen um seine Betriebskosten (Personal, Betreiben und Pflegen der Website, Marketing, etc.) zu finanzieren und somit wird er die faire Quote noch um seine Buchmachermarge reduzieren. Die Margen sind bei den einzelnen Anbietern höchst unterschiedlich. Während der Schnitt in etwa bei 5-7% Marge liegt, so nehmen einige Wettanbieter lediglich 1-3%. Andere Anbieter hingegen langen hier richtig hin und entziehen bis zu 15-20% Gewinnmarge aus den fairen Wettqouten, wodurch es für den Kunden auf lange Sicht sehr schwer bis unmöglich wird, auf der Gewinnerseite zu landen!

Gehen wir in unserem Fall von einer 5%igen Marge aus. Jetzt wird aus der zunächst fairen Quote eine reale Quote. Im Falle des Heimsiegs würden aus 1,43 dann 1,36 (1,43 abzgl. 5%). Beim Unentschieden würde aus ursprünglich 5,56 eine reale Quote von 5,28 entstehen und aus 8,33 für einen Sieg der Borussen aus Mönchengladbach entstünde eine Quote von 7,92.


Liegt der Buchmacher mit seinen Einschätzungen der Wettquoten grob daneben, so kann es im Einzelfall natürlich passieren, dass er bei einer Wette recht heftige Verluste einstreichen muss, weil die Masse an Wetten nahezu ausschließlich auf die gleiche Seite eingeht. Der Bookie kann nun durch Anpassungen (Reduzieren bzw. Anheben der jeweiligen Quoten) versuchen, dass die Wetteinsätze ausgeglichener abgegeben werden umso sein Verlustrisiko zu reduzieren

Was ist ein Wettkonto?

Ein Wettkonto wird benötigt, wenn jemand Online bei einem Buchmacher auf Ergebnisse von Sportereignissen setzen möchte. Es muss in jedem Fall angelegt werden. Zum einen ist es die Basis, um überhaupt Wetten zu platzieren und Tippscheine abgeben zu können, anderseits werden hier auch die persönlichen Daten, der aktuelle Kontostand, alle entsprechenden Ein- und Auszahlungen sowie sämtliche Wettgewinne/Wettverluste für die gewünschten Zeiträume angezeigt. Das Wettkonto ist das Eingangstor zur faszinierenden Welt der Sportwetten! Ein Wettkonto sieht so aus:


Wie sieht ein Wettschein aus? Wie berechnet sich der Wettgewinn?

Geht man irgendwo etwas einkaufen, so bekommt man eine Quittung oder eine Rechnung als Bestätigung zum Kauf. Schließt man eine Wette bei einem Online Wettportal ab, so erhält man einen Wettschein als entsprechenden Kaufbeleg. Er gilt somit als offizielle Bestätigung über das Platzieren einer Wette. Alle relevanten Daten rund um einen Tipp sind darauf ausgewiesen. Selbstverständlich ist die Darstellung eines Wettscheins von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich und meist dem Layout der Firma angepasst. Dennoch gibt es einige Details, die auf jedem Wettschein unbedingt enthalten sein müssen.

Dazu zählen das ausgewählte Event, der Tipp, auf den gesetzt wurde, sowie die Wettart und entsprechende 
Wettquote. Der Wettschein zeigt somit auf einen Blick, welcher Tipp gewählt wurde und wie die Quote zum Zeitpunkt der Wettabgabe bestanden hat. Diese Informationen sind dadurch verbindlich. Erfolgen spätere Änderungen hinsichtlich des Tipps, beispielsweise eine Änderung der Wettquote, so betreffen diese Änderungen die abgeschlossene Wette nicht! Es zählt einzig, was auf dem Wettschein festgehalten wurde. Außerdem kann über den Wettschein definiert werden, ob die Tippauswahl als Einzelwette oder vielleicht als Kombi- bzw. Systemwette gespielt werden soll.

Der Wettschein dient als Kontrollorgan und Bestätigung für beide Seiten, also sowohl für den Sporttipper als auch für den Wettanbieter. Der Wettschein dient außerdem als Bestätigung bei Rückfragen zu einer getätigten Wette, denn jeder Wettschein erhält eine Nummer, ähnlich einer Rechnungsnummer. Sollten also z.B. Unklarheiten oder Rückfragen aufkommen, erleichtert diese Wettschein-Nr. die Kommunikation mit dem Kundenservice des Buchmachers.

Wie berechnet sich der Wettgewinn? Im Prinzip ganz einfach. Setzt man sein Geld auf eine einzige Wette, dann multipliziert man die gewählte Quote mit dem getätigten Einsatz. Das Ergebnis ist der Bruttogewinn oder auch Umsatz. Von dieser Zahl muss man dann noch den eigenen Einsatz abziehen. Dies ist dann der Nettogewinn.
 

Hierzu ein paar kleine Beispiele:
Bor. Dortmund – 1. FC Köln              Tipp 1              Quote: 1,30     Einsatz 100 Euro

Borussia Dortmund gewinnt das Spiel.


Rechnung: 
1. Schritt: 1,30 * 100 Euro = 130 Euro
2. Schritt: 130 Euro – 100 Euro = 30 Euro 

Der Bruttogewinn beträgt 130 €, der Rein- bzw. Nettogewinn beträgt somit 30 Euro.*

(* bei den meisten auf dem deutschen Markt lizenzierten Buchmachern fällt noch eine Wettsteuer in Höhe von 5% auf Gewinne an).


Setzt man sein Geld auf mehrere Wetten in Form einer Kombinationswette, dann multipliziert man alle Quoten mit dem getätigten Einsatz. Das Ergebnis ist wieder der Bruttogewinn. Zieht man davon den Einsatz ab, dann ist das Ergebnis der Rein- bzw. Nettogewinn. 


Beispiel Kombinationswette:
Bor. Dortmund – 1. FC Köln                                     Tipp 1              Quote: 1,30
Werder Bremen – Eintracht Frankfurt                      Tipp 1              Quote: 2,20
Mainz 05 – Hertha BSC Berlin                                  Tipp X                         Quote: 3,70 

Einsatz: 20 Euro

Alle drei Spiele gehen wie vorausgesagt aus.


Rechnung:
1. Schritt:        1,30 * 2,20 * 3,70 = 10,582
2. Schritt:        10,582 * 20 Euro = 211,64 Euro
3. Schritt:        211,64 Euro – 20 Euro = 191,64 Euro


Hier läge der Bruttogewinn bei 211,64 EURO, der Nettogewinn somit bei 191,64 Euro.*

(* bei den meisten auf dem deutschen Markt lizenzierten Buchmachern fällt noch eine Wettsteuer in Höhe von 5% auf Gewinne an).


Auf was kann wetten?

Hier könnte ich es mir eigentlich einfach machen und sagen: Sie können auf alles setzen!
Aber natürlich möchte ich auch hier ein wenig mehr ins Detail gehen. In der Tat sind die Angebote der Buchmacher mittlerweile so vielfältig und umfangreich geworden, dass man quasi auf wirklich alles und auf nahezu jede Sportart wetten kann. Fußball, der Deutschen liebster Sport, ist natürlich Hauptbestandteil des Wettangebotes. Über 85% aller Wetten gehen in Deutschland auf Fußball ein. Aber auch Tennis, Basketball, Handball, Eishockey, American Football, Formel1, Boxen, Golf, Snooker und Darts gehören heutzutage zum Standardprogramm fast jeden Buchmachers. Die größeren Wettanbieter haben auch noch viele andere Sportarten wie Biathlon, Radsport, Schwimmen, Skispringen, Volleyball, Motosport oder andere exotische Sportarten im Programm. Wenn man etwas sucht, auf das man setzen möchte, so findet man es auch. Und sollte sich ein Event, auf das man setzen möchte, zufällig mal wirklich nicht im Angebot befinden, so bietet sich immer noch die Option an, den Buchmacher zu kontaktieren und um ein Aufstellen eines Wettangebotes für das gewünschte Ereignis zu bitten. In der Regel bekommt man die gewünschte Quote dann auch recht zeitnah eingestellt!

Aber auch auf Events, die nichts mit Sport zu haben, kann man mittlerweile wetten. Der European Song Contest (ESC), der Ausgang von politischen Wahlen in den größeren Ländern, die Oscar-Verleihungen – alles Ereignisse, die bei den Kunden sehr gut ankommen und bei denen zum Teil sehr hohe Wettumsätze getätigt werden.

Gerade unsere Nachbarn von der Insel sind bei außergewöhnlichen Wetten ganz weit vorn. Es scheint fast so, dass je kurioser die Angebotswette ist, desto mehr zieht es die Kunden an. Es wird auf die Kleidfarben der Royals bei irgendwelchen größeren Anlässen gesetzt, wie oft Lindsay Lohan im anstehenden Kalenderjahr verhaftet wird oder auf mögliche Vornamen bei anstehenden Geburten innerhalb der königlichen Familie. Auch das Liebesleben von George Clooney scheint die Wettfreunde auf der Insel magisch anzuziehen und jedes Jahr werden horrende Umsätze damit gemacht, wie viele Beziehungen Clooney wohl haben wird. Selbst auf das Wetter und ob es an einem bestimmten Tag regnet oder nicht, kann man bei unseren britischen Nachbarn setzen.

Kommen wir aber nochmals auf die Fußballwetten zurück. Ging es früher eigentlich nur darum, den Spielausgang bzw. die richtige Tendenz zu tippen (1 für Heimsieg, 0/X für Unentschieden oder 2 für Auswärtssieg), so gibt es heutzutage fast für jedes einzelne Spiel Hunderte von Spezialwetten. Man kann auf die einzelnen Halbzeiten setzen, wie viele Toren insgesamt im Spiel fallen, welches Team mehr Eckbälle hat, welcher Spieler das erste Tor schießt und wirklich sehr vieles mehr. Natürlich kann man auch auf das exakte Endergebnis setzen oder wie viele gelbe oder rote Karten es geben wird. Das Angebot ist wirklich überwältigend und man kann sich wirklich erst ein konkretes Bild machen, wenn man die Wettangebote eines Buchmachers zu jedem einzelnen Spiel gesehen hat. Teilweise gibt es nur zu einem einzigen Spiel mehrere Hundert Unterkategorien und Angebotswetten. Und hier kommen wir dann auch wieder zur Ausgangsfrage zurück: Auf was kann man wetten
à Auf alles!

Wie zahle ich Geld auf das Wettkonto ein?

Nachdem man beim Buchmacher seiner Wahl ein Wettkonto eröffnet hat, muss dieses Wettkonto natürlich auch ein entsprechendes Guthaben aufweisen, bevor man die erste Wette platzieren kann. Die Buchmacher bieten für den Geldtransfer eine ganze Vielzahl von sicheren und seriösen Zahlungsmöglichkeiten an und bei den meisten Methoden ist der transferierte Betrag bereits nahezu unmittelbar verfügbar. An erster Stelle sind dabei die Klassiker Kreditkarte und die herkömmliche Banküberweisung (diese dauert natürlich 1-2 Tage bis zum Geldeingang) zu nennen. Eingezahlt werden kann auch per Kreditkarte (Mastercard/VISA) sowie über entsprechenden Debitkarten. Überweisungen können jedoch ebenso per Giropay oder Sofortüberweisung in Echtzeit durchgeführt werden. Voraussetzung hierfür ist lediglich ein Girokonto mit freigeschaltetem Online Banking. Auch die Online-Zahlungsplattformen/E-Wallets sind nahezu durchgängig bei allen Wettfirmen vertreten. Kunden können hier zwischen Paypal, Skrill oder Neteller wählen. Abgerundet wird das Zahlungsangebot mit den bekannten Prepaid Dienstleistern wie Paysafecard oder Ukash. Die für Sportwetten zur Verfügung stehenden Zahlungsmittel können sich je nach Land (z.B. Österreich, Schweiz) etwas unterscheiden. So haben beispielsweise Wettfans aus Österreich die Möglichkeit, bei den meisten Anbietern per Paybox mit ihrem Handyguthaben einzuzahlen. Die Einzahlungswege sind bei fast allen Anbietern komplett gebührenfrei. Näheres dazu auch im großen Anbietervergleich in diesem Magazin. Bei allen Varianten außer der traditionellen Banküberweisung ist der eingezahlte Betrag zudem innerhalb weniger Sekunden bereits verwendbar. Die Mindesthöhe der Einzahlungssumme ist ebenfalls abhängig von der Transfermethode.


Wie wird der Gewinn ausbezahlt?

Die Transferwege für die Auszahlungen sind quasi die gleichen wie bei den Einzahlungen. Fast alle Varianten sind möglich. Während der eine oder andere Buchmacher für bestimmte Wege eine kleine Bearbeitungsgebühr verlangt, so bieten andere den Service komplett kostenfrei an. Zudem gibt es bei einigen Anbietern eine Maximalauszahlungssumme pro Tag oder pro Woche, während wiederum andere Buchmacher die ersten drei Auszahlungen pro Woche kostenfrei anbieten und ab dem vierten Cashout innerhalb von 7 Tagen eine kleine Gebühr erheben. Bei der Bearbeitungsgeschwindigkeit gibt es ebenfalls leichte Unterschiede. Während bei Buchmacher A die Auszahlung umgehend angestoßen wird und der Betrag XY je nach Transferweg sehr zeitnah auf dem eigenen Konto gutgeschrieben wird, so lässt sich Buchmacher B hier und da auch mal einen oder zwei Tage Zeit, bevor der Prozess ins Rollen kommt. Bei einigen Anbietern können die Wettgewinne auch nur über den gleichen Transferweg ausgezahlt werden wie die Summen zuvor eingezahlt wurden. Wer also stets liquide bleiben möchte und bereits im Vorfeld weiß, dass er nicht nur regelmäßig wettet, sondern auch viele Umschichtungen auf den Konten unternehmen wird, der ist recht gut beraten, sich bei der Wahl des Buchmachers bereits im Vorfeld ein wenig über die diversen Transfermöglichkeiten, die Geschwindigkeiten der Auszahlungen sowie über die potentiell anstehenden Gebühren zu informieren.


Wie viel kann ich pro Wette minimal/maximal setzen?

Grundsätzlich ist der Arbeitsaufwand beim Anbieter für jede Wette gleich, egal ob diese für einen Cent oder für 500 Euro getätigt wurde. Der Wettanbieter muss die Tipps einerseits auswerten und anderseits bereits wieder neue Quoten für die nächsten anstehenden Events festsetzen. Gleichzeitig möchten die Kunden jedoch nicht auf ihre Gewinnauszahlungen warten und wollen zudem rund um die Uhr betreut werden. Da der organisatorische Auswand recht hohe Kosten veranschlagt, ist es nicht verwunderlich, dass die Online-Sportwettenbüros Mindesteinsätze pro Tipp festlegen.

Der Mindesteinsatz liegt bei den meisten Wettanbietern bei 0,50€ pro Tipp. Das bedeutet,
das Sie mit sehr überschaubaren Risiko Wetten platzieren können. Bei einigen Anbietern liegt der Mindesteinsatz bei einem Euro, während man bei anderen bereits schon für 0,10€ oder 0,25€ wetten kann.

Auch der Maximaleinsatz sowie der Maximalgewinn variiert ein wenig von Anbieter zu Anbieter. Diese Summen liegen jedoch in der Regel so hoch, dass vermutlich keiner von uns bei einzelnen Wetten Probleme bekommen sollte und an diese festgesetzten Oberlimits herankommt. Bei einigen Anbietern beträgt der Höchstgewinn pro Wette 10.000€, bei anderen 20.000€, während wiederum andere Buchmacher generell überhaupt keine Oberlimits festgesetzt haben. Aber selbst, wenn der Maximalgewinn offiziell bei 10.000 oder 20.000€ angesetzt ist, so kann man im Vorfeld auch immer noch mit dem Anbieter seiner Wahl Kontakt aufnehmen und um Aufstockung bitten. Die meisten Bookies sind da recht flexibel.

Zudem gibt es teilweise auch Tages- oder Wochenlimits an Gewinnen pro Kunde. Wer also sehr viel und mit sehr hohen Einsätzen spielt, dem sei ebenfalls unbedingt empfohlen, sich im Vorfeld beim Buchmacher seines Vertrauens über die Maximalausschüttungen pro Wettschein, pro Tag bzw. pro Woche/Monat zu erkundigen.

Wie steht es um die Sicherheit? Bekomme ich den Gewinn auch garantiert ausbezahlt?

Für die Beantwortung dieser Frage betrachten wir die Anbieter nach verschiedenen Faktoren. Sind es große und seriöse Firmen? Was passiert mit den Kundengeldern, wenn über einen gewissen Zeitrahmen schlecht im Unternehmen gewirtschaftet wird? Besitzen die Firmen offizielle von einer Regulierungsbehörde ausgestellte Genehmigungen/Lizenzen, die Sie überhaupt berechtigen Wetten anzubieten? Werden die Wettanbieter von Behörden regelmäßig geprüft? Haben die Firmen einen Kundenservice, den ich zu jeder Tag- und Nachtzeit kontaktieren kann?
Man kann heutzutage nicht vorsichtig genug sein und vor ca. 20-25 Jahren, als Sportwetten populär wurden, hat es in der Tat das eine oder andere schwarze Schaf gegeben. Es kursierten zumindest Gerüchte, dass hier und da mal etwas nicht korrekt gelaufen ist. Alle diese Firmen sind jedoch bereits längst aussortiert und man kann sich heutzutage ziemlich sicher sein, dass wirklich alles seriös und zu 100% sicher abläuft. Die Lizenzen der Anbieter sind überwiegend in Großbritannien, Malta, Gibraltar oder teils auch in Deutschland ausgestellt. Alle diese Länder zeichnen sich über einen sehr hohen Sicherheitsstandard im Sportwetten- und Glücksspielbereich aus und alle lizenzierten Wettanbieter werden permanent kontrolliert. Ein Wettanbieter mit einer Malta-Lizenz. z.B. muss das gesamte Guthaben seiner Kunden auf einem gesondert ausgelagerten Bankkonto hinterlegen, so dass Auszahlungen von allen sämtlichen Kundengeldern zu jeder Zeit absolut gewährleistet sind. Dies wird in monatlichen Abständen von der maltesischen Gaming Authority überprüft und sollte dagegen verstoßen werden, so droht gar der sofortige Entzug der Lizenz.

Viele der großen Wettanbieter sind zudem Mitglied in der EGBA (European Gaming&Betting Association). Die EGBA legt die Standard- und Sicherheitsrichtlinien vor und kontrolliert durch Prüfungseinrichtungen die permanente Gewährleistung dieser Vorgaben.

Sicher, eine totale und finale Sicherheit gibt es vielleicht nie. Aber wir können Ihnen mit bestem Wissen und Gewissen die heutzutage auf dem Markt agierenden Firmen empfehlen. Alle Anbieter sind zu jeder Tag- und Nachtzeit in irgendeiner Form (E-Mail, telefonisch oder per Chat) erreichbar und Sie können um die Sicherheit absolut beruhigt sein. Ihre Gewinne werden definitiv ausgezahlt!

Kann man mit Sportwetten dauerhaft Geld verdienen?

Die Antwort auf diese Frage lautet schlicht und einfach:
JA! Aber ein Selbstläufer ist es natürlich nicht. Wie an anderer Stelle erwähnt, hat der Kunde gegenüber dem Buchmacher den entscheidenden Vorteil, dass er nicht jede einzelne Wette im Angebot tippen muss. Der Kunde kann sich auf die Sportarten konzentrieren, wo er sich ein ausgeprägtes Fachwissen angeeignet hat und bei den Spielen in seiner favorisierten Rubrik kann er dann diejenigen Events auswählen, wo er der Meinung ist, dass die Quote seines Erachtens attraktiv erscheint bzw. nicht korrekt gesetzt wurde. Dies nennt man Value-betting. Eine Valuebet ist eine Wette, deren Quote einen Wert mit einer höheren mit ihr verbunden Wahrscheinlichkeit hat, als die tatsächliche Wahrscheinlichkeit, die eintreten muss. Dies bedeutet, dass die ständigen Wettgebote langfristig einen sicheren Gewinn produzieren werden, da ihre Wahrscheinlichkeit überbewertet ist. Würden sehr viele Kunden Value-Betten, so würden die Buchmacher mit ihrer doch eher kleinen Gewinnmarge gewiss nicht lange überleben können.

Genau dies tun aber die meisten Kunden nicht. Da wird willkürlich auf irgendwelche Begegnungen in der zweiten japanischen Liga gesetzt, ohne dass man sich im Vorfeld nur ansatzweise mit dem Spiel auseinandersetzt. Natürlich kann auch dies ab und an gut gehen und wenn man über einen sehr guten Instinkt verfügt, dann kann diese Herangehensweise eventuell auch dauerhaft zum Erfolg führen. Aber wer hat diesen siebten Sinn schon? Fachwissen und eine gute Vorbereitung auf der anderen Seite bringt dauerhaften Erfolg! Je länger man sich damit beschäftigt, desto besser bekommt man ein Gefühl für die Quoten und entdeckt sehr schnell, wo ein eine Value-Bet liegt. Und eben dann sollte man zuschnappen!
 
Bei welchem Wettanbieter sollte ich ein Konto eröffnen?

Dies ist eine gar nicht so leicht zu beantwortende Frage. Jeder der weit über 100 Anbieter hat irgendwo seine Stärken, aber auch seine Schwächen. Während der eine Buchmacher vielleicht ein nicht so umfangreiches Wettangebot anzubieten hat, dafür aber enorm attraktive Quoten, so hat der andere vielleicht leichte Schwächen beim Kundenservice, dafür  aber ein erstklassiges Portal und ein riesiges Angebot an LIVE-Wetten (häufig sogar mit Livestreams, wo man die nicht im TV übertragenen Events verfolgen kann). Beim nächsten Sportwettenanbieter ist die Internetseite vielleicht nicht so perfekt strukturiert wie bei der Konkurrenz, dafür aber sind alle Ein- und Auszahlungen komplett spesen- und gebührenfrei. In einem ausführlichen Artikel an anderer Stelle in diesem Heft analysieren wir die auf dem deutschen Markt bekanntesten und größten Anbieter im Detail und stellen Ihnen die Vor- wie Nachteile jedes Anbieters vor, so dass Sie schnell und zielsicher den für Ihre Anforderungen, Bedürfnisse und Wünsche passenden Anbieter herausfiltern können. 

Zum Abschluss noch ein kleiner Einstiegstipp!

Die Fußball-Europameisterschaft steht vor der Tür und ich möchte diesen Artikel nicht beenden, ohne Ihnen einen kleinen Geheimtipp für die EM zu geben. Die Buchmacher haben Frankreich und Deutschland als Favoriten auf dem Zettel. Die Quoten auf den EM-Titel liegen zwischen 4 und 4,5 für diese beiden Länder. Und es könnte natürlich sehr gut möglich sein, dass eine dieser beiden Nationen tatsächlich am Ende die Nase vorn hat. Für mich hingegen sind zu viele Unsicherheitsfaktoren dabei. Ab dem Achtelfinale liegen viele Teams meines Erachtens leistungsmäßig sehr dicht beisammen und oftmals entscheidet die Tagesform oder gar das entsprechende Quäntchen Glück. Ich halte die Quoten für Frankreich bzw. Deutschland aus diesen genannten Gründen für zu gering und zu risikoreich. Wieso also nicht auf einen Außenseiter tippen?

Mein Tipp hier lautet: Österreich!

Natürlich halte auch ich es für eher unwahrscheinlich, dass Österreich am Ende tatsächlich den Titel holen wird, aber ich zähle das Land definitiv mit zu den Geheimfavoriten auf den EM-Sieg. Und derzeit (Stand 29. April) gäbe es auf einen EM-Sieg Österreichs eine recht attraktive Quote von 41 für 1. Für einen Einsatz von 5 € bekäme man also mehr als 200 € ausgezahlt.
Die Qualifikationsgruppe (G), unter anderen mit den spielstarken Russen und Schweden, dominierte Österreich mit 9 Siegen und einem Unentschieden aus 10 Spielen sehr eindeutig. Das Team ist zudem seit Jahren sehr gut eingespielt unter dem Teamchef Marcel Koller und für eine Vielzahl an Spielern, die fast ausnahmslos in der Bundesliga oder in der Premier League unter Vertrag stehen, ist es die letzte Chance nochmals einen internationalen Titel zu holen. Und erinnern wir uns. 2004 hatte im Vorfeld niemand auch einen Pfifferling auf Griechenland gesetzt. Die Buchmacher hatten die Griechen seinerzeit bei Quoten von über 100 zu 1. Und diejenigen, die genügend Vertrauen/Phantasie sowie Risikobereitschaft in die Truppe von Otto Rehagel gesetzt hatten, konnten sich wahrlich über einen sehr warmen Geldregen freuen.
Ich werde aufgrund dieser aus meiner Sicht einfach viel zu verführerischen Wettquote in jedem Fall ein paar Euro auf unsere Nachbarn setzen. Und sollte es dann am 10. Juli kurioser Weise tatsächlich zu der Finalpaarung Deutschland gegen Österreich kommen, dann wüsste ich vermutlich wirklich nicht, zu wem ich halten sollte. Na ja, vielleicht würde der Patriotismus doch noch über dem finanziellen Aspekt siegen. Vielleicht aber auch nicht
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